close

Kitesurfer Valentin Bontus: „Am Strand ist es schon einsam“

Die Strände dieser Welt sind das Zuhause von Valentin Bontus. Seinen rasanten Aufstieg hat der Kitesurfer nun mit dem Olympiaticket gekrönt. Über die richtige Balance im Wasser und an Land.

Ein Niederösterreicher mischt die Kite-Welt auf: Valentin Bontus rast über die Nordsee vor Den Haag.
Ein Niederösterreicher mischt die Kite-Welt auf: Valentin Bontus rast über die Nordsee vor Den Haag. Gepa
Josef Ebner
Die Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen.

Wie darf man sich Ihr Leben als Kite-Profi vorstellen? Sommer, Sonnenschein und Strandparty? Oder eiskalter Wettkampf?

Valentin Bontus: Bei uns ist es nicht ganz so intensiv wie bei manch anderen Seglern. Es ist schon noch cool, eher der Surf-Style. Aber weil die Olympischen Spiele jetzt immer näher kommen, wird es intensiver, man schenkt sich nichts mehr am Wasser, auch wenn man an Land befreundet ist.

Bei der WM in Den Haag haben Sie sich gerade Ihr Olympiaticket für Paris 2024 gesichert. Ein Österreicher mischt plötzlich in der Weltelite der Kitesurfer mit.

Ich kite ja schon, seit ich sieben Jahre alt bin, weil mein Papa das schon lang macht. Als Kitefoil dann ins olympische Programm aufgenommen wurde, sind die Rennen interessant geworden. 2022 habe ich dann vom Segelverband meinen Coach, Luca Bursic, an die Seite gestellt bekommen, und seither ist das ein rascher Weg nach oben gewesen. Natürlich waren es zwei intensive Jahre, aber wir sind megahappy.

Worauf kommt es denn an, um auf dem Wasser schnell zu sein?

Es ist extrem wichtig, fit zu sein und das richtige Gewicht zu haben. Je mehr Gewicht du hast, desto mehr Kraft kannst du auf das Brett übertragen und so mehr Geschwindigkeit aufbauen. Ich wiege jetzt 105 kg, zwischen 95 und 105 liegt der Optimalbereich, außerhalb davon befindet sich keiner mehr, der in den Top zehn ist. Dazu kommt, wie viel Zeit du in Materialtests investierst und an der Technik am Wasser, der Flüssigkeit der Manöver, arbeitest. Da kannst du ein paar Kleinigkeiten herausholen. Aber wenn du das Gewicht nicht hast, hast du es wirklich schwierig.

Ist das Gewicht eine Herausforderung für Sie?

Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich da vielleicht einen Vorteil habe. Ich habe mit meinem Körperbau kein Problem, mein Gewicht zu halten. Aber es gibt Konkurrenten, die damit richtig Probleme haben. Viele sind dauernd am Essen, das ist auch nicht schön zu sehen.

Wenn dann alles zusammenpasst, Gewicht, Material, Bedingungen – welches Gefühl erleben Sie dann am Wasser?

Grundsätzlich macht es mir unglaublich Spaß, etwas zu machen, das ich liebe. Mir damit ein Leben, eine Karriere aufzubauen, ist das Allerschönste. Am Wasser sind es die Geschwindigkeit, die Ruhe und die Intensität – eine schöne Balance. Und natürlich, wenn du im Kopf-an-Kopf-Rennen ein paar Meter gewinnst. Es ist schön zu erleben, wie intensiv die Konkurrenz wird. Natürlich ist man im Wasser nicht immer befreundet, aber ich habe an Land ein gutes Verhältnis mit meinen Kollegen. Und dass ich zu Olympia fahren darf, ist ein Traum, der in Erfüllung geht.

Valentin Bontus in Den Haag.
Valentin Bontus in Den Haag. APA

Als Österreicher sind Sie als Einzelkämpfer in der Kitesurf-Welt unterwegs.

Bei der WM waren jetzt alle Segelklassen mit dabei, wir waren ein Riesenteam vom Segelverband, hatten ein super Klima. Dann am Strand ist es schon eher einsam. Aber ich habe meine ein, zwei Trainingspartner, mit denen ich immer eine schöne Zeit habe und blödeln kann, das gehört auch dazu. Aber weil ich der einzige Österreicher bin, gibt es jetzt niemanden, der dasselbe durchmacht.

Wie wird man als Österreicher überhaupt Kite-Profi?

Natürlich gibt es den Neusiedlersee, aber für Kitefoil, meine Disziplin, ist da zu wenig Wasser. Wirklich gut geht es nur am Traunsee, deswegen musst du als Österreicher schon reisen, sonst kommst du nicht voran. Wir waren im Urlaub in Griechenland, Ägypten, Spanien, wo immer es gerade gepasst hat. Ich war extrem motiviert, sechs Stunden am Tag im Wasser, da lernst du es schnell. Ich war auch für ein Semester in der World Class Academy in Oregon, da sind wir mit den Lehrern um die Welt gereist: Brasilien, Hawaii, Kolumbien, Panama – eine Megaerfahrung.

Sie sind gerade in Griechenland, dann bei der EM in England, für einen Abstecher am Traunsee und weiter zum Training nach Fuerteventura, Mexiko und ins Olympiarevier nach Marseille. Das Reisen macht Ihnen nichts aus?

Mir taugt es schon. Natürlich ist es manchmal anstrengend, aus dem Koffer zu leben. Aber wenn ich mir so wie jetzt bei der WM meinen Olympiaplatz hole und Vierter werde, dann hat sich jede mühsame Sekunde ausgezahlt. Du wirst im Leben kaum etwas machen können, wo nicht auch etwas Mühsames dabei ist.

Was sind denn Ihre liebsten Kite-Spots auf der Welt?

Am liebsten bin ich hier in Griechenland. Hier sind die Konditionen am schönsten, und ich bin bei meiner Familie (Bontus‘ Eltern betreiben ein Hotel auf Paros, Anm.). Beim Segeln ist es immer schwierig, an Orte zu fahren, die so perfekt sind, weil es dort die Infrastruktur oft nicht zulässt, ein Event zu veranstalten. Die Hauptthemen für mich sind Anfang des Jahres immer die Regatta in Palma de Mallorca und in Hyères in Südfrankreich.

Wie gefährlich ist der Sport? Was ist Ihnen schon passiert?

Es ist irre gefährlich! Im Endeffekt machen wir Geschwindigkeiten bis zu 70 km/h, da wird das Wasser dann schon ziemlich hart. Da brauchst du auch die richtige Muskulatur, damit bei einem Aufprall nicht gleich die Knochen kaputtgehen. Wenn du so knapp hintereinanderfährst, musst du auch auf die anderen vertrauen, dass sie nicht zu hart reingehen. Das Foil unter Wasser ist so scharf wie ein Messer, wenn ich mit 70 km/h daherkomme. Wenn da einer vor mir hinfällt, kann es schon richtig schiefgehen. Gott sei Dank ist mir noch nichts passiert.

Haben Sie eine besondere Beziehung zum Wasser?

Ich war immer eine Wasserratte. 2020 habe ich mir das Kreuzband gerissen, ich war über sechs Monate weg vom Wasser. Es hat gefehlt.

STECKBRIEF

Valentin Bontus, 22, aus Perchtoldsdorf ist Österreichs schnellster Kitefoil-Surfer. Er startet für den Jachtclub Podersdorf, seine Trainingsbasis hat er auf der griechischen Insel Paros, wo seine Eltern ein Hotel betreiben.

Vor einer Woche hat Bontus bei der WM in Den Haag einen Startplatz für Olympia 2024 in Paris eingefahren und wurde Vierter. Das olympische Segelrevier liegt vor Marseille.

Ab 19. September wird Bontus bei der EM in Portsmouth am Start stehen, ab 4. Oktober bei der World Series am Traunsee.

Kitefoil

Die Disziplin kommt aus dem Kitesport. Durch ein Hydrofoil (Kostenpunkt: 4000 Euro) wird das Brett verlängert, die Geschwindigkeiten sind dadurch sehr hoch (bis zu 70 km/h).

Valentin Bontus.
Valentin Bontus. APA

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.