David Raksin
David Raksin (* 4. August 1912 in Philadelphia, Pennsylvania; † 9. August 2004 in Van Nuys, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Filmkomponist und seit 1956 Dozent für Filmmusik an der UCLA.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Raksin entstammte einer russisch-jüdischen Familie. Er war der Sohn des professionellen Klarinettisten Isidore Raksin, der auch Musik für Stummfilme komponierte und als Dirigent tätig war.[1] Sein jüngerer Bruder Ruby Raksin (1917–1979) wurde später ebenfalls Filmkomponist. Unter Leitung seines Vaters erlernte David Raksin früh mehrere Instrumente und leitete mit zwölf Jahren seine eigene Tanzband. Musik studierte er u. a. an der University of Pennsylvania bei Harl McDonald, zur Finanzierung seines Studiums spielte er in Jazzbands und Radioorchestern. Nach Abschluss des Studiums lebte und arbeitete Raksin in New York, wo er Schüler bei Isadore Freed war. Dabei gelang es ihm schon in seinen frühen Zwanzigern, sich als Arrangeur einen Namen zu machen, was zu Zusammenarbeiten mit Benny Goodman und George Gershwin führte.[1]
1935 zog Raksin nach Hollywood, wo er mit Charlie Chaplin am Soundtrack für Moderne Zeiten arbeitete.[2] Dieser feuerte ihn jedoch, weil er zu viele Ideen einbrachte. Der einflussreiche Filmkomponist Alfred Newman erkannte jedoch Raksins Talent und förderte ihn weiter. Abseits der Filmmusik arbeitete er zeitweise als künstlerischer Assistent von Leopold Stokowski und nahm weitere Studien bei Arnold Schönberg.[1] Nach vielen im Abspann ungenannten Aufgaben gelang es Raksin, sich in den frühen 1940er-Jahren durch die Musik für B-Filme der 20th Century Fox als Filmkomponist einen ersten Namen zu verschaffen.
Sein endgültiger Durchbruch und zugleich eines seiner bekanntesten Werke wurde die Musik zum Filmklassiker Laura, der 1944 unter der Regie von Otto Preminger entstand. Die von Raksin komponierte, markante Titelmelodie wurde über die Jahrzehnte vor allem in der Jazzmusik viele Male gecovert. Für die 1947 entstandene Literaturverfilmung Amber, die große Kurtisane (Forever Amber) schrieb Raksin ebenfalls die Filmmusik, wofür er seine erste Oscarnominierung erhielt. Für seine Arbeit an der Musik für Getrennt von Tisch und Bett wurde er 1959 ein zweites Mal für den Oscar nominiert. Ebenfalls erwähnenswerte Kompositionen entstanden für das 1952 entstandene Drama Stadt der Illusionen sowie den Spätwestern Der Verwegene mit Charlton Heston, der 1968 in die Kinos kam. Er schrieb in seiner langen Karriere die Musik für mehr als 120 Spielfilme und Fernsehserien, insgesamt war er bis in die späten 1980er-Jahre an über 400 Film- und Fernsehproduktionen in unterschiedlichen musikalischen Funktionen beteiligt.[2]
Ab 1956 unterrichtete er über einen Zeitraum von fast 50 Jahren als Dozent für Komposition an der UCLA, später zudem als Adjunct Professor an der University of Southern California.[3] Darüber hinaus war er von 1962 bis 1970 Präsident der Composers and Lyricists Guild of America.[2] Raksin trat außerdem als Dirigent in Erscheinung, wobei er teilweise seine eigenen Werke aufführte, und moderierte zudem im Alter das Radioprogramm The Subject is Film Music. Dieses, welches aus 64 einstündigen Sendungen besteht, gilt als eines der wichtigsten mündlichen Zeugnisse der Geschichte der Filmkomposition in Hollywood.[1]
Raksin starb wenige Tage nach seinem 92. Geburtstag an Herzversagen.[3] Er war zweimal verheiratet, beide Ehe endeten durch Scheidung.[2][4] Aus seiner ersten Ehe ging die Tochter Valentina Raksin hervor, aus der zweiten Ehe der Journalist und Pulitzer-Preis-Träger Alex Raksin.[2]
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Saturn-Award-Verleihung 1977 erhielt Raksin für sein Lebenswerk eine Sonderauszeichnung. Die American Society of Composers, Authors and Publishers ehrte ihn 1992 für sein Schaffen. Die Society of Composers & Lyricists vergibt jährlich den David Raksin Award for Emerging Talent.[5]
Filmografie (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1941: Roman einer Tänzerin (The Men in Her Life)
- 1943: Something to Shout About
- 1944: Main Street Today (Dokumentarkurzfilm)
- 1944: Laura
- 1944: Belle of the Yukon
- 1945: Mord in der Hochzeitsnacht (Fallen Angel)
- 1947: Das Doppelleben des Herrn Mitty (The Secret Life of Walter Mitty)
- 1947: Amber, die große Kurtisane (Forever Amber)
- 1947: Endspurt (The Homestretch)
- 1948: Eine Dachkammer für zwei (Apartment for Peggy)
- 1948: Die Macht des Bösen (Force of Evil)
- 1948: Rache ohne Gnade (Fury at Furnace Creek)
- 1950: Frau am Abgrund (Whirlpool)
- 1950: Das Raubtier ist los! (The Reformer and the Redhead)
- 1950: The Magnificent Yankee
- 1951: Colorado (Across the Wide Missouri)
- 1950: Der einsame Champion (Right Cross)
- 1951: Der Mann in Schwarz (The Man with a Cloak)
- 1951: Kind Lady
- 1952: Stadt der Illusionen (The Bad and the Beautiful)
- 1952: Pat und Mike (Pat and Mike)
- 1952: Carrie
- 1952: Frau in Weiß (The Girl in White)
- 1952: Madeline (Kurzfilm)
- 1954: Der Attentäter (Suddenly)
- 1954: Massai (Apache)
- 1955: Geheimring 99 (The Big Combo)
- 1956: Der Mann ohne Furcht (Jubal)
- 1956: Eine Handvoll Hoffnung (Bigger Than Life)
- 1956: Die Männer um Hilda Crane (Hilda Crane)
- 1958: Getrennt von Tisch und Bett (Separate Tables)
- 1959: Al Capone
- 1961: Night Tide
- 1962: Zwei Wochen in einer anderen Stadt (Two Weeks in Another Town)
- 1964: Die Heulboje (The Patsy)
- 1964: Treffpunkt für zwei Pistolen (Invitation to a Gunfighter)
- 1966: Höchster Einsatz in Laredo (A Big Hand for the Little Lady)
- 1968: Der Verwegene (Will Penny)
- 1971: Was ist denn bloß mit Helen los? (What’s the Matter with Helen?)
- 1983: The Day After – Der Tag danach (The Day After)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über David Raksin im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- David Raksin bei IMDb
- David Raksin bei Discogs
- David Raksin erinnert an seine Kollegen: (englisch, Raksins kundige biografische Notizen über Alfred Newman, Miklós Rózsa, Max Steiner, Erich Wolfgang Korngold, Franz Waxman, Aaron Copland, Hugo Friedhofer, Bernard Herrmann und Dimitri Tiomkin; die Texte finden sich auf der Website von American Composers Orchestra versammelt)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 DAVID RAKSIN – Fathers of Film Music, Part 10. In: MOVIE MUSIC UK. 1. Mai 2015, abgerufen am 30. Juni 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 5 Aljean Harmetz: David Raksin, the Composer of ‘Laura,’ Is Dead at 92. In: The New York Times, 11. August 2004.
- 1 2 David Das: David Raksin. In: Society of Composers & Lyricists. 10. August 2004, abgerufen am 30. Juni 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Michael Freedland: David Raksin. In: The Guardian. 11. August 2004, abgerufen am 12. Juli 2019 (englisch, Nachruf).
- ↑ Christ Wilman: Society of Composers. In: Variety, abgerufen am 7. Januar 2024.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Raksin, David |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Komponist von Filmmusik |
| GEBURTSDATUM | 4. August 1912 |
| GEBURTSORT | Philadelphia, Pennsylvania, Vereinigte Staaten |
| STERBEDATUM | 9. August 2004 |
| STERBEORT | Van Nuys, Kalifornien, Vereinigte Staaten |