„Mit unendlicher Trauer gibt die Armani-Gruppe den Tod ihres Gründers bekannt: Giorgio Armani ist friedlich im Kreise seiner Lieben verstorben“, teilte seine Modegruppe am Donnerstag in einer Presseaussendung mit.
Unermüdlich habe er bis zu seinen letzten Tagen gearbeitet und sich dem Unternehmen, den Kollektionen und den verschiedenen, immer neuen Projekten gewidmet, „die bereits umgesetzt wurden oder noch in Planung waren“, hieß es weiter. Der Sarg mit seinem Leichnam soll ab Samstag in Mailand aufgebahrt werden. Auf Armanis Wunsch wird die Trauerzeremonie in privater Form stattfinden.
Stars bekunden ihr Beileid
Aus Politik, der Modewelt und der Unterhaltungsbranche kamen zahlreiche Beileidsbekundungen. Mit Armani verliere die Welt eine „Ikone, einen unermüdlichen Arbeiter, ein Symbol für das Beste Italiens“, sagte die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni im Onlinedienst X: „Danke für alles!“
„Die Welt hat heute einen Riesen verloren“, so Modeschöpferin Donatella Versace. „Er hat Geschichte geschrieben und wird für immer in Erinnerung bleiben.“ Schauspielerin Julia Roberts nannte den Modeschöpfer einen „wahren Freund“ und eine „Legende“. Schauspiellegende Claudia Cardinale erklärte, der Tod Armanis erfülle sie mit „enormem Schmerz“. Schauspieler Russell Crowe bekundete, er habe seit den 1990er Jahren eine „Liebesaffäre mit Armani-Anzügen“.
Mehrwöchiger Spitalsaufenthalt
Sorge um Armani gab es bereits vor einigen Monaten, als er erstmals in seiner Karriere nicht persönlich an den Defilees seines Modehauses im Rahmen der Mailänder Männermodewoche teilnehmen konnte. Nach einem mehrtägigen Aufenthalt in einem Mailänder Krankenhaus sagte er an seinem Geburtstag im Juli, im September in die Öffentlichkeit zurückzukehren. Dazu sollte es nicht mehr kommen.
Italienischer Modepapst Giorgio Armani ist tot
Der italienische Modeschöpfer Giorgio Armani ist im Alter von 91 Jahren in Mailand gestorben. Mit seinen schlichten, eleganten Designs zählte er zu den einflussreichsten Modepersönlichkeiten des späten 20. Jahrhunderts. Der Sarg mit Armanis Leichnam soll in Mailand aufgebahrt werden.
Karriere über sieben Jahrzehnte
Der Satz „Eleganz bedeutet nicht aufzufallen, sondern in Erinnerung zu bleiben“ eignet sich nicht nur hervorragend als Kalenderspruch und Wandtattoo, sondern ist vielleicht einer der bekanntesten Leitsätze der Modewelt. Armani brachte dieses Konzept auf den Laufsteg, lebte es aber auch selbst, wie man regelmäßig bei seinen Shows sehen konnte, wenn er in schlichtem Blau und gut gebräunt auftrat.
Armanis Karriere umfasste sieben Jahrzehnte, auch wenn in den 1950er Jahren noch nicht abzusehen war, dass er einmal in einem Atemzug mit Chanel, Dior, Lagerfeld und Versace genannt werden sollte.
Auch Schokolade im Sortiment
Neben Haute Couture, den maßgeschneiderten und unbezahlbaren Kreationen des Modeschöpfers, wird nämlich praktisch alles unter der Marke Armani verkauft: Accessoires, Parfum, Skimode, Süßigkeiten und Blumen. Auch Hotels, Luxusclubs und Restaurants betreibt sein Unternehmen.
Armani verspricht Luxus und Exklusivität, ist aber längst fixer Teil der Popkultur. Wer Armani tragen will, kann im Onlineshop nach Preis sortieren und findet dort als günstigsten Artikel eine knapp anmutende Badehose für Männer um 49 Euro. Auch deshalb ist sein Wirtschaftsimperium entsprechend profitabel: Es macht einen Jahresumsatz von 2,3 Milliarden Euro und beschäftigt über 8.000 Personen.
Weiß, Beige, Grau, „Greige“
Modisch blieb Armani stets puristisch, er reduzierte Kleidungsstücke auf das Wesentliche. Farben wie Weiß, Grau und Beige bestimmen das Portfolio, fast schon gewagt wirkt da „Greige“ (eine Mischung aus Grau und Beige). In einer Branche, die mit dem Exzess nicht fremdelt, setzte Armani auf Disziplin – das sei „80 Prozent von dem, was ich mache“, sagte der Italiener einmal. „Der Rest ist Kreativität. Meine Grenze ist der gute Geschmack.“
Den brachte er auch nach Hollywood, in den 1980er Jahren gelang ihm dort der große Durchbruch. Die Erfolgsgeschichte Armanis lässt sich, so ist es auch jetzt wieder zu lesen, nicht ohne Richard Gere in „American Gigolo“ („Ein Mann für gewisse Stunden“) erzählen. Auf der Leinwand folgten Kevin Costner („Die Unbestechlichen“), Tom Cruise („Mission: Impossible“) und Leonardo DiCaprio („The Wolf of Wall Street“). Mit der TV-Serie „Miami Vice“ wurde das T-Shirt zum Sakko alltagstauglich. Armani etablierte Lässigkeit, etwa durch weniger steife Hemdkragen.
Vom Mediziner zum Modedesigner
Dabei studierte der 1934 in Piacenza geborene Armani zuerst Medizin und kam eher durch Zufall in die Modewelt. Als Schaufensterdekorateur und Einkäufer im renommierten Mailänder Kaufhaus La Rinascente lernte er in den 60er Jahren den Modeschöpfer Nino Cerruti kennen. Ohne Ausbildung machte er bei Cerruti seine ersten eigenen Entwürfe, ehe Armani den Grundstein für sein eigenes Imperium legte.
In den 70ern gründete er mit seinem Lebensgefährten Sergio Galeotti seine eigene Firma. Ab Galeottis frühem Tod 1985 gehörte das Unternehmen nur Armani. Einen Börsengang lehnte er ebenso ab wie sämtliche Übernahmeangebote.
Übergabe „ohne Bruch“
Armani ließ zeit seines Lebens offen, wie es einmal mit seiner erfolgreichen Marke weitergehen wird. Zu Nachfolgeplänen hielt er sich immer bedeckt und unterließ es, einen Nachfolger aufzubauen. Auf die Frage, ob seine rechte Hand Leo Dell’Orco übernehmen könnte, sagte Armani in einem Interview vage, er habe bereits eine klare Struktur aufgebaut, die diejenigen befolgen sollten, die nach ihm einstiegen.
In seinem letzten Interview, das am Samstag in der „Financial Times“ erschien, sagte er, er plane eine „schrittweise Übergabe der Aufgaben, die ich bisher immer selbst wahrgenommen habe, an diejenigen, die mir am nächsten stehen“. Er wolle, „dass die Nachfolge organisch verläuft und kein Bruch entsteht“. „Mein größter Traum ist, dass Armani ein Ausdruck des italienischen Stils bleibt, auch in 50 oder 100 Jahren noch“, sagte er.
Kritik an und von Branche
Armani verfolgte auch immer aktuelle Entwicklungen in der Branche und äußerte auch Bedenken, etwa wenn es um „Fast Fashion“ geht. „Ein Designer muss Mode schaffen, die einzigartig ist und sich nicht jede Woche ändert“, so Armani. Im Jahr 2007 war er der erste Designer, der Models mit einem Body-Mass-Index unter 18 vom Laufsteg verbannte, wenngleich er davon zumindest bei einer Show im Jahr 2014 Abstand nahm.
Aber er stand selbst in der Kritik, etwa Mitte der 90er Jahre, als er nach einem Bestechungsvorwurf gegenüber den italienischen Steuerfahndern zu mehreren Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Später wurde eines seiner Unternehmen unter Zwangsverwaltung gestellt, weil es Arbeiterinnen und Arbeiter ausgebeutet haben soll.