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Viscosistadt

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Die Viscosistadt ist ein ehemaliges Industrieareal in Emmenbrücke, einem Ortsteil der Gemeinde Emmen im Schweizer Kanton Luzern. Es liegt an der Kleinen Emme, nördlich des Seetalplatzes, und umfasst eine Fläche von 89'000 Quadratmetern – vergleichbar mit der Grösse der Altstadt Luzern. Das Areal befindet sich seit 2014 in einem schrittweisen Transformationsprozess von einem reinen Industriestandort zu einem gemischten Stadtquartier mit Schwerpunkt auf Arbeit, Bildung, Kultur und Wohnen.

Gründung und Blütezeit (1906–1973)

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Im Jahr 1906 gründete der französische Industrielle Ernest Carnot an der Kleinen Emme die Société de la Viscosuisse. Das Unternehmen nahm noch im gleichen Jahr mit 60 Mitarbeitenden die Produktion von Viscose-Filamentgarn (Kunstseide) auf. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Betrieb zum bedeutendsten Arbeitgeber der Region. 1928 beschäftigte das Unternehmen bereits 2765 Personen. 1951 entstand auf dem Areal die erste Nylonfabrik der Schweiz mit der Produktion von Polyamid 6.6.

Luftaufnahme der Viscosistadt im Jahr 1951 (Archiv der ETH-Bibliothek).

Den Höhepunkt erreichte das Unternehmen 1973 mit einem Personalbestand von 5500 Mitarbeitenden und einer Jahresproduktion von 54'500 Tonnen. Im Jahr 1960 stammten 2 % aller Schweizer Exporte aus der Viscosuisse in Emmenbrücke.[1]

Luftaufnahme des Areals während der Hochblüte 1963.

Niedergang und Eigentümerwechsel (1973–2009)

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Ab den 1970er Jahren führten wirtschaftliche Krisen, insbesondere die Ölkrise, zu einem kontinuierlichen Personalabbau. 1980 wurde die Viscose-Produktion eingestellt. In den folgenden Jahrzehnten durchlief das Unternehmen mehrere Umbenennungen und Eigentümerwechsel innerhalb des französischen Rhône-Poulenc-Konzerns. 2007 wurde die Garnproduktion unter dem Namen Nexis Fibers AG weitergeführt, bevor das Unternehmen 2008 in Nachlassliquidation ging. Die Sefar Holding übernahm daraufhin die Monofil-Produktion und gründete 2009 die Monosuisse AG, wodurch über 150 Arbeitsplätze erhalten blieben.[2]

Transformation zum Stadtquartier (ab 2014)

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2013 wurde die Viscosistadt AG gegründet, die das Areal mit dem Ziel übernahm, es schrittweise zu einem vielfältigen Stadtquartier zu entwickeln. Ein wichtiger Impuls kam 2016 mit dem Einzug der Hochschule Luzern – Design Film Kunst, die rund die Hälfte ihrer Räumlichkeiten in die Viscosistadt verlegte; 2019 folgte die zweite Etappe des Umzugs. Seither haben sich rund 100 Mieter aus mehr als 15 Branchen angesiedelt.[3]

Das sanierte Gebäude 745, heute Sitz des Departements Design & Kunst der HSLU.

2022 wurde der Wärmeverbund Seetalplatz in Betrieb genommen, der die Viscosistadt mit nachhaltig erzeugter Energie versorgt.[4] Im Rahmen des bisher grössten Bauprojekts auf dem Areal wurde der Sektor B im Eingangsbereich ausgebaut. Auf sieben Etagen entstanden rund 37'000 Quadratmeter Geschossfläche für Industrie, Kreativwirtschaft und Bildung.[5]

Blick auf den Sektor B und das HSLU-Gebäude (Stand 2026).

Nutzung seit 2014

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Die Viscosistadt versteht sich heute als gemischtes Quartier an der Schnittstelle von Industrie, Gewerbe und Kreativwirtschaft. Neben der Hochschule Luzern – Design Film Kunst (seit 2016 bzw. 2019) und der Fachklasse Grafik Luzern (seit August 2022) beherbergt das Areal Unternehmen verschiedenster Branchen sowie Kulturangebote und Eventflächen. Ein 16'000 Quadratmeter grosser Park am Ufer der Kleinen Emme ergänzt das Quartier. Langfristig ist auch die Schaffung von Wohnraum geplant.

Einzelnachweise

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  1. Viscosi-Areal in Emmenbrücke - Schweiz aktuell - Play SRF. Abgerufen am 22. April 2026.
  2. Nexis Fibers: 150 Arbeitsplätze sind gerettet. In: Luzerner Zeitung. 24. März 2009, abgerufen am 22. April 2026.
  3. Standort Viscosistadt (Bau 745). Hochschule Luzern, abgerufen am 22. April 2026.
  4. Redaktion zentralplus: Viscosistadt Emmen wird mit nachhaltiger Energie versorgt. 16. Januar 2022, abgerufen am 22. April 2026 (Schweizer Hochdeutsch).
  5. Redaktion zentralplus: Die Viscosistadt steht vor der nächsten Veränderung. 12. Dezember 2023, abgerufen am 22. April 2026 (Schweizer Hochdeutsch).

Koordinaten: 47° 4′ 17,04″ N,  16′ 42,6″ O; CH1903: 663791 / 213717