Plattenbau

Als Plattenbau wird eine Bauweise bezeichnet, bei der Gebäude aus geschosshohen Betonfertigteilen errichtet werden, die zuvor in einem Werk hergestellt und als fertige Elemente auf der Baustelle nur noch montiert wurden. Die Bauweise entstand aus den Bemühungen um einen seriellen bzw. industriellen Wohnungsbau seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über Zwischenschritte wie Großblockbauweise und Streifenbauweise ab Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine weiterentwickelte Form ist die Raumzellenbauweise, welche parallel ab den 1960er Jahren entwickelt wurde.
Voraussetzung für die Anwendbarkeit des Plattenbaus als effizienzsteigernde Baulösung ist wie bei allen seriellen Produktionsweisen Typisierung und Standardisierung sowie die Möglichkeit der industriellen Herstellung, des Transports und der Montage der großen und schweren Elemente. Durch die veränderten politischen und technischen Möglichkeiten setzte sich die Bauweise insbesondere in Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch. Während der Plattenbau in Westeuropa, als Großtafelbauweise bezeichnet, meist auf Großwohnsiedlungen des sogenannten sozialen Wohnungsbaus beschränkt blieb, wurde er im sogenannten Ostblock von den frühen 1960er Jahren an zur dominanten Bauweise für fast alle Zwecke. Die Potentiale der zunehmend variabler und komplexer werdenden Serien konnten aufgrund der Situation der dortigen Volkswirtschaften allerdings nicht mehr ausgeschöpft werden.
Begriff
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Definition
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Als Plattenbau wird eine industrialisierte Bauweise bezeichnet, bei der Gebäude – überwiegend Wohnbauten – aus werkseitig oder auf einem Feldwerk in der Nähe der Baustelle vorgefertigten, raum- bzw. wandgroßen Stahlbetonelementen errichtet werden, die per Kran montiert und an der Baustelle zu einem tragenden Gesamtsystem gefügt werden. Als Plattenbauten werden fachlich ausschließlich Gebäude bezeichnet, die aus industriell vorgefertigten, geschosshohen und wandbreiten Platten sowie entsprechenden Deckenplatten montiert sind.
Im historischen Kontext seriellen/industriellen Bauens werden häufig auch Vorläufertechniken wie die Block- und Großblocktechnik sowie die Streifenbauweise sowie Halbfertigteilbauweise mit betrachtet. All diese Techniken verwendeten bereits größere Elemente, meist aus Beton, und konnten seriell, bei der Großblock- und Streifenbauweise auch bereits industriell hergestellt werden. Sie waren jedoch kleiner und vor allem leichter als die späteren Platten/Großtafeln und konnten mit zeitgenössischen Tragkränen problemlos verarbeitet und mit Lastkraftwagen transportiert werden. Die technische Entwicklung, mit der die Montagekräne höhere Lasten heben konnten, verdrängten diese Vorläufer später weitgehend. Wurden frühe Konstruktionen noch in der Nähe der Baustelle hergestellt und nur von einem Kran an die Montagestelle gebracht, folgten später große ortsgebunden Fertigungswerke mit komplexen Fließlinien. Auch mobile Plattenwerke spielten z. B. für das ländliche Bauen eine Rolle.
Ebenfalls in den Umkreis der Plattenbautechnik zählen Fertigteilelemente, wie Fassaden, Treppen und Aufzugsschächte in Kombination mit Ortbetonkonstruktionen. Hierbei werden massive Schottenkonstruktionen vor Ort als zusammenhängendes Bauteil monolithisch gegossen und mit Voll- und Halbfertigteilen wie z. B. Sandwichwandplatten, die in einem Werk hergestellt wurden, belegt. Bekannte Beispiele sind der Gebäudekomplex Memhardstraße in Ostberlin, ausgeführt in Berliner Wandbauweise, sowie der Gebäudekomplex Wassertorstraße in Westberlin, ausgeführt in Schälerbauweise.
Begriffsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Begriff Plattenbauweise wurde bereits in den 1920er Jahren verwendet und war sowohl in der DDR wie auch der Bundesrepublik der Nachkriegszeit fachlich üblich. Der Bauingenieur Robert von Halász schlug hingegen für die Grundmodule 1966 den Begriff „Tafeln“ und für die Bauten „Tafelbauten“ vor, der Ausdruck „Plattenbau“ sei „sprachlich falsch und begrifflich ungenau“.[1] Ausschlaggebend für diese Unterscheidung war, dass „Platten“ strenggenommen nur jene Bauelemente seien, die hauptsächlich auf Biegung beansprucht werden, insbesondere also Decken. Hingegen bezeichnete er Elemente wie Wände, die hauptsächlich auf Druck beansprucht werden, als „Scheiben“. Der Begriff „Tafel“ umfasse dann beide Gruppen.[2] Sein Begriff hat sich zwar fachsprachlich etabliert, den Begriff Plattenbau allerdings nicht verdrängt.[3]
Seit den 1970er Jahren wurde der Begriff Plattenbau im Westen allgemeinsprachlich als abwertender Begriff für Großwohnsiedlungen üblich. Nach der Wiedervereinigung wurde der Begriff dann auch auf die Neubaugebiete der DDR angewandt, medial in häufig abwertender Absicht. Dessen ungeachtet hat sich der Begriff fachlich wie in der Umgangssprache weitgehend durchgesetzt.[3]
In Ostdeutschland wird er jedoch nach wie vor auch als abwertender Begriff verstanden.[3] Der Soziologe Steffen Mau konstatiert in seinem Buch Lütten Klein (2019) z. B. über die gleichnamige Siedlung in Rostock, der Begriff „Plattenbau“ für die Gebäude werde von vielen Bewohnern seit der Wende als „westdeutscher Kampfbegriff“ verstanden. In der DDR war die Bezeichnung „Neubau“ gebräuchlich.[4]
Bautechnik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Plattenbauverfahren gehört zur Gruppe des Fertigteilbaus und findet insbesondere bei Wohn- und Bürogebäuden Anwendung. Betonplatten werden in Fabriken hergestellt und zur Baustelle transportiert. Dort werden sie dann zusammengefügt.
Herstellung
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Die Herstellung der Platten wird wetterunabhängig in Fabriken ausgeführt, entweder in stationären Werken, von denen aus die Elemente dann zum Bauplatz transportiert werden, oder auch als Feldfabrik, die bei großen Projekten sinnvoll ist, da der Transport entsprechend entfällt oder reduziert werden kann. Der Übergang zur Ortbetonbauweise ist hier fließend.
Die Produktion der Tafeln erfolgt in acht aufeinanderfolgenden Arbeitsgängen:[5.1]
- Vorbereitung der Schalung (Reinigen, Zusammensetzen, Einsprühen)
- Einbau von Aussparungen und Verlegen von Leerrohren für die Installation
- Einsetzen der vorbereiteten Bewehrung
- Einbringen und Verdichten des Betons auf dem Rütteltisch
- Erhärten
- Ausschalen und Transport aus der Halle
- Endkontrolle
- Lagern
Die Produktion erfolgt je nach Typ der Teile unterschiedlich. Flächige Teile wie Wand- und Deckenplatten werden in der Umlauffertigung produziert, bei der die Teile von Arbeitsstation zu Arbeitsstation verbracht werden. Andere Teile werden häufig in der Standfertigung produziert, bei der die Arbeitskolonnen von Element zu Element wandern.[5.1]

Transport
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für den Transport der Elemente müssen leistungsfähige Transportmittel zur Verfügung stehen, entweder LKWs auf guten Straßen ohne weitere Hindernisse oder Bahnen. Bei LKWs ist der Transport mit Tiefladern üblich, große Elemente werden dabei in der Regel aufrecht stehend transportiert. Der Transport muss auch gewährleisten, dass dabei keine Kräfte auf die Elemente wirken, die Schäden verursachen können.[5.2]
Je nach Projekt kann der Transport entweder direkt zum Montageort erfolgen, wo die Elemente sofort verbaut werden, oder in ein Zwischenlager, das als Puffer für Unregelmäßigkeiten bei der Zulieferung dienen kann.[5.2]
Montage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Montage der Fertigteile erfolgt nach einem Montageplan in festgelegter Reihenfolge. Ausschlaggebend ist dabei die Qualität der Krane, die die Elemente an ihren Bestimmungsort heben. Sie müssen nicht nur hohe Lasten tragen, sondern auch mittels eines Feinhubwerks die Elemente ruckfrei bewegen können. Leichtere Platten werden dabei von Turmdrehkranen gehoben, schwerere durch Autokrane.[5.3]
Beim Absetzen der Elemente können diese entweder per Unterlagsplatten oder mit Schraubenbolzen justiert werden. Anschließend werden die Platten mit Richtstützen und Montagestreben gesichert und zur Befestigung mit Fertigmörtel oder Beton vergossen. Sollen sie später demontierbar bzw. regulierbar sein, können die Befestigungen statt Verguss auch mit nicht rostendem Stahl ausgeführt werden, was jedoch deutlich teurer ist.[5.3]
Bei entsprechend guter Vorplanung kann ein Bau in Plattenbauweise um bis zu 30 % schneller (und kostengünstiger) ausgeführt werden als ein Bau in Ortbetonbauweise.[5.3]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorläufer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mitte des 19. Jahrhunderts startete ein regelrechter Vorfertigungsboom durch den Export vorgefertigter Häuser als Holz- und Eisenkonstruktionen in die britischen Kolonien. Er endete mit dem Goldrausch um 1860, woraufhin sich die Hersteller wieder auf den Heimatmarkt konzentrierten. Dort hatte Vorfertigung aber nur eine Chance, wenn sie mit dem klassischen Mauerwerksbau konkurrieren konnte. Diese Situation führte zur Verbreitung des Gussbetons in England und Frankreich. Die Kunststeinfirma Lippmann, Schneckenburger und Cie. aus Batignolles bei Paris stellte als erste hohle Platten aus Beton her, mit denen man Häuser zusammensetzen konnte. Die Platten konnten aber kein allzu großes Gewicht aufweisen, um sie noch transportieren zu können, und fielen deswegen recht klein aus. 1875 erprobte W. H. Lascalles eine Blockbauweise, in der die bewehrten Elemente Abmessungen von 61 × 91 × 4 cm hatten. Für diese Bauweise wurde der englische Architekt Richard Norman Shaw beauftragt, um Cottages in rustikalem Stil für das System zu gestalten. Lascelles und Shaw erhielten für die Häuser, angelehnt an den Queen-Anne-Stil, eine Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung 1878.[6] Um 1900 sind von Hennebique und Züblin vorgefertigte Bahnwärterhäuschen für die Staatliche Eisenbahnverwaltung mit Eisenbahnkränen errichtet wurden.[7.1]
Eldon Street Council Housing
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John Alexander Brodie (1858–1934) war von 1898 bis 1925/26 „City Engineer“ von Liverpool und errichtete 1903–1905 an der Ecke Eldon Street/Vauxhall Road in Liverpool experimentelle Wohnbauten aus vorgefertigten Stahlbeton-Wandplatten, die von vornherein auf Serienproduktion angelegt waren und bei der die Arbeitsabläufe fotografisch dokumentiert wurden.[6] Als Mitarbeiter der Stadt ließ er die Arbeiterunterkünfte für das Housing Council mit dem Ziel errichten, schnell und günstig Wohnraum zu schaffen. Die Bauten bestanden zum Teil konstruktiv aus Ortbeton und Mauerwerk, zum Teil aus geschosshohen Platten mit Fensteröffnungen. Zur Montage errichtete man ein hausgroßes Gerüst. Die Wandplatten wurden teilweise auf den fertiggestellten Fertigteildecken gegossen und dann in Position gekippt. 1905 stellte Brodie ein weiteres Haus in Fertigteilbauweise bei der Cheap Cottages Exhibition im britischen Letchworth aus, womit seine Methodik weltweit bekannt wurde.
Aiken System
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein weiterer Zwischenschritt für den Einsatz von geschosshohen Platten war die Entwicklung von Oberst Robert Aiken. Bei dem nach ihm benannten Aiken-System wurden geschosshohe bis mehrgeschossige Hauswände von Gebäuden in einer horizontalen Position gegossen und in Position gehoben.[8] Die US-Armee baute während des Spanisch-Amerikanischer Krieges damit Kasernen auf den Philippinen. Nach seiner militärischen Karriere patentierte Robert Aiken sein System 1908 und gründete die Firma Aiken Cement House. Aiken benutzte damit ein Kippverfahren, das ähnlich dem von Brodie ist und bis in die 1950er Jahre in Frankreich benutzt wurde.

Das System Bérard
Der Pariser Architekt Édouard Bérard patentierte 1908 ein Konstruktionssystem aus vorgefertigten Betonteilen zum Bau von Fertighäusern. Das System wird aus einem Gerüst aus kräftig profilierten und mit Nuten versehenen Betonpfosten gebildet, welches mit Betonplatten verschlossen und ausgegossen wird. Zusammen mit innen an der Konstruktion angebrachten Zementplatten hatten die dreischichtigen Wände eine Stärke von 25 cm, in denen Luftpolster als Isolierschichten verblieben. Das Grundprinzip ist von der traditionellen Fachwerkbauweise abgeleitet und war als industrielle Massenfabrikation gedacht. Zwei Gebäude wurden in Melun, ein weiteres in Suresnes und etwa 20 im Ortskern von Migennes errichtet.[7.2]
Das System Atterbury
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Architekt Grosvenor Atterbury begann um 1902 eine weltweite Untersuchung von Baumethoden; er ließ sich von Thomas Alva Edisons Gussbetonhäusern wie von John Alexander Brodies Experimenten inspirieren. Ab 1904 richtete Atterbury in Sewaren, New Jersey, einen Versuchsplatz ein; sein eigentliches Fertigteilsystem wurde 1907 entwickelt.[9] 1908 bewilligte die Russell Sage Foundation, für die er bereits seit 1906 tätig war, 32.000 US-Dollar zur Weiterführung der Experimente.[10] Zwischen 1908 und 1910 entstanden dort zwei vollständig aus vorgefertigten Betonelementen errichtete eineinhalbgeschossige Versuchshäuser,[11] die zwei unterschiedliche Montagemethoden erprobten: großformatige, horizontal geschichtete Wandstreifen einerseits, und andererseits geschosshohe Wandtafeln, die zwischen Fenster- und Türöffnungen gesetzt wurden und so die horizontalen Fugen minimierten – letztere Methode wurde für die Weiterentwicklung ausgewählt.[10] Zum Einsatz kam ein elektrischer Kran auf einem 40-Fuß-Derrick, montiert auf Schienenwagen, die zwischen Betonwerk und Baustelle verkehrten.[10]
Konstruktiv handelte es sich bei den Wandtafeln um Hohltafeln: rund 8 Fuß (2,44 m) hoch, 9 Zoll (ca. 23 cm) breit, mit je 1½ Zoll Beton auf beiden Seiten und einem gerippten 6-Zoll-Luftraum dazwischen – zur Ersparnis von Gewicht und Bewehrung, nicht ausdrücklich als Dämmschicht konzipiert.[10] Auch die Deckenplatten waren hohl ausgeführt; Atterbury entwickelte hierfür „nailcrete", einen nagelbaren Werkstoff, der das direkte Vernageln von Holzböden auf die Fertigplatten erlaubte.[10] Die Platten hatten keine Fensteröffnungen, da diese sie zu schwer gemacht hätten.[10][12]
Da das Vorhaben unwirtschaftlich blieb, wandte sich Atterbury danach überwiegend traditionellen Konstruktionen und großen Nicht-Fertigteil-Aufträgen zu (u. a. American Wing des Metropolitan Museum ab 1919, Restaurierung der New York City Hall, Bloomingdale Hospital, spätere Rockefeller-Bauten). Die Fertigteil-Linie führte er parallel privat fort – 1925 mit der „Standardized Housing Corporation", schriftstellerisch bis in die 1940er Jahre.[13] Ein spätes Nachleben fand das System 1951 in den 14 Gebäuden der Genossenschaftssiedlung Queensview in Queens, dem letzten belegten Einsatz seiner Fertigteile.
Das System Bron
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In den Niederlanden wurde das „systeem Bron" entwickelt, benannt nach dem Ingenieur bzw. Patentinhaber Johan Bron; als ausführender Architekt fungierte Dick Greiner.[14] Es kam ab 1923 beim Bau des Betondorp (gebaut ab 1921; niederl. für Betondorf) zum Einsatz, einem Wohnviertel im Amsterdamer Stadtbezirk Amsterdam-Oost. Der Entwurf für die zweigeschossigen Reihenhäuser Bron I und Bron II war eines von rund zehn verschiedenen Betonbausystemen, mit denen in der Siedlung experimentiert wurde.[14] Die Reihenhauszeile Bron I wurde mit einem Portalkran auf Schienen errichtet; verwendet wurden wandhohe Fassadenplatten mit Fensteröffnungen wie bei John Brodie. Die querliegenden Brandwände waren so tief wie das Gebäude und bis zu 7 Tonnen schwer; für die Decken kamen Balkendeckenteile aus Beton zum Einsatz. Mit der 1925 fertiggestellten Zeile Bron II wurden noch größere Fassadenplatten verwendet, die im Obergeschoss auch die Attika einschlossen; die Betonqualität galt als besonders hochwertig. Technisch handelt es sich bei Bron I/II um eine frühe Plattenbauweise im Unterschied zu Atterburys Streifentafeln, die aus statischen Gründen bewusst öffnungsfrei blieben.[10]
Im Betondorp wurden daneben weitere industrielle Bauweisen erprobt, wie das System Hunkemöller (Architekt J. Gratama), eine Streifenbauweise sowie Bims Beton Bouw (BBB) (Architekt J. B. van Loghem), eine Bimsbeton-Montagebauweise, die oft mit dem System Bron verwechselt wird.[14] Weitere im Betondorp erprobte Systeme umfassten Blockbauweisen (Olbertz, Isotherme, Winget) und Gußbetonbauweisen (Non Plus, Kossel, Korrelbeton). Die Experimentalsiedlung Betondorp war dabei nicht das erste niederländische Experiment dieser Art, es gab den Vorläufer Kossel I in Rotterdam-Bloemhof, errichtet von 1921–1922, sowie ein Probeblock nach dem System Welschen in Rotterdam, errichtet 1919.[14]
Entwicklungen in Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im deutschsprachigen Raum entwickelten sich – ausgehend vom Taylorismus – Prinzipien hin zum Fertigteilbau. Eine erste Patentierung einer Bauweise zum Bau von Klein- und Kleinstwohnungen war die „Tessenow-Wand“, welche 1909 von Heinrich Tessenow entwickelt wurde.[15] 1906 wurde von der Göschwitzer Zementfabrik in Jena-Göschwitz eine Trauerhalle vollständig aus Betonfertigteilen errichtet.[7.3]
Weimarer Republik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]System Occidentbauweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im März 1924 gründete Martin Wagner gemeinsam mit August Ellinger die Deutsche Wohnungsfürsorge-Aktiengesellschaft (DEWOG) als gewerkschaftlich-genossenschaftliche Dachgesellschaft des gemeinnützigen Kleinwohnungsbaus; die Berliner Tochter GEHAG folgte im April 1924.[6] Die programmatische Leitung lag bei einer „Kopfgemeinschaft" aus vier Protagonisten des Neuen Bauens: Wagner, Bruno Taut, Ernst May und Walter Gropius, deren Arbeitsprogramm vom Februar 1925 die Entwicklung von Versuchswohnhäusern nach „amerikanisch-tayloristischer Produktionsweise" vorsah. Im Rahmen einer Studienreise nach Amerika 1924 informierte sich Wagner über die amerikanische Bauwirtschaft und -technik und besuchte unter anderem eine Baustelle Atterburys. Auch wenn dieser nicht mehr mit Vorfertigung wie 1919 arbeitete, war die Baustellenorganisation hochgradig mechanisiert. 1925 bereiste er zum Stand der modernen Bauverfahren in Europa auch Amsterdam (Betondorp) und England. Die Kopfgemeinschaft löste sich 1925/26 auf, als May als Stadtbaurat nach Frankfurt und Wagner 1926 als Stadtbaurat nach Berlin gingen; ein eigenes Bausystem ging aus ihr nicht hervor.[6]
Für eine Versuchssiedlung in Plattenbauweise griff Wagner stattdessen auf das niederländische „Patent Bron" zurück, welche durch die eigens gegründete „Occident" Deutsche Baugesellschaft mbH, Berlin, auf Deutsche Normen angepasst wurde. Bauherrin war die gemeinnützige Reichsbundkriegersiedlung GmbH der Kriegsversehrten.[6]

Ab 1926, ein Jahr nach Fertigstellung von Bron II, entstand im Ortsteil Friedrichsfelde von Berlin-Lichtenberg nach Entwürfen Martin Wagner sowie der Architekten Wilhelm Primke und Goettel der Plattenbauversuch in Occident-Bauweise.[6] Die als Kriegerheimstättensiedlung errichtete Anlage trägt seit 1951 den Namen Splanemann-Siedlung. Von ursprünglich 138 Wohnungen sind heute noch 118 erhalten; die zwei- bis dreigeschossige Wohnanlage war ursprünglich in traditioneller Ziegelbauweise geplant und lediglich an die neue Bauweise angepasst worden. Vor Ort wurden bis zu sieben Tonnen schwere, teils über elf Meter lange Bauteile in Holzformen gestampft und von einem Portalkran an die Montagestellen gebracht.[6] Die erhoffte Kostenersparnis stellte sich nicht ein; Wagner resümierte: „Vorfertigung und Montageprozess waren inkonsequent, die Seriengröße zu klein, die städtebauliche Lösung zu steif, der Portalkran zu unbeweglich und die Platten zu schwer."[16] Die Occident Baugesellschaft wurde nach den aufgetretenen Problemen aufgelöst. Die Bauarbeiten wurden zusammen mit jenen für das Neue Frankfurt als Lehrfilm veröffentlicht, wobei nur für die Splanemann-Siedlung der Begriff „Plattenbau" verwendet wurde.
System Stadtbaurat May
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Im Projekt Neues Frankfurt (1925–1930) wurden in einem größeren Maßstab die Ziegelbauweise durch ein neues Montageverfahren ersetzt, patentiert als Frankfurter Montageverfahren. Dessen Leiter Ernst May ließ 1926 eigens eine Fabrik zur Fertigung von Bimsbetonplatten errichten,[17] welche in einem Baukastensystem zu Häusern zusammengesetzt werden konnten. Da die Bauteile als Bauplatten bezeichnet wurden und man die Fabrik auch als Bauplattenfabrik betitelte, tauchte damit der Begriff „Plattenbau“ auf. Daher wird in Publikationen zum Neuen Frankfurt oft vom Einsatz von Plattenbauten geschrieben; technisch handelte es sich allerdings um Block- und Streifenbauweisen. Ernst May verzichtete auf geschosshohe Betonplatten, im Wissen um die Probleme in den Niederlanden sowie in Berlin mit Transport, Kranauslastung und der Maßgenauigkeit der Betonteile des System Bron beziehungsweise der Occidentbauweise. Insgesamt errichtete die Fabrik ab 1926 um die 1300 Wohnungen mit dem System Stadtbaurat May.
Siedlung Dessau–Törten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwischen 1926 und 1928 errichtete Walter Gropius als Bauhausdirektor im Auftrag der Industriestadt Dessau in drei Bauabschnitten die Versuchssiedlung Dessau-Törten: 314 zweigeschossige Reihenhäuser mit 57 bis 75 m² Wohnfläche, als „Reichsheimstätten“ mit Nutzgärten zur Selbstversorgung konzipiert. Konstruktiv bestanden sämtliche tragende Wände aus vorgefertigten Schlackenbetonhohlkörpern, die Decken aus armierten Stahlbetonträgern. Die Baustelle war wie eine industrielle Taktstraße organisiert: Spezialisierte Arbeitsbrigaden bauten gleichzeitig mehrere Häuser pro Bauabschnitt; Bauteile wurden vor Ort gefertigt, mit einer kleinen Bahn transportiert und mit Kränen bewegt. Der überwiegend aus Sand und Kies bestehende Baugrund begünstigte dabei sowohl die Betonbauweise als auch niedrigere Transportkosten. Gropius begriff die Rationalisierung des Bauens vor allem als umfassende künstlerische Herausforderung – die Siedlung gilt als Musterbeispiel rationalisierter Baustellenorganisation mit „Fließbandfertigung“, doch traten die zahlreichen konstruktiven Probleme bereits kurz nach Fertigstellung deutlich zutage.
Nachkriegszeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Obwohl es mehrere Experimente mit Block-, Streifen- und Plattenbauweisen gab und man kleinere Siedlungseinheiten damit baute, konnte sich die Bauweise erst nach dem Zweiten Weltkrieg durchsetzen. Bis Mitte der 1960er Jahre war daher die Block- und Streifenbauweise in unterschiedlichster Form, auch als Mischbauweise, verbreitet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde durch die Zerstörungen in Europa der Druck zu einem industrialisierten Wohnungsbau besonders signifikant, was politische und ökonomische Experimente erlaubte. Es gab in den späten 1940er Jahren keine Klarheit darüber, welche konstruktiven Bausysteme am wirtschaftlichsten oder schnellsten waren. Eine große Hoffnung wurde in den Plattenbau gelegt.[18]
Dabei gibt es mehrere Vorreiter, welche etwa im gleichen Zeitraum die Bautechnik aus unterschiedlichen Beweggründen und Industrialisierungsständen vorantrieben. Große und kleine Elemente, wandgroße Platten und Skelette – es braucht bis Ende der 1950er Jahre, bis sich die Platte als rationellste Methode herauskristallisierte.
Deutsche Demokratische Republik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1946 fehlten auf dem Gebiet der drei Jahre später gegründeten DDR geschätzt zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Wohnungen; rund 500.000 fehlten schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Dazu verschärften die umfangreichen Zerstörungen durch den Krieg und die Zunahme der Bevölkerung von rund 1,6 Millionen Menschen die Situation. Die junge DDR konnte dem nicht allein durch ein klassisches Bauförderprogramm Herr werden. Zum einen wurden die Arbeitskräfte und Investitionsmittel vor allem zum Wiederaufbau der Industrie benötigt und standen nicht zum Wohnungsbau zur Verfügung.[19] Zum anderen erwiesen sich frühe Großbauprojekte in traditioneller Bauweise wie das Hochhaus an der Weberwiese (Stalinallee) in Berlin oder in Eisenhüttenstadt als zu teuer und langwierig, als dass sie den Bedarf schnell hätten decken können.[20] 1949 wurden kurz nacheinander zwei Programme jeweils für eine 10.000-DM-Wohnung ausgerufen, aus denen die ersten Typen 502, 504, 505, 506 und 508 hervorgingen. Bei diesen Typen waren die Grundrisse typisiert, die Konstruktion noch nicht.[21]
Die Staatsführung suchte ständig nach Wegen, bei gleichbleibendem Einsatz der Mittel mehr Wohnungen zu schaffen.[22] 1955 beschloss die erste Baukonferenz der DDR daher die Industrialisierung des Wohnungsbaus mit dem Ziel „Besser, schneller und billiger bauen“.[20] Die Neubaugebiete nannte man im Volksmund „Arbeiterschließfächer“, aufgrund der Typisierung und des monotonen Baus, oder „Fernsehhöhlen“ als Rückzugsort mit einem Fernseher[23] sowie „Schnarchsilos“.[24]
Die DDR organisierte ihr Bauwesen ab den 1950er Jahren durch Typenprojekte und Wiederverwendungsprojekte. Diese gab es sowohl für die traditionelle Mauerwerksbauweise, die Großblockbauweise sowie den Plattenbau. Dabei wurden Typenprojekte nur so bezeichnet, wenn diese zentral am Institut für Typung herausgegeben wurden, das 1958 dem Aufbauministerium und anschließend der Bauakademie der DDR unterstand. Dafür wurden Elementesortimente als publizierte Kataloge veröffentlicht und hatten eine DDR-weite Gültigkeit, meist für einen bestimmten Zeitraum. Wiederverwendungsprojekte beschränkten sich hingegen allein auf Entwürfe von bezirklichen Entwurfsbüros, die auf regionale Fertigungsmöglichkeiten abgestimmt waren. Sowohl typisierte Konstruktionssysteme als auch Typenprojekte wurden ständig weiterentwickelt, aber einmal eingeführt, selten durch Neuentwicklungen ersetzt; meist liefen sie parallel fort.[25.1] Häufig wurden auch in regionalen Projektierungsbüros entwickelte Grundriss- oder Segmenttypen nachträglich zu zentralen Typenprojekten umgewidmet. Einige Bezirke hielten auch nach den 1960er Jahren, als zentrale Typenprojekte verstärkt DDR-weit gebaut wurden, an ihren Wiederverwendungsprojekten fest.[25.2]
Die Blockbauweise, Streifen- sowie Plattenbauweise wurden fast parallel entsprechend der Vorfertigungsmöglichkeiten und Technik eingeführt. Der erste Bau mit vorgefertigten Bauteilen der DDR wurde 1951 von Kurt Borges mit dem Transformatoren- und Röntgenwerk Dresden konstruiert, 1952 wurde in Berlin-Friedrichshain ein Versuchsbau in Skelettbauweise errichtet.[19]
1952 wurden am Wohnungsbauinstitut der Deutschen Bauakademie unter Otto Engelberger die Grundrissreihe W53 entwickelt. Es war ein Typenprojekt des traditionellen Mauerwerksbaus, bei dem die Vielzahl der in der Nachkriegszeit verfügbaren Fertigteildeckensysteme auf zwei Maße beschränkt wurden und die Zimmergrößen durch Variieren der Haustiefe angepasst werden konnten. Den Architekten blieb eine weitgehende Freiheit bei der Gestaltung der Gebäude. Es wurden nach Einführung des W53 in den Folgejahren 20 verschiedene Typen des Mauerwerkstypenbaus entwickelt.[25.3]
1956 wurden einige Typen der Serie W53 zu Typen der Großblockbauweise umgearbeitet, um beschleunigt zu rationellen Baumethoden wechseln zu können. Dies führte zu einiger Kritik, da es zu einer Vielzahl an Individuallösungen führte. Hinzu kam, dass man die zwei Bauprinzipien der Querwand- und Längswandbauweise für die Entwicklungen parallel verwendete. Insbesondere das Institut für Typung bevorzugte Längswandbauweisen, die es für verbindlich erklären wollte. Dies wurde 1957 von Erhard Gißke kritisiert, der für Querwandbauweisen plädierte, da man hiermit nicht tragende Außenwände verwenden konnte, was sowohl zu einer verbesserten Wärmedämmung als auch einem geringeren Stahlverbrauch führte.[25.4] Gißke als Stellvertreter des Chefarchitekten von Berlin bezog seine Kritik auf die bis dahin getätigten Erfahrungen, welche auf Großbaustellen in Berlin gemacht wurden. Daher unterstützte er in seiner Funktion die Errichtung von mehreren kleineren Serien durch verschiedene Architekten als eine Art Modellvorhaben. Die Kleinserie Singerstraße von Emil Leibold als auch der Experimentalbau Berlin-Karlshorst von Leopold Wiel wurden gebaut, aber nicht fortgeführt.[25.5]
Mitte 1956 stellte das Institut für Typung sechs Kandidaten für eine Typung vor, nämlich die Typen L1 und L2 sowie die Typen Q1 bis Q4. Drei davon standen in der engeren Auswahl, nämlich die Typen L1, Q3 und Q4.[26] Für das Jahr 1957 wurden dann der Q3 sowie der L1 getypt.[27] Der Q3 war durch Josef Kaiser, Erhard Gißke sowie Klaus Sbrzensy[28] für das Büro des Chefarchitekten von Berlin speziell für den Berliner Raum[26] entwickelt worden und wurde fast ausschließlich auch dort realisiert, mehrheitlich in der Variante Q3A (Ofenheizung). Im Folgejahr stellte das Institut für Typung dann die seit 1956 anhand mehrerer Prototypen durch Leopold Wiel entwickelte Serie L4 vor,[29] die für das Jahr 1958 getypt wurde.[30] Dieser Typ in Großblockbauweise in Längswandbauweise wurde die erste zentrale Typenserie, die sich durchsetzte und in der gesamten DDR gebaut wurde.[25.6][30]
Mit dem 33. ZK-Plenum von 1957 wurde, um Kosten einzusparen und die überbordenden Typenentwicklungen einzuschränken, eine durchschnittliche Wohnungsgröße von 55 Quadratmetern festgelegt. Dies führte dazu, dass viele Typen abgesetzt oder umentwickelt werden mussten. 1959 wurden die Typen im Zuge einer Überarbeitung durch das Institut für Typung noch weiter eingeschränkt.
1959 entstand am Institut für Typung aus der dem L4-Grundriss der Q6 in Querwandbauweise mit einem Gewicht von 750 kp, welche ab 1960 republikweit als Typenprojekt durchgesetzt wurde.[25.7] Seine Einführung war mit der Auslieferung von Gleitfertigern Typ II gesetzlich vorgeschrieben.[31] Aufbauend auf den Erfahrungen des 1955 errichteten Wohnhauses G5 in der Borsbergstraße Dresden und dem daraus entwickelten QD58, einer frühen Streifenbauweise mit kurzen Streifen, welche Fensteröffnungen hatten und damit eine Vorform der Plattenbauweise waren,[32] sowie im Zusammenhang mit dem Experimentalbau Karlshorst, wurde 1960 von Leopold Wiel und Günther Kabus die Streifenbauweise QX/Q-Dresden entwickelt.[25.8] Richard Paulick als auch Kurt Liebknecht stellten den QX als neue zentrale Serie in Aussicht, welche später auch als Ziegel- und Plattenbauserie mit 5MP gebaut werden sollte.[33] Der Typ wurde von 1962 bis 1965 in Berlin gebaut und setzte sich nicht durch.
1953 wurde unter Leitung von Richard Paulick der Experimentalbau Johannisthal als erster Plattenbau der DDR errichtet. Es folgten 1955 ein Experimentalbau in Cottbus und 1957 die Kleinserie im 1. Wohnkomplex in Hoyerswerda.[25.8] 1958 wurden in Berlin für das Wohngebiet Stalinallee Entwürfe für Plattenbauweisen erarbeitet. Nach dem fünfgeschossigen Experimentalbau, dem IW 59 QP in der Ostseestraße unter Leitung von Heinz Bärhold wurde dieser Typ Grundlage einer Serie.[25.8] Der neue Plattenbautyp QP wurde nach Entwürfen von Josef Kaiser, Klaus Deutschmann und Heinz Bärhold ab 1960 als fünf-, acht- und zehngeschossige Varianten in Berlin errichtet und später in weiteren Varianten sowohl in Berlin, Karl-Marx-Stadt und Magdeburg gebaut.
1960 wurde vom VEB-Typenprojektierung der erste zentrale Plattenbautyp P1 veröffentlicht. Er basierte auf verschiedenen gebauten Entwürfen aus Rostock-Reutershagen II,[34] Hoyerswerda Wohnkomplex Internetquelle und Berlin Karl-Marx-Allee aufbauend auf dem Grundriss des Q6.[25.8] Er wurde in der Zeitschrift Architektur der DDR vom Institut für Typung veröffentlicht.
1962 wurde, hervorgehend aus einem Wettbewerb, der P2-Fennpfuhl von Wilfried Stallknecht, Achim Felz und Herbert Kuschy entwickelt und im Wohnkomplex Fennpfuhl errichtet. Diese wurde in massentauglicher Form als P2-Berlin und P2-Halle als zentrales Typenprojekt verbreitet. Basierend auf der Typensegmentreihe IW 64-Brandenburg, einer Blockbauserie, wurde dessen Grundriss in Plattenbauweise als P-Halle analog zum P1 umprojektiert.[25.9]

Auf dem 8. Parteitag der SED wurde die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum zum Kernstück der Sozialpolitik der DDR erhoben und führte zum staatlichen Wohnungsbauprogramm von 1972, das den Wohnraummangel bis 1990 beseitigen wollte. Praktisch bedeutete dies, dass bis 1990 drei Millionen Wohnungen erbaut oder modernisiert werden sollten. Das Programm markierte den Beginn einer neuen Phase in der Baupolitik der DDR, die den Plattenbau als wichtigsten Neubautyp etablierte.[20] Wohnkomplexe, neue Stadtteile oder ganze Städte mit bis zu 100.000 Einwohnern – wie Halle-Neustadt – entstanden meist gänzlich in Plattenbauweise. Zu diesem Zweck wurde der neue Plattenbautyp WBS 70 geschaffen, der technisch extrem wandlungsfähig und optisch vielseitig ausgelegt war. Im Rahmen des Wohnungsbauprogramms baute oder sanierte man insgesamt etwa drei Millionen Wohnungen, darunter 1,8 bis 1,9 Millionen Plattenbauwohnungen. Das Wohnungsbauprogramm war ehrgeizig und verschlang einen erheblichen Teil des Staatshaushalts.
Anfang der 1980er Jahre begann man mit der Komplexsanierung von Altbauten in den Innenstädten, was in manchen Städten wie Bernau bei Berlin zum Flächenabriss zugunsten innerstädtischer Plattenbauten führte. Für größere innerstädtische Neubauvorhaben kam auch die Hallesche Monolithbauweise zum Einsatz, eine Kombination aus Tunnelschal- und Mauerwerksbau. Dies war auch mit Vorhangfassaden aus der Plattenbauproduktion oder dem Metallleichtbau möglich. So wurde das Berliner Nikolaiviertel teilweise als Ortbetonbau mit Vorhangfassaden errichtet. Zum Einsatz kam dabei im Erdgeschoss die „Schaltischziehbauweise“ und in den Regelgeschossen die „Berliner Wandbauweise“. Dies war notwendig, damit man die langen Vorproduktionszyklen von Plattenbauten vermeiden konnte. Das Viertel wurde in Anlehnung an den historischen Stadtgrundriss wiederaufgebaut und verwendete kleinteilige sowie abwechslungsreiche Formate und spitze Giebel mit geometrischen Ornamenten.

Die Mehrheit der Neubaugebiete wurde mit Standardserien errichtet. Variationen in den Strukturelementen oder Einsatz von Baukeramik gab es wegen der erhöhten Kosten nur in begrenztem Maße. Die Plattenbauten verfügten über schlichte „Lochfassaden“, wiesen nur wenige Verzierungen auf und wiederholten ein uniformes Fassadenbild. An städtebaulich oder aus Repräsentationsgründen wichtigen Punkten wurde das Erscheinungsbild von Plattenbauten aufgelockert, so zum Beispiel am Platz der Vereinten Nationen in Berlin oder dem Stadtbild durch historisierende Formen angepasst, so an der Berliner Friedrichstraße und am Gendarmenmarkt. In der Innenstadt Rostocks errichtete man nahe der Langen Straße Plattenbauten, die sich aufgrund ihrer hanseatischen Optik in das historische Stadtbild eingliederten.
Die Plattenbauwohnungen erfreuten sich zur Zeit ihrer Entstehung einer hohen Nachfrage, da sie Komfort wie fließend warmes und kaltes Wasser, Zentralheizung, Toilette in der Wohnung (Innen-WC) und Badewanne boten. Die Miete für eine Plattenbauwohnung fiel zwar etwas höher als für eine Altbauwohnung, war aber dennoch gering. Wohnungsmieten wurden in der DDR staatlich auf ein niedriges Niveau reguliert, deckten dadurch allerdings nicht die Kosten.
Zu den verbreitetsten Plattenbau-Typen der DDR zählen die P1 zusammen mit dem P-Halle sowie die P2 und insbesondere der WBS 70. Durch ihre standardisierte, fabrikmäßige Herstellung aus widerstandsfähigem Beton haben Plattenbauten bis heute eine gute Bausubstanz.
Zweigeschossige Plattenbau-Wohnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Abseits der großflächigen Plattenbausiedlungen gab es in Berlin-Hohenschönhausen, in der Nähe des Obersees, eine exklusive Wohnform für hochrangige Stasi-Offiziere, die in zweigeschossigen Plattenbauten residierten; darunter befand sich auch der langjährige Chef der Auslandsspionage (HV A) des Ministerium für Staatssicherheit (MfS), Markus Wolf. Auffällig waren die Lage der Bauten direkt am See, die dazugehörigen Garagen und Gärten sowie die strikte Anonymisierung: An den Briefkästen fanden sich keinerlei Namen, sondern lediglich die schlichten Angaben „Obergeschoss“ oder „Erdgeschoss“.[35]
Plattenbau und Möbel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Standardisierung der Architektur hatte direkte Auswirkungen auf die Inneneinrichtung: Die „Wohnung neuen Typs“ – der klassische Plattenbau – wurde landesweit zum Standard für Wohnraum. Mit ihren strikten Grundrissen beeinflusste sie auch die Maße und Entwürfe der Möbelhersteller, um eine optimale Raumausnutzung zu garantieren.
Bereits Ende 1957 präsentierten die Deutschen Werkstätten Hellerau den wegweisenden Typensatz 602. Dieses Möbelprogramm, von dem bis 1968 insgesamt zwölf Varianten angeboten wurden, schuf effizienten Stauraum auf oft sehr begrenzter Fläche. Spätere Nachahmungen des Programms aus anderen Möbelwerken spiegelten jedoch den zunehmenden Materialmangel der Planwirtschaft wider: Echtholz wurde zunehmend durch Spanplatten und folierte Oberflächen mit Holzstruktur ersetzt.[36]
DDR-Plattenbau-Export
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Export des DDR-Plattenbaus reichte vom „Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“ (NSW) wie Schweden bis hin zu „sozialistischen Bruderländern“ wie Sansibar, Vietnam,[37] Kuba oder Libyen. Dabei verschob sich der Fokus im Laufe der Zeit von ideologischer Solidarität hin zu pragmatischen wirtschaftlichen Interessen, speziell der Einnahme von Hartwährung. Die in Ostdeutschland gefertigten Plattenbauteile wurden per Schiff transportiert und anschließend direkt vor Ort zusammengesetzt.[38][39]
Bundesrepublik Deutschland vor 1990
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In den 1950er Jahren spielte zunächst der reine Wiederaufbau der Kernstädte eine Rolle, weswegen auch die baulichen Mittel vielfältig blieben und sich am Vorkriegsbaufunktionalismus orientierten. § 34 des Baugesetzbuches, bekannt als Baulückenparagraph, bestimmte einen relativ schnellen Genehmigungs- und Bauprozess innerhalb der zerbombten Stadtstrukturen.
Ähnlich wie in der DDR stand die junge Bundesrepublik mit ihrer Gründung vor dem Problem eines massiven Mangels an Wohnraum. Der Krieg hatte rund 25 % des existierenden Bestandes zerstört, dazu kam, dass bereits vor dem Krieg 1,5 Millionen Wohnungen gefehlt hatten. Dies, sowie der Bevölkerungszuwachs durch Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten ließ 1950 den Deutschen Städtetag schätzen, dass rund 5 Millionen Wohnungen in der Bundesrepublik fehlten.[2]
Die Situation führte noch 1950 zum Ersten Wohnungsbaugesetz, das den Anstoß zu einem umfangreichen Programm des sozialen Wohnungsbaus gab. Danach sollten bis 1956 1,8 Millionen Wohnungen errichtet werden, was auch gelang. 1956 folgte diesem das Zweite Wohnungsbaugesetz, das erneut 1,8 Millionen Wohnungen bis 1962 schaffen sollte.[2]
Um 1960 war der Wiederaufbau vieler Kernstädte in der Bundesrepublik weitgehend abgeschlossen. Mit einer steigenden Verstädterung wurde die Peripherie von Großstädten bebaut und in vielen Teilen fand eine Stadt-Land-Umkehr statt. Zunehmender Wohlstand verstärkte das Bedürfnis nach einem höheren Wohnstandard mit verändernden Komfortvorstellungen, welcher einen hohen Druck zur seriellen Produktion auslöste. Die Konstruktion wurde grundlegend rationalisiert und in Fertig- bzw. Halbfertigteilbauweise ausgeführt. Damit reagierte man auf die Notwendigkeit, den Bau von der Baustelle in die Fabrik zu verlagern, da es bei dem vorherrschenden hohen Baudruck an Facharbeitern mangelte und die Arbeitskräfteanwerbung im Ausland nur einfache Bautätigkeiten deckte. Serialität wurde eine Möglichkeit, Kosten einzusparen und diese in neue Standards wie Tiefgaragen oder verbesserten Gebäudeausstattung zu investieren. 1964 wurden 4,4 % des Bauvolumens im Wohnungsbau mit Plattenbauten umgesetzt, in Frankreich waren es fast 50 %.[40]
In den 1960er Jahren war es günstiger Lizenzen einzukaufen statt das Risiko von Eigenentwicklungen einzugehen. Daher kauften verschiedene Bauunternehmen beispielsweise die französische Camus-Lizenz. So adaptierte 1959 der Architekt Werner Kallmorgen die Camus-Lizenz für das Bundesland Hamburg und baute Teile mehrerer Siedlungen mit dem System in Hamburg-Hasenhorst, Fabriciusstraße, Großlohe-Süd sowie Hochhäuser für die Großsiedlung Lohbrügge-Nord. Zur gleichen Zeit baute man in Hamburg-Nord auch mit den ersten dänischen Larsen & Nielsen Lizenzen.[41]
Es gab aber auch deutsche Entwicklungen wie die Plattenbau-Hochhäuser der Betonwerke Niedersachsen, welche ab 1959 in Wolfsburg errichtet wurden.[42]
Großwohnsiedlungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit Plattenbauten entstanden daher auch in der Bundesrepublik Großwohnsiedlungen. Zwar wirkten auch hier Normierungen und Standardisierungen effizienzsteigernd,[2] da aber eine Vielzahl von Systemen nebeneinander gebaut wurde, profitierten sie weniger stark als die DDR-Bauten von einheitlichen Typisierungen und unterschieden sich in ihrer jeweiligen Architektur voneinander. Die Wohnungsgrundrisse waren nicht so stark genormt und vereinheitlicht, da in den Siedlungen normalerweise mehrere Entwürfe verschiedener Architekten nebeneinander gebaut wurden. Das Bauverfahren wurde vor allem im sozialen Wohnungsbau genutzt, gefördert von Kommunen, die starken Einfluss auf die Belegungspolitik ausübten. Dies führte rasch dazu, dass – anders als in der DDR – in Großwohnsiedlungen einkommensschwache Haushalte, Risikomieter und andere Problemgruppen konzentriert wurden. Die sich durch die Belegungspolitik entwickelten Probleme führten zur Entwicklung von sozialen Brennpunkten und damit zur Stigmatisierungen der Siedlungen und einem schlechten Image von Großtafelbauten (Halb- und Vollfertigteilsystem in Beton) und Großwohnsiedlungen, die durch Segregationstendenzen anderer Mieter noch verstärkt wurden.[43]
Anfangs jedoch orientierten sich die Architekten und Stadtplaner an den Ideen der modernen Architektur und Stadtplanung. Zu den ersten Beispielen von Modernen Siedlungen zählt das Berliner Hansaviertel mit seinen 6000 Einwohnern, dessen Planung 1952 mit Beteiligung bekannter Architekten wie Walter Gropius, Oscar Niemeyer und Le Corbusier begann. Dabei wurden verschiedenste zu jener Zeit neue Bautechniken und Baustoffe eingesetzt, gefördert durch die Öffentliche Hand. Die Berliner Baubetriebe sollten damit zur Aneignung neuer Bautechniken sowie zur Anschaffung eines neuen Maschinenparks animiert werden. In der 1962–1975 errichteten Berliner Gropiusstadt wurde das wiederum konterkariert, da der Westberliner Senat das Mauerhandwerk vor Abwanderung durch feste Quoten für den Mauerwerksbau schützen wollte, weshalb dieser die dominierende Bauweise in der Gropiusstadt ist. Ein weiterer Faktor war auch, dass sich Fertigteilbauweisen in dem begrenzten Abnehmergebiet Westberlins kaum lohnten.
Mit dem Märkischen Viertel wird mit einem Anteil von 40 % der Wohnbauten der höchste Anteil an Plattenbauten erreicht. Dafür wurden Lizenzen von Camus und Coignet eingesetzt. Dominierend im Westberliner Wohnungsbau wird ab den 1960er Jahren die Schälerbauweise, eine Westberliner Lizenz der schwedischen Allbetonbauweise. Diese ist insgesamt eine der häufigsten Bauweisen im westdeutschen Wohnungsbau. Dabei werden mit modularen Schalsystemen massive Schottenbauten in Ortbeton umgesetzt und Fertigteilfassaden als Sandwichelemente vorgehängt. Diese Halbfertigteilbauweisen werden unter dem Begriff Großtafelbauweisen mit anderen reinen Fertigteilbauweisen begrifflich zusammengefasst.
Zu den größeren Großwohnsiedlungen in der Bundesrepublik zählen München-Neuperlach (55.000 Einwohner), Nürnberg-Langwasser (36.000 Einwohner), Berlin-Märkisches Viertel (36.000 Einwohner), Berlin-Gropiusstadt (34.000 Einwohner), Bremen-Vahr und Tenever (zusammen mehr als 30.000 Einwohner), Frankfurt-Nordweststadt (23.000 Einwohner), Hamburg-Steilshoop (20.000 Einwohner), Hamburg-Mümmelmannsberg (19.000 Einwohner), Kiel-Mettenhof (18.000 Einwohner), Pforzheim-Haidach (14.000 Einwohner), Mannheim-Vogelstang (13.000 Einwohner), Würzburg-Heuchelhof (12.000 Einwohner), Heidelberg-Emmertsgrund (11.000 Einwohner), Hamburg-Osdorfer Born (11.000 Einwohner) und Reutlingen-Hohbuch (10.000 Einwohner).
In den 1960er Jahren setzte sich der Architekt und Direktor der Hochschule der Künste Berlin Karl Otto in besonderem Maße für die Verwendung von industriell vorgefertigten Wandelementen und ganzen Raumzellen ein. Er hatte die Technik mit ihren Vorteilen auf Studienreisen in den USA kennengelernt und setzte sie in seinen eigenen Bauten ein, wie der Deutschen Schule in Brüssel oder seinem einzigen Sakralbau, der Martin-Luther-King-Kirche in Berlin-Britz, um. Sein „Baukasten“ wurde System Brockhouse genannt.
Zu den jüngsten Großsiedlungen zählen Köln-Chorweiler mit seinen 13.418 Einwohnern und Bremen-Osterholz-Tenever. Die Hauptbauphasen lagen hier in den 1970er Jahren. Nach den 1980er Jahren wurden in der Bundesrepublik Deutschland keine neuen Großsiedlungen mehr begonnen, bestehende allerdings noch vervollständigt, allerdings zum Teil mit eher aufgelockerter und niedrigerer Randbebauung in Mauerwerksbauweise.
Die Bauten für die Unterbringung der Teilnehmer an den Olympischen Sommerspielen 1972, das Olympiazentrum Schilksee in Kiel und das Olympische Dorf in München entstanden in verschiedenen industriellen Bauweisen. Letzteres ist gemeinsam mit dem Olympiapark heute eine denkmalgeschützte Anlage. Zurzeit leben hier etwa 6100 Menschen, der Wohnwert des Olympischen Dorfes gilt als sehr hoch. Etwa 90 % aller Umzüge finden lediglich innerhalb des Olympischen Dorfes statt. Im Rahmen des städtischen Wettbewerbes „Kinder- und familienfreundliches Wohnumfeld“ erhielt das Olympische Dorf 2006 einen Sonderpreis.
Grund für die Stagnation der Plattenbauweise war die große Bauwirtschaftskrise, eingeleitet durch die erste Wirtschaftsstagnation 1966/67 und darauffolgend die Ölkrise von 1973. Zum anderen war der Wohnungsbedarf weitestgehend gedeckt. Mit dem Skandal um die Neue Heimat änderte sich die Ausrichtung der Bauwirtschaft in der Bundesrepublik endgültig, und Halbfertig- und Vollfertigbauweisen erhielten vollends einen negativen Ruf.
Die Großwohnsiedlungen entwickelten sich häufig als soziale Brennpunkte. Die Bewohnerstruktur der Siedlungen zeichnet sich teilweise durch höhere Arbeitslosigkeit aus. Diese Situation führt manchmal zu einer überdurchschnittlich hohen Kriminalitätsrate. Dies ist meist der Stadtplanung anzulasten, was speziell für die 1970er Jahre gilt. Bei Leerstand erfolgen deshalb Rückbauten der Wohnviertel, zum Beispiel im Wohnpark Hochheide in Duisburg.
Deutschland ab 1990
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Entwicklung von Plattenbausiedlungen ist abhängig von den örtlichen Gegebenheiten unterschiedlich verlaufen. Westeuropäische Plattenbausiedlungen, die in der Peripherie größerer Städte bewusst als Viertel für niedrige Einkommensklassen oder als Zuwandererviertel konzipiert wurden und sich zu sozialen Brennpunkten entwickelten, wurden häufig aufwendig saniert. In Frankreich zum Beispiel, wo die Wohnsiedlungen der Außenbezirke 2005 Herde von Unruhen waren, diente dazu das Konzept „mixité sociale“ (frz. für soziale Mischung).

In der DDR entwickelten sich diese unterschiedlich. So gibt es einige in Plattenbauweise errichtete Großsiedlungen, die selbst zu Zeiten stadtweiten erheblichen Leerstands – wie Berlin Anfang und Mitte der 2000er Jahre – nach Modernisierung und architektonischer Aufwertung praktisch keinen Leerstand aufwiesen, beispielsweise das Salvador-Allende-Viertel im Berliner Stadtteil Köpenick, das durch die Nähe großer Waldflächen naturnah gelegen ist.[44] Allerdings zog die nach der Wiedervereinigung 1990 einsetzende Ost-West-Migration in Deutschland an vielen Orten auch in Neubausiedlungen massiven Leerstand nach sich, an manchen Orten wie zum Beispiel in Halle-Silberhöhe, wo 2002 rund 22 % der Wohnungen leerstanden, führte dies dazu, dass sich die Siedlungen in soziale Brennpunkte zu verwandeln drohten.[45] Architekten und Stadtplaner verbesserten die Attraktivität der Wohnungen und Standorte durch Rückbauten stark betroffener Standorte, Modernisierung und das Wohnumfeld aufwertende Infrastrukturmaßnahmen mit dem Ziel, Leerstand zu vermeiden.
Einige Wohngebiete in der ehemaligen DDR, in denen vorwiegend Plattenbauten vorhanden sind, haben sich nach der Wende auch tatsächlich zu so genannten sozialen Brennpunkten entwickelt. Sie sind heute geprägt von einer höheren Armuts- und Arbeitslosenquote, einem niedrigeren Bildungsstand und vor allem seit der Asylkrise 2015/2016 einem erhöhten Ausländeranteil.[46][47][48] Betroffen von dieser Entwicklung sind viele Groß- und einige Mittelstädte im Osten Deutschlands, im Besonderen jedoch die Wohngebiete Halle-Neustadt und Halle-Silberhöhe, Schwerin-Mueßer Holz, Erfurt-Roter Berg, Leipzig-Paunsdorf und Leipzig-Grünau, Dresden-Prohlis und Dresden-Gorbitz, Magdeburg-Neue Neustadt sowie Magdeburg-Neu Olvenstedt, aber zum Teil auch Cottbus-Sachsendorf, Berlin-Marzahn und einige Teile von Berlin-Altglienicke.[49][50][51][52]
Internationale Entwicklungen nach dem 2. Weltkrieg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sowjetunion
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Erste Ansätze industrialisierten Wohnungsbaus in der Sowjetunion reichen in die 1920er Jahre zurück, als eine sowjetische Delegation 1927 den mit großformatigen Bimsbetonplatten arbeitenden sozialen Wohnungsbau Ernst Mays in Deutschland besichtigte; eine breitere Anwendung blieb jedoch aus, da es an einheitlichen Maßsystemen und einer geregelten Arbeitsorganisation fehlte.[53] 1931 entstand in Charkiw unter dem Ingenieur A. S. Vacenko ein Versuchsbau mit dünnwandigen, durch Rippen verbundenen Stahlbetonschalenelementen; 1937 produzierte das Uralmaschinenbau-Kombinat Wandplattenmuster für einen weiteren Versuchsbau. Der Erlass „Über die Verbesserung der Bauindustrie und die Senkung der Baukosten“ von 1936 leitete erste Standardisierungsbemühungen ein. In der Sowjetunion wurden aufgrund der klimatischen Verhältnisse mehrere Systembauweisen getestet. In der Kategorie Plattenbau unterschied man zwischen Rahmenplatten und rahmenlosen Platten, letztere sind das, was man als Plattenbau kennt. 1945 errichtete ein Werk bei Sverdlovsk (früher Jekaterinburg) in Beresowski mit 3×3-Meter-Platten eines der ersten großformatigen Plattenhäuser in der Rahmenplatten-Bauweise, welche in der Region bis 1951 gebaut wurden.
1948 folgten in Moskau experimentelle Rahmen-Tafel-Bauten von Vitali Lagutenko. Hier wurden Skelett-Rahmen-System gebaut und mit rahmenlosen Vorhangfassaden belegt.

Als erster rahmenloser Plattenbau der Sowjetunion gilt ein 1950 von einem Team der Sowjetischen Bauakademie und des Kombinats Magnitostroj im 20.-Kwuartal von Magnitogorsk errichteter dreigeschossiger Bau mit 300 mm starken Außentafeln.[53]

Plattenbauten spielten im stalinistischen Bauen nur eine sekundäre Rolle, da ihr Stahlverbrauch gegenüber Blockbauweisen als zu hoch galt und Stahl während des Wiederaufbaus für die Industrie benötigt wurde. Des Weiteren galt er gestalterisch als nicht flexibel genug. Erst mit den Tod von Stalin und der Absetzung von Malenkow kam der entscheidende Impuls zur Massenproduktion durch Nikita Chruschtschow mit seiner Rede vor der Zweiten Unionskonferenz der Bauleute, Architekten und Bauindustriearbeiter am 7. Dezember 1954, in der er die als kostspielig kritisierte spätstalinistische Architektur scharf angriff und eine umfassende Industrialisierung des Bauwesens forderte. Der bereits ein Jahr zuvor ergangene Beschluss „Über die Entwicklung der Produktion vorgefertigter Stahlbetonkonstruktionen und -bauteile“ sah den Bau von 400 Betonfertigteilwerken vor; der Beschluss „Über die Beseitigung von Übertreibungen in Projektierung und Bau“ vom 4. November 1955 beendete die Periode der stalinistischen Architektur endgültig.[54]
Anfangs erwies es sich schwer die Auftraggeber, Politiker und Architekten zu einer entstalinisierten Bauweise zu bewegen. Erste Experimente waren noch zu stalinistisch gestaltet wie bei einem 1955 gebauten Plattenbau in Leningrad (heute St. Petersburg).
Ein Zwischenschritt war eine Typisierungswelle, welche Normativ durchgesetzt wurde und als die nach Chruschtschow benannten Chruschtschowki (russisch хрущёвка) bekannt waren. Drei- bis fünfgeschossige Wohnbauten aus Stahlbetontafeln oder Ziegelmauerwerk mit stark reduziertem Ausstattungsstandard (kombinierte Bäder, Kochnischen ab 4,6 m², Geschosshöhen ab 2,5 m) und wurden ab 1956 bis in die 1970er Jahre errichtet; die Fünfgeschossigkeit ergab sich aus der sowjetischen Bauordnung, die bis zu dieser Höhe auf einen Aufzug verzichten ließ.
Konstruktiv setzten sich zwischen 1957 und 1963 vier Grundtypen durch: Bauten mit eng gestaffelten Quer- und Längstragwänden (u. a. Serie 1–464), Bauten mit tragenden Außenwänden und innerem Skelett (Serie 1–335), Bauten mit drei tragenden Längswänden (Serie 1–439) sowie Bauten mit weit gespannten Quertragwänden (Serien 1–467/1–468). Die 1955 in Leningrad nach Plänen von A. Wassiljew und Z. Kaplun errichtete erste rahmenlose Großtafelserie verwendete tragende Längswände; die 1956 in Moskau bei Tscherjomuschki (dem architektonischen Namensgeber der Serie) entwickelte K-7-Rahmentafelserie des Konstrukteurs Vitali Lagutenko wurde wegen ihrer besonders niedrigen Kosten und ihrer Montagezeit von nur zwölf Arbeitstagen zur Grundlage der ersten Massenserie.[53] Die K-7-Konstruktion rezipierte dabei Erfahrungen des französischen Camus-Systems, das eine 1959 nach Le Havre entsandte sowjetische Delegation (mit Chruschtschow selbst) besichtigte, worauf ein Lizenzvertrag über eine Fertigungsstraße geschlossen wurde die ab 1960 in Taschkent ihren Betrieb aufnahm und die Industrialsierung der südlichen Sowjetrepubliken vorantrieb.
Der quantitative Umfang war beträchtlich: 1960, dem Höhepunkt der Bauproduktion, wurden 82,8 Millionen m² Wohnfläche fertiggestellt, gegenüber 41 Millionen m² 1956; von 1956 bis 1963 soll sich der nationale Wohnungsbestand nahezu verdoppelt haben. Ab Mitte der 1960er Jahre setzte mit den sogenannten Breschnewki – komfortableren, meist neun- und mehrgeschossigen Tafelbauten mit getrennten Bädern, Aufzügen und Müllschluckern – eine zweite, bis 1999 andauernde Bauserienreihe ein.[53] Die Massenproduktion wurde zugleich in mehrere Staaten des Ostblocks sowie nach Vietnam, China und Kuba exportiert. Ein erheblicher Teil des Chruschtschowki-Bestands unterliegt seit den späten 1990er Jahren, verstärkt seit dem 2017 unter Bürgermeister Sergei Sobjanin und Präsident Wladimir Putin lancierten Moskauer Stadterneuerungsprogramm, dem geplanten Abriss.
Ukrainische Sowjetrepublik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Ukrainischen SSR bildete die vorgefertigte Betontafel ab den späten 1950er Jahren das zentrale Baumaterial des industrialisierten Massenwohnungsbaus. Die Fertigung folgte der unionsweit einheitlichen, streng hierarchischen Organisationsstruktur der sowjetischen Bauindustrie: Das staatliche Bauministerium Gosstroi der UdSSR genehmigte die am Moskauer Zentralinstitut für wissenschaftliche Forschung und Projektierung von Wohn- und öffentlichen Bauten (TsNIIEP) entwickelten Grundserien, während republikeigene Institute – in der Ukrainischen SSR insbesondere das Kyjiwer Zonale Wissenschafts- und Forschungsinstitut für Experimentalprojektierung (KyjiwZNDIEP) sowie KyjiwProjekt – diese an klimatische und regionale Bedingungen anpassten.[55]
Die eigentliche Herstellung der Betonfertigteile und die Montage der Wohnbauten oblag lokalen Hausbaukombinaten (Domostroitelnyj kombinat, DSK) beziehungsweise, im ländlichen Raum, Dorfbaukombinaten (Selskij stroitelnyj kombinat, SSK). Diese waren als Subunternehmer regionalen Baukombinaten (Trusts) unterstellt, in Kyjiw etwa der Hauptbauverwaltung Golowkyjiwbud (später Golowkyjiwmiskbud), die zwischen 1955 und 1992 einen Großteil der städtischen Bau- und Montagetätigkeit als Bauherrin formal in Auftrag gab und in den 1970er Jahren nach sowjetischer Statistik für mehr als die Hälfte der Kyjiwer Bau- und Montageleistungen verantwortlich zeichnete. Diese Trust-Struktur geht auf die im Rahmen der Neuen Ökonomischen Politik (NEP) der 1920er Jahre gebildeten Industrieverbände zurück, die nach 1928 ihre ursprüngliche unternehmerische Eigenständigkeit verloren, als Organisationsform der Planwirtschaft aber bestehen blieben. Da die Leistungskennziffern der Trusts unabhängig von der tatsächlichen Bautätigkeit der ihnen unterstellten DSK berechnet wurden, entstand ein strukturelles Ungleichgewicht: Verzögerungen der Trusts bei Erschließung, Budgetierung und Planungsunterlagen blieben für diese folgenlos, bremsten aber regelmäßig die Bauausführung der DSK aus.[55]
Die frühen, ab etwa 1960 in der Ukrainischen SSR errichteten Wohnbauserien – darunter Adaptionen der unionsweit verbreiteten K-7-Serie des Moskauer Konstrukteurs Vitali Lagutenko – waren noch für ein komplettes Gebäude konzipiert. Ab den 1970er Jahren setzte sich stattdessen die Blockbaustein-Methode durch: Die Projektierungsinstitute lieferten Unterlagen für einzelne, miteinander kombinierbare Gebäudeabschnitte, aus denen sich vor Ort unterschiedliche Bautypen zusammensetzen ließen, beispielsweise nach dem Einheitskatalog der Serie P44. In der praktischen Umsetzung blieb die dadurch versprochene Typenvielfalt jedoch begrenzt: Zwar standen den Bauunternehmen theoretisch 20 bis 30 verschiedene Blockbausteine je Serie zur Verfügung, tatsächlich produzierte ein einzelnes Hausbaukombinat in der Regel nur zwei bis drei davon, da die Umstellung der Fertigungsformen kostenintensiv war. Bei der Zulassung neuer Werke bevorzugte Gosstroi überdies systematisch solche Blockbausteinserien, die an einem Standort bereits produziert wurden – etwa 1980 bei der Wahl der bereits lokal etablierten „84. Serie" für das neue Hausbaukombinat Nr. 2 in Lwiw –, was die architektonische Variationsbreite zusätzlich zugunsten der Auslastung vorhandener Ressourcen einschränkte.[55] Die Vorherrschaft des Plattenbaus in der Ukrainischen SSR war nicht allein technischer Überlegenheit geschuldet, sondern wurde administrativ durchgesetzt: 1973 rügte die staatliche Plankommission Gosplan anhand einer Erhebung der sowjetischen Baubank die „unzureichende Auslastung der Plattenbaubetriebe" und bestimmte, dass Kleinstückbaustoffe wie Ziegel oder Blöcke erst nach vollständiger Auslastung der Plattenwerke für Neubauvorhaben genehmigt werden durften; das Ministerium für Industriebau der Ukrainischen SSR untersagte seinen Hausbaukombinat-Leitern entsprechend jede Verhandlung mit Bauherren über Kleinstückbauweise, solange freie Plattenbaukapazitäten bestanden.[55] Denn die Ukarinische SSR hatte seit den 1950er Jahren große Ziegel- und Keramikproduktionsstätten mit denen sich auch Typenprojekte jenseits des Plattenbaus realisieren ließen.
Gegen Ende der Sowjetzeit verschärften sich zugleich Zulieferengpässe: Das erst wenige Jahre zuvor errichtete Hausbaukombinat Nr. 2 in Lwiw etwa konnte in den 1980er Jahren seine volle Produktionskapazität nicht erreichen, da die Anlieferung von Schotter, Sand, Kies und Schlacke wiederholt unterbrochen war – ein Symptom der spätsowjetischen Mangelwirtschaft, die sich zunehmend auch auf die industrielle Bauzulieferung selbst erstreckte. Die chronische Unterfinanzierung führte zur verbreiteten Praxis, zusätzliche Mittel „als Ausnahme" (v vide iskljutschenija) bei Gosplan und der Staatsbank Gosbank einzuwerben; ein Beispiel aus dem Jahr 1988 ist das Ersuchen eines Gebietsexekutivkomitees, 200.000 aus der zentralen Gosplan-Reserve stammende Lochziegel im eigenen Gebiet zu belassen, anstatt sie planmäßig abzuführen.[55]
Mit der Lockerung der Medienzensur (Glasnost) ab 1985 wurde in sowjetischen Fachzeitschriften erstmals offene Kritik an der strukturellen Stagnation der Bauindustrie geäußert, die auf die jahrzehntelange serielle Fertigung ohne durchgehende architektonische Betreuung vor Ort zurückgeführt wurde.[55] Als Reaktion darauf entwickelte das Kyjiwer Zonale Institut für Experimentalprojektierung zwischen 1985 und 1987 ein alternatives Schalungsverfahren, bei dem die Geschossdecken weiterhin aus vorgefertigten Tafeln bestanden, die Außenwände jedoch vor Ort in wiederverwendbarer Elementschalung gegossen wurden, was individuellere Fassadenformen ermöglichte; das Verfahren wurde 1990 unter anderem als KyjiwProekt-Patent angemeldet. Zu einer flächendeckenden Ablösung des klassischen Tafelbaus kam es jedoch nicht mehr, da die lokalen Baukombinate keine Investitionen in solche Ortbetonverfahren mehr tätigten.[55]
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 endete die staatliche Auftragsvergabe für den industrialisierten Wohnungsbau in der Ukraine abrupt. Der bis dahin dominierende Plattenbau verlor seine Stellung als nahezu einziges zulässiges Bausystem; freiwerdende Architekten wandten sich zunächst der bis dahin kaum eigenständig etablierten Innenarchitektur für ein neues, zahlungskräftiges Klientel aus Auslandsexpatriates und einheimischen Eliten zu. Ab der zweiten Hälfte der 1990er und verstärkt ab den frühen 2000er Jahren entstand wieder individuell projektierter Geschosswohnungsbau, nun jedoch überwiegend in Monolithbeton- und Ziegelbauweise mit flexibleren Grundrissen und aufwendigeren Fassaden, ausgerichtet auf ein Marktsegment, das eher Prestige und Verkäuflichkeit als soziale Mindestversorgung suchte. Der Bestand an Plattenbauten sowjetischer Prägung blieb davon unberührt und prägt bis heute weite Teile der großstädtischen Wohnlandschaft der Ukraine, unter anderem in den Kyjiwer Stadtteilen Darnyzja und Woskressenka, wo zahlreiche Gebäude seither eigenmächtig, ohne behördliche Genehmigung, mit nachträglicher Fassadendämmung versehen wurden.[55]
Niederlande
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den Niederlanden führte die massive Wohnungsbaunachfrage der Nachkriegszeit bei gleichzeitigem Mangel an Baumaterialien, Facharbeitern und Transportkapazitäten zur systematischen Entwicklung nichttraditioneller Bausysteme.[56] Der Staat reagierte mit Förderregelungen, die auf Rationalisierung und Standardisierung von Bauproduktion und Bauprozess zielten; die Genehmigung der einzelnen Systeme oblag der 1946 gegründeten Stichting Ratiobouw.[56] Es gab drei parallele Entwicklungslinien: erstens der Übergang von traditionellem Ziegelbau über Blockbauweisen (stapelbouw) hin zu Montagebauweisen (montagebouw) und schließlich zu rationalen Gussbetonbauweisen (gietbouw); zweitens eine Verschiebung von Produkt- zu Prozessoptimierung; drittens – ab etwa Mitte der 1950er Jahre – eine Abkehr von reiner Standardisierung zugunsten größerer Differenzierung der Wohnungstypen.[56]
Angesichts des akuten Nachkriegsmangels wurden unmittelbar nach 1945 auch im Ausland gefertigte Fertighäuser bestellt, darunter die britischen Maycrete-Behelfswohnungen. Es handelte sich um eingeschossige Wohnungen nach dem Prinzip eines „Schuttingsystems“, bei dem Betonplatten zwischen H-förmige Betonstützen geschoben wurden, welche das auskragende Wellblechdach trugen. Gemeinden, die durch Kriegseinwirkung mehr als 20 Prozent ihres Wohnungsbestandes verloren hatten, konnten diese Behelfsbauten beantragen; insgesamt entstanden 930 Maycrete-Wohnungen an 32 Standorten, unter anderem in Tilburg und Nijmegen.[56][57]
Bedeutender für die weitere Systementwicklung war die Einführung des britischen Systems Airey im Jahr 1947, das durch die Nederlandse Maatschappij voor Volkshuisvesting (Nemavo) zum System Nemavo-Airey weiterentwickelt und in Zusammenarbeit mit festen Architekten und Zulieferbetrieben an niederländische Anforderungen angepasst wurde. Charakteristisch waren kleinformatige Betonfassadenplatten mit Stahlfenstern, befestigt an stählernen oder vorgefertigten Betonstützen. Zunächst wurde ausschließlich Flachbau realisiert, ab Anfang der 1950er Jahre auch Geschosswohnungsbau und Hochhäuser bis zu zwölf Geschossen; als Beispiel gilt der Wohnkomplex Sloterhof in Amsterdam (Architekt J. F. Berghoef, 1959).[56][58]
Neben den importierten Systemen griff man in dieser Phase auch auf Gussbetonxperimente zurück, wie sie bereits ab etwa 1920 in Niederländischen Großstädten praktiziert worden waren. Das bereits ab 1918 in Wohnsiedlungen wie Betondorp im Amsterdamer Watergraafsmeer angewandte System Korrelbeton war eine für Flach- und Mittelhochbau eingesetzte Gussbetonbaumethode, bei der tragende Wände und Innenschalen in genormten, auf einem festen Modulmaß basierenden hölzernen Schalungselementen vor Ort gegossen wurden, die sich von einer einzelnen Person handhaben ließen. Das Verfahren fand ab 1946 breite Anwendung und bildete bis Ende der 1950er Jahre das einzige im niederländischen Wohnungsbau eingesetzte Gießbausystem.[56]
Bereits 1919 hatte der Architekt und Systembaupionier Frans Welschen in Rotterdam einen Probeblock errichtet; nach dem Zweiten Weltkrieg realisierte das Bauunternehmen Dura an verschiedenen Orten Welschen-Wohnungen. Dabei wurden Fassaden vor Ort in eine verlorene Schalung aus hohlen Betonblöcken gegossen, die ihrerseits in ein ebenfalls vor Ort betoniertes Skelett aus Balken und Stützen eingefasst waren. Durch den Einsatz von Beton – in den frühen Nachkriegsjahren häufig unter Verwendung von Trümmerschutt, etwa Ziegelsplitt, als Zuschlagstoff (puinbeton) – ließ sich an anderen, knapperen Baustoffen sparen, zudem entfiel der Bedarf an geschulten Zimmerleuten und Maurern.[56]
Daneben wurden weitere leichte "Stapelbausysteme" genannte Blockbauweise entwickelt oder weiterentwickelt, darunter B.B.B. und MUWI. Das Bredero’s Bouw Bedrijf (B.B.B.) begann bereits in den Kriegsjahren mit Systembau, der noch eng an die traditionelle Bauweise angelehnt war; gleichwohl ließen sich durch den Einsatz kleinerer Betonelemente im Rohbau – von einer Person zu handhabende B2-Betonblöcke – sowie vorgefertigter Holzkonstruktionen für den Ausbau, etwa fertig verglaste Dachgauben, erhebliche Arbeitseinsparungen erzielen. Die Außenschale der Fassaden wurde in Ziegel ausgeführt, wodurch auch das äußere Erscheinungsbild traditionell blieb. Das B.B.B.-System erhielt 1952 eine Bauzulassung (bouwkeur).[56]
Bausysteme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das System MUWI wurde vom Bau- und Bauträgerunternehmen Muijs & de Winter entwickelt. Zwischen 1947 und 1951 realisierte die Firma zunächst Wohnungen im System Welschen, ehe sie auf ein eigenes System umstellte. MUWI sah Wände aus gestapelten hohlen Leichtbetonblöcken vor, die nachträglich – gleichzeitig mit einzelnen Stützen – vergossen wurden. Die Deckenkonstruktion bestand aus vorgespannten Betonbalken mit dazwischenliegenden Hohlblöcken, über die eine Ausgleichsschicht gegossen wurde; charakteristisch sind die in der Fassade sichtbar belassenen Betonrandbalken. Mit knapp 38.000 errichteten Wohnungen ist MUWI das System, mit dem in den Niederlanden die meisten Wohnungen gebaut wurden.[56][59][60]
Ende der 1940er Jahre wurden weitere Montagebauverfahren entwickelt. Mit regelmäßiger Serienproduktion wurde 1949 sowohl beim System Rottinghuis als auch bei B.M.B. begonnen. Das System Rottinghuis wurde 1948 vom gleichnamigen, seit 1931 in Groningen ansässigen Familienunternehmen unter gestalterischer Beteiligung des Groninger Architekten Frans Klein entwickelt; Baubeginn war 1949 in Groningen. Ausgeführt wurde das System von insgesamt drei Bauunternehmen: Rottinghuis selbst in Groningen (ab 1949), N.V. Gembouw in Den Haag (1952–1963, danach insolvent) sowie ab 1965 die Internationale Bouw Compagnie (IBC, vormals H. van Heeswijk) als Lizenznehmerin in Best für Südniederlande, weshalb das System in der Fachliteratur auch als „Rottinghuis/IBC" firmiert. Bis 1973 entstanden insgesamt rund 17.000 Wohnungen, davon die meisten in Groningen (rund 4.100), Den Haag (rund 2.700) und Rotterdam (rund 2.250).[56][61]
Konstruktiv handelt es sich um ein Elementbausystem, um eine Querwandbauweise deren Wände als Betonfertigteile mit einer ankerlosen Schalenfuge ausgeführt wurden; Decken spannen dazwischen mit einer maximalen Achsweite von 4,07 Metern. Auch nichttragende Innenwände (7–10 cm) wurden systemgerecht als Betonfertigteile hergestellt, im Unterschied zu den tragenden Innen- und Trennwänden (9–15 cm). Das System durchlief drei staatliche Ratiokeur-Zulassungen (1952, 1957, 1969), die jeweils technische Änderungen dokumentieren – u. a. den Wegfall des auskragenden, stark kältebrückenbehafteten Betondachrands ab 1957 sowie die Einführung von Spouw- und Dachisolierung, Betonfertigteiltreppen und vorgefertigter Sanitärzellen ab 1969.[61]
Das System Baksteen Montage-Bouw (B.M.B.) war seit 1934 in England in Anwendung und wurde 1949 in den Niederlanden eingeführt; hierbei wurden die vorgefertigten Fassadenelemente bereits werkseitig mit einer Außenschicht aus maschinell versetztem Mauerwerk versehen, die auf der Baustelle durch eingesetzte Ziegel oder eine sichtbar bleibende Fuge verbunden wurden.[56]
Der Staat förderte diese Systembauentwicklungen durch Verträge, Subventionen und Darlehen. Aus Spargründen wurden diese Fördermaßnahmen jedoch in den Jahren 1951 bis 1953 zurückgenommen, worauf sowohl die Entwicklung neuer Bausysteme als auch die Zahl der angewandten Systeme stark zurückgingen. Die verbliebenen Unternehmen suchten Zusammenschluss, und 1955 entstand die Vereniging van Systeembouwers, in der elf Bauunternehmen mit acht verschiedenen Systemen zusammenarbeiteten.[56] Ab 1954 gingen neue Impulse vom Staat aus. Die sogenannte contingentenregeling wurde dahingehend angepasst, dass Gemeinden zur Verwendung von Systemen angehalten wurden, die eine Arbeitsersparnis von 40 Prozent erbrachten; dies bedeutete, dass in einer Gemeinde ein Drittel mehr Wohnungen gebaut werden durfte, sofern ein von der Stichting Ratiobouw zugelassenes System zum Einsatz kam. Zugleich wurde der Bau „holzreicher Häuser“ gefördert. Ein erfolgreiches Beispiel hierfür sind die Wohnungen des Systems PéGé, entwickelt vom Wijchener Bauunternehmen Peter Guelen en zonen. Charakteristisch waren geschosshohe hölzerne Innenwandtafeln und Fassadenöffnungen mit vormontierten Fensterrahmen; diese vorgefertigten Bauteile wurden mit Wänden aus B2-Blöcken und gemauerten Fassaden kombiniert. Die ersten PéGé-Wohnungen entstanden 1956 in Wijchen; in den beiden folgenden Jahrzehnten kamen insgesamt rund 12.000 Einfamilienhäuser in diesem System zustande, vorwiegend in Dörfern in Gelderland, Noord-Brabant und Limburg.[56] 1956 wurde die contingentenregeling durch sogenannte Dauerverträge (continucontracten) ersetzt, wodurch Systembauunternehmen für einen Zeitraum von fünf bis sechs Jahren einer gesicherten Abnahme gewiss waren; dies ermöglichte konstante Produktion und Investitionen in größeres und teureres Gerät. Dies begünstigte den schweren Montagebau und führte zu weiterer Rationalisierung der Bauproduktion und Mechanisierung der Baustelle. Um 1960 begannen Unternehmen wie Dura-Coignet, Elementum und Intervam mit der Produktion schwerer Montagebausysteme und eröffneten „Wohnungsfabriken“ in unmittelbarer Nähe der großen Bauaufträge, in denen geschosshohe Wandelemente und raumbreite Deckenplatten vorgefertigt wurden, die anschließend vor Ort mit einem Kran montiert wurden.[56]
Das Bauunternehmen Dura arbeitete mit dem ursprünglich französischen Coignetsystem (Architekt E. F. Groosman). Die Fabrik Dura-Coignet in Rotterdam wurde 1959 nach einem gemeinsamen Auftrag von Rotterdam und mehreren angrenzenden Gemeinden in Betrieb genommen; wenig später folgten die Fabriken Neduca-Coignet im limburgischen Helden-Beringe und Indeco-Coignet in Zaandam. Im Zeitraum 1959–1975 entstanden mit diesem System rund 31.000 Wohnungen.[56]
Das System PLN (Panagro-Larsen & Nielsen), auch als Elementum bekannt, leitet sich vom dänischen System Larsen & Nielsen ab. Es wurde 1959 durch das Bauunternehmen Panagro in den Niederlanden eingeführt; Panagro wurde 1962 in die Industriebaugesellschaft und Betonfabrik Elementum eingegliedert, die 1961 eine Fabrik in Maassluis eröffnet hatte. Ein erster Großauftrag war der Bau von 1009 Wohnungen in Vlaardingen und Maassluis.[56]
Die Verenigde Aannemers Maatschappij (VAM) des Projektentwicklers Reinder Zwolsman wurde 1960 in Industriële- en Aanneming Maatschappij VAM umbenannt. 1960 eröffnete Intervam für das System VAM eine Fabrik in Utrecht, nachdem mit der Gemeinde ein Vertrag über mehrere hundert Wohnungen im neu zu errichtenden Stadtteil Kanaleneiland geschlossen worden war; 1964 folgten Wohnungen im Stadtteil Overvecht. Später kamen Fabriken in Hoogkerk und Valkenburg (Zuid-Holland) hinzu. Beim System VAM bestanden Wand- und Deckenelemente aus Stahlbeton, während die Längsfassaden aus hölzernen Fensterelementen in Kombination mit Fassadenbändern und Dachrändern aus Spannbeton bestanden. Diese Systembaugeneration zeichnet sich durch einen hohen Grad an Standardisierung sowohl der Fassaden als auch der Grundrisse aus.[56]
Um 1970 mehrten sich Einwände gegen den monotonen und massenhaften Geschosswohnungsbau der vorangegangenen Jahre. ERA reagierte darauf mit der Entwicklung eines neuen Typs, der Sternflat (sterflat), von dem die erste 1970 in Delft errichtet wurde. Zudem wurde das städtebauliche und architektonische Erscheinungsbild durch größere Variation der Bauhöhen, den Einsatz unterschiedlicher Farben in der Fassadenverkleidung und schräge Balkonelemente belebt. Der Hochhausbau geriet jedoch zunehmend aus der Mode; Unternehmen wie ERA vollzogen Anfang der 1970er Jahre den Umschwung zum Mittel- und vor allem Flachbau. So endete für ERA 1973 die Ära des Hochhausbaus, und das Unternehmen brachte mit der Pluriflexwoning ein flexibel unterteilbares Einfamilienhaus auf den Markt. Auch andere Wohnungstypen kamen dem Repertoire hinzu, darunter Terrassenwohnungen sowie komplexe Projekte im Rahmen des Programms Experimentele Woningbouw.[56]
Großbritannien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Großbritannien wurde die Plattenbauweise (large panel system, LPS) ab den späten 1950er Jahren zur Deckung des Nachkriegswohnungsbedarfs eingesetzt. Anders als in Frankreich, Skandinavien oder den Niederlanden entstand dabei kein einzelnes dominierendes System und keine zentrale staatliche Typenprojektierung; stattdessen lizenzierten und vermarkteten zahlreiche private Baukonzerne konkurrierende, oft namensgebende Systeme, von denen 1965 um die 71 Systeme für die schwere Vorfertigung genannten Plattenbau.[62]
Den Anstoß zum britischen Hochhaus- und Systembauboom gab eine 1956 eingeführte staatliche Subventionsregelung, nach der Kommunen für Wohnungen in sechsgeschossigen Bauten mehr als das Doppelte, für Wohnungen in fünfzehngeschossigen Bauten nahezu das Dreifache der Förderung erhielten, die für konventionelle Einfamilienhäuser gezahlt wurde. Diese geschosshöhenabhängige Förderung setzte einen unmittelbaren wirtschaftlichen Anreiz zum Hochhausbau, unabhängig von städtebaulichen oder bewohnerbezogenen Erwägungen. Der Bauboom konzentrierte sich auf die Jahre 1958 bis 1968, mit einem Höhepunkt der jährlichen Fertigstellungen zwischen 1963 und 1967.[63][64]
Zu den verbreitetsten britischen Systemen zählten das von der Firma Concrete Ltd. (später Bison Manufacturing) ab 1963 vermarktete Bison Wall Frame – ein reines Wandtafelsystem ohne separates Skelett, bei dem in Hochhäusern ab zwölf Geschossen sämtliche Wände, auch die Trennwände, tragende Funktion übernahmen, während Aufzugsschächte und Treppenhauskerne aus dreigeschosshohen Fertigteilen bestanden – sowie das Wimpey No-Fines-System, Easiform, Reema, Wates und, als bedeutendste ausländische Lizenz, das dänische System Larsen & Nielsen.[62][65] Bison Wall Frame erhielt 1967 den Queen’s Award to Industry und wurde bis 1979 für mehr als 32.000 Wohneinheiten eingesetzt.[65] Das Larsen-&-Nielsen-System, das sich – wie schon in seiner dänischen Ursprungsform – durch tragende innenliegende Querwände bei nichttragender, gestalterisch freier Fassade auszeichnete, wurde in Großbritannien unter anderem vom Baukonzern Taylor Woodrow Anglian in Lizenz gefertigt und in großem Maßstab insbesondere in Birmingham, Glasgow und im Osten Londons eingesetzt.[66] Weitere, Systeme umfassen Balency, Bryant, Camus (in Lizenz des französischen Herstellers), Cebus, HSSB, Jespersen (dänische Lizenz), PAC, Selleck Nicholls Williams, Shepherd Spacemaker, Skarne (schwedische Lizenz) sowie Tracoba und YDG.[67]
Am 16. Mai 1968, nur zwei Monate nach Fertigstellung, verursachte eine Gasexplosion in einer Wohnung im 18. Obergeschoss des 22-geschossigen, im Larsen-&-Nielsen-System von Taylor Woodrow Anglian errichteten Wohnhochhauses Ronan Point im Londoner Stadtteil Canning Town (London Borough of Newham) den progressiven Einsturz einer gesamten Gebäudeecke; vier Menschen starben, 17 wurden verletzt.[68] Die anschließende Untersuchungskommission (Griffiths Inquiry) stellte fest, dass das dem System inhärente konstruktive Prinzip – tragende Wände ohne redundantes Skelett und ohne alternative Lastpfade bei lokalem Ausfall einzelner Elemente – das Gebäude nicht nur gegenüber Explosionen, sondern auch gegenüber Feuer und starkem Wind grundsätzlich anfällig für einen sogenannten „progressiven Kollaps" machte.[69] Als unmittelbare Reaktion erließ das Ministerium für Wohnungswesen und Kommunalverwaltung im November 1968 das Rundschreiben 72/68, das für alle mehrgeschossigen Neubauten ab fünf Geschossen bauliche Vorkehrungen gegen unverhältnismäßigen Einsturz vorschrieb; 1970 wurde diese Vorgabe als sogenannter „Fifth Amendment" fest in die britischen Bauvorschriften (Building Regulations) integriert und verlangte erstmals ausdrücklich, dass Gebäude so zu konstruieren seien, dass ein Unfallschaden nicht zu einem im Verhältnis zur Ursache unverhältnismäßigen Gesamteinsturz führen dürfe.[70][71] Auch wurde festgestellt, dass das Gebäude nicht nach den systemimmanenten Konstruktionsregeln errichtet wurde. Der Hochhaus- und Systembauboom endete faktisch mit dem Ronan-Point-Unglück, das zusammen mit der 1970 gleichzeitig reformierten, nun geschosshöhenneutralen Förderung (Housing Cost Yardstick) den wirtschaftlichen wie politischen Rückhalt für weiteren Systemhochhausbau entzog.
Bulgarien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach offiziellen Angaben entstanden die ersten bulgarischen Plattenbauten 1958/59 im Sofioter Wohnkomplex „Tolstoi“ (ж.к. Толстой), nach Entwicklungen des zentralen Typungsinstituts. Es gab für das Landwirtschaftlichen Bauwesen aber bereits Anfang der 1950er Jahre den Einsatz von Plattenbauten mit 1-2 Geschossen. Ein besonderes Experiment ist ein Skelett-Wohnungsbaus aus Schleuderbetonpfählen. Weitere frühe Wohnkomplexe folgten an der Hristo-Siljanow-Straße (1960 - 1961), sowie ab 1962 die Komplexe Krasna Poljana und Momkowa Machala.
Über den rund vierzigjährigen Zeitraum der industriellen Wohnungsbauproduktion (1958–1988) kamen mehr als 40 Grund- und Modifikationssysteme zum Einsatz. Zu den bekanntesten zählen ЕПК (EPK, das früheste Massensystem), БС-IV sowie die 1969 vom Sofioter Institut „Sofproekt“ entwickelte, БС-69-Сф und Sp/8M welche beide in den 1970er/80er Jahren in Sofia, Plovdiv und Varna gebaut wurden. Bis Ende der 1980er Jahre waren auf bulgarischem Gebiet 30 Hausbaukombinate (домостроителни комбинати, DK) in Betrieb, die Elemente nach unterschiedlichen Überarbeitungen produzierten.
Volksrepublik China
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die chinesische Forschung zum vorgefertigten Betonbau begann in den 1950er Jahren, direkt aus der Sowjetunion übernommen.1959 entstand mit dem Minzu-Hotel in Peking das erste chinesische Bauwerk „im modernen Sinne“ der Fertigteilbauweise. In den 1970er/80er Jahren erlebte der Plattenbau (大板建筑) seine Wachstumsphase, mit einem aus der Sowjetunion importierten Pekinger System. Dabei wurden auch das Städtebauliche Modell des Mikrorajon eingeführt.
Zwei Zäsuren prägten den weiteren Verlauf: ab 1964 initiierte Mao im Zuge des sino-sowjetischen Bruchs eine „Stampflehm-Kampagne“ gegen sowjetische Vorfertigungsmethoden; das Erdbeben von Tangshan 1976 löste durch schwere Schäden an Fertigteilbauten breite Zweifel an deren Erdbebensicherheit aus. Erst im 21. Jahrhundert erlebte die Fertigteilbauweise in China eine Wiederbelebung.
Städtebaulich vorausgegangen war die Übernahme sowjetischer Konzepte wie des „Großen Straßenblocks“ (Caoyang-Neusiedlung Shanghai, 1950) und dessen Ablösung durch das „Wohnbezirk“-Konzept Mitte der 1950er Jahre, dokumentiert u. a. durch die Teilnahme eines Tongji-Universität-Teams am Moskauer Tscherjomuschki-Wettbewerb.
Vietnam
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ab 1956 war das „Khu tập thể" (KTT, soviel wie „Kollektivwohnquartier") ein neues Konzept im nordvietnamesischen Wohnungsbau. Die Idee, solche Quartiere mittels vorgefertigter Stahlbetontafeln zu errichten, entstammte der Übernahme planerischer und architektonischer Lösungen sozialistischer Staaten, insbesondere der sowjetischen Architektur.[72]
In den 1960er Jahren errichtete Hanoi mit nordkoreanischer Hilfe in einem zeitaufwendigen Verfahren erste Montagebauten aus kleinen Schlackeblöcken.[73] Als erste kleine Pilotversuche dienten die Wohnanlagen Nguyễn Công Trứ und – als größerer Versuch in Kleintafel-Montagebauweise – Kim Liên. 1967 gründete die Stadtleitung Hanoi eine Versuchsforschungsgruppe für den Großtafel-Montagebau; ihr Leiter wurde der Dozent Trương Tùng von der Bauuniversität Hanoi, der zuvor in der Sowjetunion über den industrialisierten Wohnungsbau in Hanoi promoviert hatte.[73]
Vietnam erforschte und entwickelte die Großtafelbauweise damit ab Ende der 1960er Jahre, mit starkem Ausbau in den 1970er Jahren – zunächst als Rahmenskelettbau mit vorgefertigten Deckenplatten, dann als vollständige Großtafel-Montagebauweise.[74] Sie kam bei den großen Hanoier Wohnquartieren Giảng Võ, Thành Công, Kim Liên, Văn Chương, Thanh Xuân und Nghĩa Đô zum Einsatz sowie in Hải Phòng, Việt Trì, Thanh Hóa und Nghệ An.[74] Die vorgefertigten Tafeln wurden werksseitig produziert und per Kran vor Ort zu den charakteristischen KTT-Wohnblöcken montiert. Die überstürzte, „kampagnenartige" Ausbreitung dieser Bauweise in der Periode 1970–1980 ging mit gelockerter Qualitätskontrolle und praktisch fehlender Instandhaltung einher, sodass viele dieser Wohnanlagen bereits nach einem Viertel ihrer geplanten Lebensdauer stark verfielen.[73]
Bis 1974 hatten die Sowjetunion, die osteuropäischen sozialistischen Staaten, China, Nordkorea und Kuba über 350 Hilfsprojekte für Vietnam genehmigt, mit Schwerpunkt auf dem Wiederaufbau kriegszerstörter Städte. Beispielhaft für die internationale Zusammenarbeit dieser Zeit steht das Projekt der DDR zur Unterstützung von Planung und Wiederaufbau der Stadt Vinh[75] (Provinz Nghệ An): Zwischen 1970 und 1980 arbeiteten über 200 DDR-Experten mit vietnamesischen Fachleuten vor Ort, erarbeiteten den Gesamtentwicklungsplan der Stadt und errichteten die Wohnsiedlung Quang Trung.[75] Im Zuge des Wiederaufbaus wurde auch ein DDR-Plattenwerk geliefert und Facharbeiter in der DDR ausgebildet.
Dänemark
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Larsen & Nielsen wurde 1931 von den Bauingenieuren R. A. Larsen (1905–1983) und Axel Nielsen (1906–1989) in Kopenhagen gegründet.[76] Die erste dokumentierte Verwendung von Betonelementen erfolgte 1948 beim Bau eines Krankenhauses, wo zunächst nur die Fassade aus vorgefertigten Elementen bestand, während die tragende Struktur weiterhin konventionell errichtet wurde.[76] Die Voraussetzung für die systematische Elementbauweise in Dänemark war ein staatlich getragener Rationalisierungsprozess, 1947 durch die Gründung ein eigenes Wohnungsbauministerium. 1951 veröffentlichte der Rationalisierungsausschuss des Dänischen Ingenieurvereins einen Bericht zur Vereinfachung des Bauens, der eine vertikale Modulordnung mit einer Geschosshöhe von 280 cm vorschlug; diese wurde 1953 als Anforderung für staatlich subventionierten Wohnungsbau eingeführt. Den wirtschaftlichen Impuls für den Aufbau einer permanenten Elementfabrik erhielt L&N 1951 durch Aufträge des dänischen Militärs für Kasernenbauten, finanziert mit Mitteln der Marshall-Hilfe. In den ersten Jahren produzierten 60 bis 70 Arbeiter rund 20.000 Tonnen Bauteile pro Jahr in der neu errichteten Fabrik im Kopenhagener Vorort Glostrup.[76] Nach Bauvorhaben in Milestedet, Rødovre; Torveparken, Gladsaxe und Hareskovvej, Kopenhagen wurde eine immer größerer Vorfertigungsgrad erreicht.
Das erste komplett vorgefertigte von L&N war das Vesterbo-Gebäude in Værløse, erbaut von 1954–1959. Es wurden erstmals Sandwichelemente mit bereits vollmontierten Fenstern genutzt; mit rund 400 Metern Länge galt das Gebäude als Dänemarks längstes Wohnhaus und diente später als internationales Referenzobjekt. Die Erfahrungen mit den Bauvorhaben führte zur Entwicklung de Systems LN-BO das erstmals beim Gebäude Søbækgaard in Espergærde 1963 zur Anwendung kam.
Ein zentrales konstruktives Merkmal des L&N-Systems insgesamt – nicht erst von LN-BO – war der Verzicht auf Stützen zugunsten tragender Querwände, wodurch die Fassade von der Tragfunktion entlastet wurde und Architekten größere gestalterische Freiheit erhielten, während bei vielen konkurrierenden Systemen die Fassade selbst tragend war.
Ab 1956 vergab L&N Lizenzen für die Produktion im Ausland, 1956 ein Lizenzvertrag mit Norwegen (USBL) sowie Ungdomsbyg in Oslo. Es wird 1959 eine erste Westdeutsche Lizenzfabrik (mit Fa. Hammers) errichtet. 1966 wurde mit Larsen & Nielsen Consultor eine eigene Auslandsvertriebsabteilung gegründet. Insgesamt schloss das Unternehmen 53 Lizenzverträge in 25 Ländern ab und entwarf mehr als 25 Fabriken weltweit darunter Ungarn und in die Tschechoslowakei (Malešice-Fabrik).[76]
Der Ronan-Point-Unfall in Großbritannien 1968 – der teilweise Einsturz eines 22-stöckigen Hochhauses nach einer Gasexplosion mit vier Todesopfern – erwies sich als kritisches Ereignis nicht nur für L&N, sondern für die gesamte Branche der schweren Vorfertigung und führte zu einer weltweiten Überarbeitung von Bauvorschriften für Hochhäuser. Das Gebäude wurde unter Missachtung der Herstellervorschriften gebaut.
1969 wurde mit LN-NYBO („neues Wohnen“) ein Nachfolgesystem eingeführt und damit eine deutlich freiere Grundrissgestaltung zwischen den tragenden Querwänden ermöglicht. Die Ölkrise von 1973 dämpfte die Bautätigkeit in Europa erheblich und verstärkte das Interesse an Bauexporten, insbesondere in den Nahen und Fernen Osten. Das Unternehmen blieb bis in die 1990er Jahre aktiv.
Weitere Dänische Hersteller waren Jespersen & Søn welche Lizenzen an 14 Fabriken in 7 Ländern vermarkteten mit denen um die 80.000 Wohneinheiten errichtet wurden. Ebenfalls ein großer Hersteller war Højgaard & Schultz.
Finnland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Frühe Vorfertigungsversuche reichen in die 1910er Jahre zurück (Juho Tapani); 1940 wurde mit Puutalo Oy das erste Unternehmen zur Fertighaus-Massenproduktion gegründet. Als erstes Bauwerk mit großflächigem Elementbautechnik-Einsatz gilt das 1957 fertiggestellte Porthania-Gebäude der Universität Helsinki (Architekt Aarne Ervi).
Der erste finnische Stadtteil mit systematischem Vollelementbau war Pihlajamäki in Helsinki (ab 1960). Zur Begründung der finnischen Vorfertigungsstrategie äußerte sich Baurat Beato Kelopuu 1954 auf einem DDR-Kongress das Finnland durch Vorfertigung Holz („das grüne Gold“) spare für den Export; ein soziales Motiv sei die Lösung winterlicher Bauarbeiter-Arbeitslosigkeit. Finnland importierte einige Plattenwerke in die DDR.
Schweden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Plattenbau in Schweden (schwedisch storpanelbyggande oder betongelementbyggande) bwurde zwischen den späten 1940er und den 1970er Jahren entwickelte. Sie bildete die technische Grundlage für den Massenwohnungsbau des sogenannten Millionenprogramms (schwedisch miljonprogrammet, 1965–1974) und zählt neben Frankreich, Dänemark und Großbritannien zu den frühesten eigenständigen nationalen Entwicklungssträngen der europäischen Plattenbauweise.[77]
Im Schwedischen wird nicht durchgängig zwischen kleinformatiger und großformatiger Vorfertigung unterschieden; gebräuchlich sind die Begriffe elementbyggande (Elementbau, allgemein) und, spezifischer für raumgroße Wandtafeln, storpanelsystem (Großtafelsystem).
Als erster schwedischer Baumeister, der raumgroße Betontafeln einsetzte, gilt Ernst Sundh (1911–1972), Inhaber der Firma Byggnadsaktiebolaget Ernst Sundh. Sundh erwarb 1948 einen deutschen Portalkran (auch als „Bockkran“ bezeichnet), der ein dreigeschossiges Wohngebäude überspannen und bis zu acht Tonnen schwere, vor Ort horizontal gegossene Decken- und Wandelemente heben konnte. Die nach ihm benannte „Sundh-Methode“ ermöglichte eine deutliche Mechanisierung und Beschleunigung der Bauausführung bei gleichzeitig reduziertem Arbeitskräftebedarf.[78]
Die Firma Ohlsson & Skarne unter Allan Skarne (1909–1998) übernahm das Sundh’sche Verfahren zunächst bei der Errichtung von Stabby Gärde in Uppsala (1952–1953) mittels eines Brückenkrans. 1954 begann das Unternehmen im Rahmen des Östberga-Projekts in Stockholm mit der Entwicklung des sogenannten „Heavy System“, das mit weniger, dafür großformatigeren tragenden Wandtafeln von bis zu zwölf Tonnen Gewicht arbeitete, montiert durch Großkrane, während die Deckenplatten weiterhin vor Ort gegossen wurden.[78]
Parallel entwickelte der Bauingenieur Bo Bouvin (1915–1970) gemeinsam mit Nils Kjellström bei AB Skånska Cementgjuteriet (SCG) in Malmö die sogenannte Allbetong-Methode (1952/53). Dieses Verfahren goss sämtliche Innenwände und Deckenplatten vor Ort und verkleidete das Gebäude anschließend mit vorgefertigten, raumbreiten Fassadenpaneelen. Die Allbetong-Methode gilt in der Forschung nicht als „echter“ Plattenbau im engeren Sinn, da die tragende Struktur überwiegend ortbetoniert blieb und lediglich die Fassade vorgefertigt wurde; sie markiert jedoch einen wichtigen Zwischenschritt zur vollständigen Elementbauweise.[78] Sie wurde in ganz Europa verbreitet als Alternative zum reinen Plattenbau angewandt. Die Hallesche Monolithbauweise in Halle-Neustadt ging auf eine von Richard Paulick vermittelte Skånska-Cementgjuteriet-Lizenz zurück. In Westdeutschland existierten auch unzählige Allbeton-Lizenzen.
1955 formierte sich aus fünf Bauunternehmern – Allan Skarne, Ernst Sundh, Sven Gendt (Nya Asfalt AB), Kurt Månsson (Ohlsson & Skarne) und Bo Bouvin (SCG) – ein informelles Netzwerk zum Austausch von Fachwissen über die Plattenbauweise, das sich selbst zunächst als „elementbyggargruppen“ und später als „D4-gruppen“ (von schwedisch de fyra, „die Vier“) bezeichnete. Die Gruppe traf sich zwischen 1955 und 1961 mehr als vierzig Mal und unternahm sechs internationale Studienreisen, unter anderem 1956 nach Dänemark, Frankreich und in die Niederlande, 1957 zur Interbau-Ausstellung nach Berlin und 1958 nach Moskau. In der zeitgenössischen Fachpresse wurde die Gruppe nicht erwähnt; ihre Tätigkeit ist erst posthum anhand des privaten Nachlassarchivs Kurt Månssons rekonstruierbar.[78]
Als erster schwedischer Plattenbau im engeren Sinn – mit geschosshohen, tragenden, werkseitig vorgefertigten Wandtafeln anstelle vor Ort gegossener Konstruktionen – gilt die Wohnsiedlung Östbergahöjden in Stockholm, deren Bau auf die ab 1954 von Ohlsson & Skarne im selben Stadtteil entwickelten „Heavy System“-Techniken zurückgeht. Das genaue Fertigstellungsjahr wird in der Literatur uneinheitlich zwischen 1958 und 1960 angegeben; eine primärquellengestützte Klärung dieser Datierungsdifferenz steht noch aus.[78]
Skarne-Systeme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allan Skarne entwickelte im Lauf seiner Karriere vier eigenständige Systeme: das „Light System“ (halbindustriell, mit temporären Baustellenfabriken und Elementgewichten bis 1,5 Tonnen), das „Heavy System“ (vollindustriell, mit fester Fabrik und Elementen bis zwölf Tonnen), das System S66 (1966) sowie das System S85. Das System s66 wurde unter anderem für rund 2600 Wohnungen in Västra Orminge (1964–1971) sowie eine vergleichbare Anzahl in Rinkeby-Tensta (1967–1972) eingesetzt.[78]
NABO, Jespersen/Larsen-&-Nielsen-Lizenzen und A-System
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Firma Nya Asfalt AB entwickelte in den 1950er Jahren das NABO-System mit vor Ort gegossenen Deckenplatten auf tragenden, in einer feldnahen Baustellenfabrik hergestellten Wandelementen und kooperierte dabei unter anderem mit der deutschen Philipp Holzmann AG.[78] Das Unternehmen A-Betong AB (gegründet 1951 als Betonrohrhersteller) erwarb 1964 eine Lizenz für das dänische Jespersen-System, das seinerseits eng mit dem Larsen-&-Nielsen-System verwandt war, und errichtete 1965 sein erstes Fertigteilwerk in Bjuv; über die 1970 gegründete Tochtergesellschaft A-System Byggelement AB wurden während der Miljonprogrammet-Ära rund 45.000 Wohnungen produziert.[78]
Miljonprogrammet (1965–1974)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die während der 1950er und frühen 1960er Jahre in vergleichsweise kleinem Maßstab erprobten Systeme (1956–1963 wurden mit tragenden Großtafeln landesweit rund 18.755 Wohnungen errichtet, mit einem Höchststand von knapp fünf Prozent aller Neubauwohnungen im Jahr 1958) bildeten die technologische Grundlage für das ab 1965 durchgeführte Millionenprogramm, in dessen Rahmen bis 1974 rund eine Million neue Wohnungen entstanden, davon nach Schätzungen zwischen 15 und 25 Prozent des Mehrfamilienhausbestands unter Verwendung großformatiger, vorgefertigter Betontafeln als tragende Konstruktion und/oder Fassade.[78]
Kritik und Niedergang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits während der Bauphase der Miljonprogrammet-Siedlungen artikulierte sich publizistische Kritik an der städtebaulichen und sozialen Qualität der neuen Großwohnsiedlungen, exemplarisch im Buch Rapport Tensta (1970) und im Dokumentarfilm Stenansiktet (1973).[78] Mit dem Ende des Programms 1974/1975 und dem Auslaufen der progressiven staatlichen Förderung für den Geschosswohnungsbau brach die Nachfrage nach industriell gefertigten Großtafelsystemen in Schweden rasch ein; Fachwissen und in mehreren Fällen auch komplette Fabrikanlagen wurden in der Folge exportiert.
Internationaler Technologieexport
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ab den frühen 1970er Jahren übertrugen mehrere der ursprünglich an der schwedischen Entwicklung beteiligten Unternehmen und Personen ihr Know-how ins Ausland. Über den kuwaitischen Geschäftsmann Khalid Al-Essa wurde eine Fabrik von Ohlsson & Skarne nach Kuwait verkauft; A-Betong/A-System gründete 1976/77 gemeinsam mit der saudi-arabischen Al-Rashid Trading & Contracting Company das noch heute bestehende Unternehmen Alrashid Abetong Company Ltd., eines der größten Betonfertigteilunternehmen Saudi-Arabiens. Die 1975 gegründete Swedevelop Housing AB vermarktete schwedisches Tafelbau-Know-how zudem in Algerien, Libyen, Ägypten, Jordanien, Syrien, dem Iran und Saudi-Arabien.[78]
Frankreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der französische Ingenieur Raymond Camus hatte 1938–1942 bei Citroën gearbeitet. Dort wurde er von den Ideen des Direktors Pierre Boulanger stark beeinflusst.[79.1] Von Beginn an konzentrierte er sich rein auf den Plattenbau und optimierte die Produktionsabläufe in Bezug auf das Endprodukt. Bereits 1948 meldete er erste Patente an, gründete 1949 ein eigenes Bauunternehmen und stellte 1951 einen ersten, viergeschossigen Musterbau in Le Havre fertig.[80] Auftraggeber war die „Francois I“-Kooperative, welche darauf drei weitere Gebäude bestellte, entworfen vom Architekten Henri Loisel. Eine Delegation des Ministère de la Reconstruction et de l'Urbanisme (MRU) besichtigte die Fertigungshalle von Camus. Später startete das MRU sechs industrielle Wohnungsprogramme, welche unter den Gesichtspunkten der Kosteneffizienz und des Massenwohnungsbaus errichtet werden sollten. Damit bekam unter anderem die Firma Camus' Großaufträge und errichtete 1954 ein eigenes Plattenwerk.[79.2] Dies war möglich, da er im selben Jahr einen Staatsauftrag des MRU zur Errichtung von 4000 Wohnungen erhielt.[79.3] 1958 führte Camus die Sandwich-Platte mit 3-Schichten ein, was das System technisch voranbrachte.[79.4] Durch die französische Planification wurden große Staatsaufträge für neue Siedlungen, die Grand Ensembles, vergeben, welche die industrielle Neuorganisation Frankreichs ermöglichten.
Eine sowjetische Delegation des GOSSTROI besichtigte Hersteller industrieller Bausysteme in den Niederlanden, Italien und Frankreich und besuchte dabei auch das Montesson-Werk von Camus. Sowjetische Architekten hatten seit den 1930er Jahren verschiedene Ansätze verfolgt, Gebäude aus präfabrizierte Elementen wie Großblöcken und mit verschiedenen Arten von Plattenkonstruktionen herzustellen. In den früher 1940er Jahren wurden einzelne Apartmentgebäude in Plattenbauweise errichtet und 1949 in Magnitogorsk bereits eine kleine Serie von 1-3-geschossigen Gebäuden. Mit der Entwicklung von Platten-Skelettkonstruktionen in Moskau und Kiew[81.1] wurde die Grundlage gelegt zur Entwicklung der ersten Plattenbauserien ab 1958, wie der K7[82.1] und dem G-1.[82.2] Diese konnten allerdings nicht den immensen Bedarf decken und waren auf die nördliche Sowjetunion begrenzt; auch fehlte es an Maschinenbaukapazitäten.
Daher erwarb man Plattenfabriken-Lizenzen von Camus und importierte 1958 die ersten Ausrüstungen nach Tashkent in die südlichen Sowjetrepubliken. 1960 waren die ersten Wohngebäude fertiggestellt.[79.4] Damit wurde die Industrialisierung des Wohnungsbaus in der Sowjetunion gesteigert und ein bedeutender Schritt zum Massenwohnungsbau in Plattenbauweise eingeleitet. Der individuellere Ausdruck der anpassungsfähigeren Blockbauweise in der Sowjetunion wurde damit langsam aufgelöst.
Mit dem sowjetischen Deal begannen Dutzende Importe weltweit. Da einige Camus-Mitarbeiter deutsch sprachen, wurden auch Lizenzen nach Westdeutschland und Österreich vergeben. Später folgten Lizenzen nach Großbritannien, Italien, Belgien und der Tschechoslowakei. Nach den Erfahrungen mit Erdbebensicherheit in der Sowjetunion wurden auch Export-Deals nach Japan, Irak und Syrien getätigt. Und nach weiteren Exporten nach Zaire, Gabon, Taiwan und Bahrain wurde 1976 der Grand Prix de l’exportation an Camus vergeben.[79.4]
Durch die qualitativ hochwertige Produktion waren auf der Baustelle weder Anpassungen noch Nachbearbeitungen notwendig, die Elemente konnten direkt montiert werden. Das System war auch logistisch optimiert worden, so dass der Bau ohne größere Umstände vollzogen werden konnte. Selbst Elemente wie Fenster, Türen oder auch Installationen waren bereits eingebaut. Am Bau war kaum noch Handarbeit notwendig, das Bautempo hoch und die Kosten niedrig.[83]
Der Siegeszug der Planification führte bis in die 1980er Jahre zur Entstehung dutzender Siedlungen mit einem hohen Plattenbau-Anteil in den französischen Banlieues. Verschiedene Hersteller neben Coignet und Camus prägten diese Entwicklung mit umfassten aber auch andere Fertigteilkonstruktionsarten wie z. B. Stahlrahmenbau. Parallel zu Westdeutschland etablierten sich auch Mischkonstruktionen mit Ortbeton, deren bekannteste Vertreter die Wohnungsbauten von Ricardo Bofill in Paris darstellen.
Weitere französische Hersteller
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben Camus entstanden in Frankreich zahlreiche weitere, teils international erfolgreiche Schwere-Vorfertigungssysteme: Coignet, Barets, Cauvet, Estiot, Tracoba, Balency (Balency et Schuhl) sowie Porte des Lilas.
Der Hersteller „Coignet“ führt auf François Coignet zurück, der bereits 1854 ein Patent für „Béton économique“ anmeldete und 1865 ein Verfahren zur Standardisierung von Wänden und Decken mittels demontierbarer Schalungen patentieren ließ; sein Werk in Saint-Denis (1862) gilt als früher industrieller Standort der Betonfertigteilproduktion, sein Verfahren kam 1867 beim Bau des über 140 km langen Vanne-Aquädukts (Eugène Belgrand) zum Einsatz. Die daraus hervorgegangene Coignet SA war noch im 20. Jahrhundert bedeutend und an mehreren Weltrekorden beteiligt, u. a. dem mit nur 8 cm Wandstärke dünnwandigsten Schalentragwerk der Welt beim CNIT in Paris-La Défense (Ingenieur Nicolas Esquillan, Architekt Jean Prouvé).
Balency & Schuhl, 1909 von den Betonbau-Pionieren Canal und Schuhl gegründet und ab 1935 unter André Balency-Béarn geführt (später „Balency-Briard“), verfolgte einen technisch grundlegend anderen Ansatz als Camus: statt vollständig tragender Fertigtafeln kombinierte das Unternehmen verbessertes Baustellenwerkzeug mit der Vorfertigung nichttragender Großfassadenelemente. Ein Stahlbetonskelett wurde mit vor Ort gegossenen Stützen errichtet; zwischen die Stützen wurde per Kran eine mobile Schalungsplattform im Rastermaß des Skelettfeldes (3,80 × 4,80 m) eingeschoben, die Geschossdecke darauf konventionell mit Bimsbeton-Hohlkörpern gegossen. Nach drei Tagen Aushärtezeit wurde die Plattform wie eine Schublade herausgezogen und andernorts wiederverwendet. Balency & Schuhl beteiligte sich später auch am Bau des CNIT.
Barets (Compagnie Française d'Engineering Barets, Generaldirektor J. Barets) war ein weiterer französischen Unternehmen der Branche und exportierte auch nach Belgien. Mit dem System wurden Zwei Wohntürme in der Siedlung Ban Eik in Wezembeek-Oppem (Architekten: Groupe Structures, 1957–1960) errichtet.
Polen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Polen konnte mittels Plattenbauten der nach dem Zweiten Weltkrieg massive Wohnungsmangel beseitigt werden. Neben neuen Vorstadtvierteln entstanden auch ganze Städte neu, wie die Trabantenstadt Tychy südlich von Katowice.
Ausgehend von Ideen der Zwischenkriegszeit im Zeitraum 1933–1939[84.1] wurde durch den Finanzminister Eugeniusz Kwiatkowski das Konzept des zentralen Industriebezirks (COP) entwickelt. Dieser Regionalbebauungsplan setzte den Fokus auf den Ausbau kleiner Städte zu Industriestandorten. Das Auswahlkriterium war der größtmögliche Abstand sowohl zur deutschen als auch zur sowjetischen Grenze. Mit den Verlusterfahrungen des Zweiten Weltkriegs und der Grenzverschiebung Polens wurde dieses Projekt in ähnlicher Form umgesetzt. Beispielhaft ist hier der Oberschlesische Industriebezirk (GOP), welcher durch wirtschaftliche Regionalfördermaßnahmen auch das erste Plattenwerk Polens in Radom umsetzte.[84.2] Polen machte eine ähnliche Entwicklung wie die DDR durch – von der Großblockbauweise hin zu Plattenbauweisen. Der erste Plattenbau Polens entstand 1957 in Warschau-Jelonki.[85] Der berühmte „Schwedenblock“ (Blok Szwedzki) in Nowa Huta bei Krakau, erbaut 1957–1959,[86] war hingegen kein Plattenbau. Stattdessen verwendeten die Architekten Marta und Janusz Ingarden eine moderne Skelettbauweise mit schwedischer Siporex-Technologie.[87] Bei seinem Bau wurde anstatt Ziegeln der auf schwedischer Lizenz basierende Zellbeton Siporex verwendet,[88] der von der schwedischen Firma Siporex AB aus Dalby stammte.[89] Diese schwedische Porenbeton-Technologie kam 1951 durch ein Kooperationsabkommen nach Polen.[88] Der Schwedenblock ermöglichte durch seine Skelettbauweise flexible Grundrisse und große Fensterflächen.
Bis in die 1970er Jahre waren die meisten Wohnungsbausalogien regional angebunden. Beispiele sind die Systeme der Breslauer Großplatte, die WUF-T (Warschauer Universalform), PBU, WWP und das System Przymorze.[84.3] Mit dem System Śląski wurde sogar das P2-System samt Plattenwerk ähnlich dem in Halle-Neustadt aus der DDR importiert. Dieser Import wurde durch Karl-Heinz Schlesier verhandelt und kam aus der Freundschaft von Edward Gierek mit dem Bürgermeister von Halle zustande. Die Sowjetunion lieferte sogar als „Geschenk“ drei fertige Gebäude eines Leningrader Systems.[84.4]
Ab den 1970er Jahren gab es eine Entspannungspolitik mit dem Westen, welche Importe aus Westeuropa, insbesondere aus der BRD und Dänemark ermöglichte. Daher wurden dänische Plattenwerke und Maschinen der Firma Thomas Schmidt importiert und für die breitflächige Modernisierung und Vereinheitlichung der Bauindustrie verwendet.[84.5] Gleichzeitig arbeitete man am W-70-System, welches ursprünglich mit der DDR zusammen entwickelt werden sollte und Systemkomponenten mit dem WBS 70 teilen sollte. Die Entwicklung des W-70 ging auf das Programm „103-Probleme“ zurück und hatte nicht den erhofften Erfolg.
Daher wurde das deutlich teurere System WK-70 entwickelt. Dabei kamen Maschinen der westdeutschen Firma Kesting zum Einsatz, welche ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen hatte.[84.6] Eine spätere Weiterentwicklung des W-70 ist das OWT-75-System.[84.7]
Tschechoslowakei
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Tschechoslowakei konnte man auf Erfahrungen im industriellen Bauen aus der Vorkriegszeit zurückgreifen. Maßgebend war hier der Baťa-Konzern aus Zlín gewesen. Der Großindustrielle hatte bereits eine Vielzahl an Gebäuden in modernen Bautechniken ermöglicht und 1935 einen Wettbewerb für moderne Gebäude ausgeschrieben. Der zweite Preis ging seinerzeit an František Jech und Adolf Benš. Jech verfasste später mehrere Artikel über Vorfertigung und war ein Verfechter des industriellen Bauens. 1946–1948 errichtete er in Prag eine Reihenhaussiedlung aus präfabrizierten Großblöcken, welche später in die T-Serien aufgenommen wurden. 1949 arbeitete Jech an einem experimentellen, mehrgeschossigen Plattenbau mit einem flexiblen Grundriss. Das X-förmige Gebäude war als Skelett-Platten-Konstruktion geplant und Bauteile wurden getestet.[81.2] Es scheiterte allerdings an einer brauchbaren Platte und einer neuen politischen Hinwendung zu Typenbauten. Vladimír Karfík, der Architekt des Baťa-Hochhauses in Zlín, stellte auf dem Architektenkongress in Prag einen Bautyp mit einem Spannbetonskelett vor, welches mit Platten ausgefacht wurde. Dieser konnte allerdings erst 1955 in Bratislava errichtet werden. Er war dem sowjetischen Michalov-System ähnlich. Michalov hatte wie Karfík während des Krieges an dieser Baumethodik gearbeitet.[81.3]
Der erste Plattenbau in der Tschechoslowakei war Teil der G-Serie, der von 1953 bis 1954 in Zlín (von 1949 bis 1990: Gottwaldov) errichtete G40, entwickelt von Bohumil Kula und Hynek Adamec.[81.4] Der Serie folgten Weiterentwicklungen wie die G55 und G57 mit einem immer größeren Industrialisierungs- und Typisierungsgrad. Ab der Tauwetter-Periode 1955 hatte man auch Zugang zum westlichen Ausland, hatte Zugriff auf Literatur, konnte Experten einladen und besuchen und hielt mehrere Konferenzen ab, unter anderem in Prag. So stellte man fest, dass die G-Typen konstruktive Ähnlichkeiten mit Coignet und Camus hatten.[81.1] Als Nikita Chruschtschow unzufrieden war mit der fortlaufend langsamen Entwicklung des Plattenbaus auf eine hohe Quantität sowie wegen seines Drängens, die Blockbauweise in der Fläche zu überspringen, setzte er auf den Import von Plattenbaufabriken, denn der immense Bedarf der Sowjetunion in der Nachkriegszeit und die Versäumnisse Stalins sollten gelöst werden, ohne die Forschungskapazitäten von anderen Feldern abzuziehen. Daher zog man sowohl die Systeme von Gottwaldov als auch Camus in Betracht, welche als ausgereifte Systeme galten. Camus gewann den Auftrag, da er bis zu 20.000 Wohneinheiten pro Jahr herstellte und die Tschechoslowakei wahrscheinlich nicht die Kapazitäten hätte aufbringen können, um die ausgeschriebenen 380 Plattenbaufabriken zu liefern.[81.5]
Andere Staaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Schweiz werden Plattenbauten als „Bauten in Elementbauweise“ bezeichnet. Hier sind vor allem die „Göhnerbauten“ bekannt. Als Architekt wirkte unter anderem der Bauhausschüler Hans Fischli, dessen größtes Siedlungsprojekt Hangenmoos in Wädenswil von 1968 bis 1973 erbaut und 2019 abgerissen wurde. Eher außergewöhnlich sind dagegen Sakralbauten in Elementbauweise, wie das von Marcel Breuer geplante, 1972 vollendete Franziskanerinnenkloster Baldegg.
In Saudi-Arabien wurden zahlreiche Bauten als Plattenbauten ausgeführt. Als größtes Projekt entstand in Tabuk eine Wohnstadt mit 1856 Wohnhäusern aus rund 300.000 Tonnen Betonfertigteilen binnen knapp zwei Jahren, inklusive Infrastruktur und Hafen. Daneben wurden das König-Fahd-Stadion in Riad, der Internationale König-Abd-al-Aziz-Flughafen in Jeddah und die König-Saud-Universität in Riad in Plattenbauweise erbaut.[5.4]
Moderner Plattenbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Errichtung von Wohn- und Bürogebäuden in Plattenbauverfahren findet sich in Deutschland nur noch sehr selten. Hochhäuser können billiger in Ortbetonbauweise hergestellt werden. Fassaden aus Sichtbeton-Fertigteilplatten werden von vielen Architekten als nicht attraktiv angesehen. Die Fassaden werden daher bevorzugt als Glasfassaden, Fassaden in Ständer-Riegel-Konstruktion oder mit Natursteinverkleidung hergestellt. Alternative Bauweisen, wie die Verwendung von Mauerwerk als tragende und raumabschließende Konstruktion oder Holzbaufertigteilbau, haben sich vor allem im privaten Hausbau und im Mietwohnungsbau als Standard durchgesetzt und können einen höheren Automatisierungsgrad erreichen.[90][91] Teilweise wird als Argument für die Bauweise mit vorgefertigten Betonplatten die frühzeitige und integrierte Planung genannt.
Die negativen Erfahrungen mit uniformen Plattenbau-Wohnsiedlungen am Ende des 20. Jahrhunderts führten zum Bemühen um ein abwechslungsreicheres Erscheinungsbild. So werden Außenwände meist mit Putz versehen oder mit einer beliebigen Fassade überzogen, was die Plattenbauweise nicht erkennen lässt und zugleich Möglichkeiten für die integrierte Wärmedämmung bietet.
Eine Sonderform des Plattenbauverfahrens ist die Raumzellenbauweise, bei der vollständige Räume vorgefertigt und vor Ort zusammengefügt werden. Wenn die Raummodule bzw. -zellen innerhalb der Vorfertigung durch Plattenelemente (modular) erstellt werden, kann bestehen diese ebenfalls aus Platten.[90]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kirsten Angermann, Tabea Hilse: Altstadtplatten. »Komplexe Rekonstruktion« in den Innenstädten von Erfurt und Halle (= Forschungen zum baukulturellen Erbe der DDR. Band 2) Bauhaus-Universitätsverlag, Weimar 2013, ISBN 978-3-95773-010-7, S. 19–101.
- Robert Halász: Großtafelbauten – Konstruktion und Berechnung, 1966
- Christine Hannemann: Die Platte. Industrialisierter Wohnungsbau in der DDR. Schiler, Berlin 2005, ISBN 3-89930-104-8 (Sozial- und Technikgeschichte).
- Thomas Hoscislawski: Bauen zwischen Macht und Ohnmacht. Architektur und Städtebau in der DDR. Verlag für Bauwesen, Berlin 1991, ISBN 3-345-00537-9 (Ideologische und ökonomische Einflussfaktoren auf den Wohnungsbau in der DDR).
- Alice Kahl: Erlebnis Plattenbau: Eine Langzeitstudie. Leske und Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3174-7.
- Irma Leinauer: Magistrale der Moderne: Das Wohngebiet an der Karl-Marx-Allee im Zentrum von Berlin. Planungs- und Baugeschichte. Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, 2023, ISBN 978-3-86732-410-6.
- Philipp Meuser: Die Ästhetik der Platte. Wohnungsbau in der Sowjetunion zwischen Stalin und Glasnost. DOM publishers, Berlin 2015, ISBN 978-3-86922-399-5.
- Philipp Meuser (Hrsg.): Vom seriellen Plattenbau zur komplexen Großsiedlung: industrieller Wohnungsbau in der DDR 1953–1990. DOM publishers, Berlin 2022, ISBN 978-3-86922-859-4
Dokumentarfilm
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sansibar: Schnappschuss: Wie kommen deutsche Plattenbauten nach Sansibar?, Weltspiegel ∙ Das Erste. 2018-07-01
Museum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Museumswohnung, Berlin-Hellersdorf, Wohnung Typ WBS 70
- Das »Wohnzimmer« im DDR Museum, DDR Museum, Berlin-Mitte, Wohnung Typ WBS 70
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Elizabeth Grenier: Plattenbau: Neuer Blick auf alte Siedlungen. In: dw.com. 12. September 2025.
- Tobias Hager: DDR-Architektur: Zwischen Sozialismus und moderner Baukunst. In: baumeister.de. 14. Juli 2025.
- Reinhard Seiß: Wohnraum aus der Fabrik. In: wienerzeitung.at. 27. April 2012.
Einzelnachweise
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- ↑ Mau-Buchforum (1) – Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft. Abgerufen am 13. September 2020 (deutsch).
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