AN-M74
| AN-M74 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | AN-M74, M74, E5R8, E5[1] |
| Typ: | Brandbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | Chemical Warfare Service, Ordnance Departement, DuPont |
| Entwicklung: | 1943 |
| Indienststellung: | 1945 |
| Einsatzzeit: | 1945–1958 |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 3,4–3,86 kg |
| Länge: | 0,495 m |
| Durchmesser: | 76,2 mm |
| Spannweite: | 76,2 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 1,22 kg PT-1-Pyrogel |
| Zünder: | Aufschlagzünder / Verzögerungszünder |
| Waffenplattformen: | Bomber |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Die AN-M74 war eine US-amerikanische Napalm-Streumunition, die während des Zweiten Weltkrieges produziert und eingesetzt wurde.
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Entwicklung der AN-M74-Bombe begann 1943 im Edgewood Arsenal. Basierend auf einem Auftrag der United States Army Air Forces (USAAF) sollte eine verbesserte Ausführung der AN-M69-Napalm-Streubombe entwickelt werden. Die neue Bombe sollte über einen ähnlich großen Bombenkörper verfügen, aber mit einer größeren Menge Brandstoff befüllt sein sowie über eine größere Durchschlagskraft verfügen. Die Ingenieure beim Chemical Warfare Service (CWS) und DuPont nahmen die Bombenhülle der AN-M69, vergrößerten deren Durchmesser, modifizierten den Zündmechanismus und ersetzten das Paket mit den Stoffbändern am Bombenheck. Anstelle dessen bauten sie eine mit einem Teleskoprohr ausfahrbare Heckflosse ein. Befüllt wurde die Bombe mit dem neuentwickelten gelförmigen Brandstoff PT-1 Pyrogel von DuPont. Nach verschiedenen Versuchen auf dem Testgelände Dugway Proving Ground in Utah wurden Anfang Mai 1945 die ersten Chargen AN-M74-Bomben an die Twentieth Air Force (20th AF) geliefert.[2][3][4] Bis zum Kriegsende wurden hunterttausende AN-M74 produziert.
Technik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bomben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bombe hatte eine längliche Rumpfform mit einem sechseckigen Querschnitt und keine Stabilisierungsflügel. Der Bombenkörper bestand aus Blechen. Die Bombe war 0,495 m lang, hatte einen Durchmesser von 76,2 mm.[5] Das Gewicht lag zwischen 3,4 und 3,86 kg, je nach dem verwendeten Brandkampfstoff.[6] Im flachen Bombenkopf befand sich der Aufschlagzünder. Verwendet wurden die Zünder M3, M142 und später der hochempfindliche M197. Unmittelbar hinter dem Zünder befand sich eine Ladung Schießpulver. Darüber war eine Blechdose mit 0,17 kg Weißem Phosphor angebracht. Hinter einer Trennwand war der Brandkampfstoff eingefüllt. Neben Napalm (NP) wurde primär die gelförmige Brandmischung PT-1 Pyrogel verwendet. Dies war eine Mischung aus Benzin, Methacrylsäurebutylester, Magnesiumpulver, Kerosin sowie Erdölrückständen, Asphalt, Aktivkohle und Natriumnitrat.[7] Im Bombenheck war ein Blechbehälter eingepresst. In diesem befand sich ein schraubfedergespanntes Teleskoprohr mit Heckflosse und Ringleitwerk. Diese sprangen nach dem Abwurf heraus und stabilisierte den Fall der Bombe. Die Grundfarbe der Bombe war grau und später olivgrün. Ein violetter Streifen kennzeichnete die AN-M74 als Brandbombe.[5]
Die Bomben wurden für den Abwurf in Streubehälter und Streubomben gepackt. Am meisten kam die Streubombe vom Typ M31 (E48) zum Einsatz. Diese war mit 38 AN-M74 Bomben beladen und wog 238 kg. Nach dem Abwurf der Streubombe folgte diese einer ballistischen Kurve. In einer selektierbaren Höhe (in der Regel 1.524 m oder 5.000 Fuß) wurden die Sprengringe und dadurch die Bombenbeplankung weggesprengt.[8] Die AN-M74 Bomben verteilten sich nun nach dem Gießkannenprinzip über der Zielfläche. Die Bombenhülle der AN-M74 war so konstruiert, dass die Bombe Dachziegel und Betonplatten bis zu einer Stärke von 102 mm durchschlagen konnte.[9] Beim Aufschlag aktivierte der Zünder die Bombe. Mit wenigen Sekunden Verzögerung wurde das Schießpulver und das Phosphor entzündet. Durch den Druck im Bombenkörper wurde das Bombenheck abgesprengt und der entzündete Brandstoff herausgeschleudert.[10] Der Druck reichte aus, um das Pyrogel 2,5–5 m weit zu verspritzen. Die Brandmischung hatte eine Brenndauer von 4–6 Minuten bei einer Temperatur von 1.200–1.600 °C.[11] Das klebrige, brennende Gel war mit Wasser praktisch nicht zu löschen. Gegenüber dem an der Harvard University zeitgleich entwickelten herkömmlichen Napalm haftete das PT-1-Pyrogel besser an Oberflächen. Ebenso besaß es eine längere Brenndauer und eine wesentlich höhere Brandtemperatur. Allerdings neigte es nach längerer Lagerzeit zur Entmischung. Es entstanden die folgenden Ausführungen der AN-M74-Bombe:[6][12]
- AN-M74: 1. Serienversion mit M3 oder M142-Zünder.
- AN-M74A1: 2. Serienversion mit M197-Zünder.
- AN-M74 (E5): Modell befüllt mit 1,91 kg Lost. Gewicht der Bombe 3,99 kg.
Streubomben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die AN-M74 wurden als Bündel in Streubehältern und Streubomben montiert.[9] Diese waren im Querschnitt kreisförmig oder sechseckig. Dadurch konnten sie als Bündel mit unterschiedlicher Bestückung und Gewicht zusammengestellt werden. Bekannte Streubomben und Behälter für die AN-M74 waren:[13]
- M18: (E28) mit E6R2-Adapter mit 38 × AN-M74, Gewicht 159 kg
- M31 (E48): mit M35-Adapter mit 38 × AN-M74, Gewicht 238 kg
- M35: mit M30-Adapter mit 57 × AN-M74A1, Gewicht 313 kg
Einsatz
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Die primäre Einsatzplattform war der Bomber B-29 „Superfortress“. Dieser konnte mit 38 M31-Streubomben beladen werden. Somit konnte ein einzelner Bomber dieses Typs 1.444 AN-M74-Bomben zum Einsatz bringen.[14] Der erste belegte Einsatz von AN-M74-Bomben erfolgte am 7. Juni 1945 beim Luftangriff auf Ōsaka. Bei diesem Flächenbombardement wurden neben anderen Brandbomben über 185 Tonnen AN-M74-Bomben auf die Stadt abgeworfen und dabei knapp 6 km2 Stadtgebiet niedergebrannt.[7] Danach wurde das Bombenmodell bei weiteren Luftangriffen auf japanische Städte und Siedlungen abgeworfen. Einer der zerstörerischsten Luftangriffe mit AN-M74-Bomben erfolgte in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli 1945 auf das nordjapanische Aomori. In dieser Nacht warfen 65 B-29-Bomber 79.116 AN-M74-Bomben auf die Stadt ab. Die darauffolgenden Großfeuer brannten die Stadt zu 88 % nieder.[10][15]
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die AN-M74-Bombe während des Koreakrieges zum Einsatz. Wiederum wurde empfohlen, die Bevölkerungszentren von Nordkorea mit kleinen Brandbomben zu bombardieren.[16] So wurden die Städte Pjöngjang, Hoeryong, Hŭngnam, Hamhŭng, Chongsong, Chinbo, Kusu-dong und Sinŭiju mehrfach mit Streu-Brandbomben vom Typ AN-M74, AN-M69, und AN-M50 bombardiert.[17] Auch diese Einsätze forderten enorme Verluste unter der Zivilbevölkerung und ganze Städte wurden durch die entfachten Großfeuer bis auf die Grundmauern niedergebrannt.[18][19]
Die AN-M69-Bomben verblieben bis 1958 im Arsenal der United States Air Force und wurden dann ausgesondert.[6]
Nutzerstaaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Uxoinfo, MOTIS, BOMB, INCENDIARY, M74 (Datenblatt), (PDF, 82,8 kB) ( vom 23. Februar 2015 im Internet Archive)
- ↑ How we fight japan with fire. Popular Science Mai 1945, Seite 100–109, Zugriff: 20. Februar 2015
- ↑ Kleber, B.E. und Birdsell, D.: Chemical Warfare Service Chemicals in Combat. Center of Military History, United States Army. Zugriff: 20. Februar 2015
- ↑ Loc.gov: Dugway Proving Ground, German-Japanese Village (PDF; 3,1 MB)
- 1 2 USNBD - Bombs and Fuzes, Pyrotechnics (1945). (PDF) In: bulletpicker.com. U. S. Navy Bomb Disposal School, abgerufen am 18. Februar 2026 (englisch).
- 1 2 3 Osd.mil: U.S. Chemical Weapons and Related Materiel Reference Guide (PDF)
- 1 2 Dtic.mil: National Defense Research Committee (NDRC): Summary Technical Report of Division 11, Volume 3: Fire Warfare, Incendiaries and Flame Throwers, Washington D.C. 1946. (PDF)
- ↑ Department of the Army Technical Manual: Technical Manual TM 3-400 Chemical Bombs & Clusters, Departments of the Army and the Air Force, May 1957.
- 1 2 Joint Target Group: Study of Incendiary Bombings for Employment by the United States Army Air Forces, NARA-M1655, Washington D.C. October 1944, Seiten 14–23.
- 1 2 United States Strategic Bombing Survey: Effects of Incendiary Bomb Attacks on Japan, A Report on eight Cities. United States Strategic Bombing Survey, 1947. S. 137–138
- ↑ Un.org: Napalm And Other Incendiary Weapons And All Aspects Of Their Possible Use. (PDF; 12 MB)
- ↑ Department of the Army Technical Manual: Technical Manual TO 11-1-28/TM 9-1325-200 Bombs & Bomb Components, Departments of the Army, the Navy and the Air Force, April 1966.
- ↑ War Department: Technical Manual TM 9-1904 Ammunition Inspection Guide, März 1944.
- ↑ Twentieth Air Force Association. Zugriff: 20. Februar 2015.
- ↑ The 6th Bomb Group - B-29 Performance, Zugriff am 20. Februar 2015
- ↑ Apjjf.org: Napalm in US Bombing Doctrine and Practice, 1942-1975 (PDF; 0,7 MB)
- ↑ Jörg Friedrich: Yalu. An den Ufern des dritten Weltkrieges. Propyläen Verlag, München 10/2007, ISBN 978-3-549-07338-4
- ↑ Cumings, Bruce: Napalm über Nordkorea. In: Le Monde diplomatique. Nr. 7536, 10. Dezember 2004, S. 5–7 (monde-diplomatique.de).
- ↑ Crane Conrad: American Airpower Strategy in Korea 1950–1953, University Press of Kansas 2000.