Christian Heinrich Wehmeyer

Christian Heinrich Wehmeyer (geboren 23. März 1729 in Gotha; gestorben 16. September 1813 ebd.) war seit 1772 herzoglicher Gärtner, später Obergärtner des Schlossparks Gotha. In der Gothaer Dependance des Illuminatenordens (Minervalkirche Syracus) hatte Wehmeyer das Amt eines Zeremonienmeisters.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Familiärer Hintergrund und Ausbildung
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Christian Heinrich Wehmeyer stammte aus einer evangelisch-lutherischen Familie. Er wurde am 23. März 1729 als ältester Sohn Christian Andreas Wehmeyers (1697–1783[1]) in Gotha geboren. Sein Vater stand als „Kunstgärtner“ in Diensten des Obristen Geißmar. Bei der Taufe in der Schlosskirche Gotha traten Paten auf, die aus dem gehobenen Gothaer Bürgertum stammten und Verbindungen zum Hof hatten.[2]
Da die Familie unvermögend war, versprach der Gothaer Generalsuperintendent Johann Benjamin Huhn (1681–1744), ein Stipendium für Schule und Universität zu vermitteln. Er nahm den Jungen in seinen Haushalt auf. Unterdessen hatte sich der Vater um 1740 der Herrnhuter Brüdergemeine angeschlossen und wollte den Jungen nach Herrnhuter Grundsätzen erziehen; „dieses war recht Vätterlich gut gemeynet, aber gar nicht nach meinen Geschmack, meine sache war nichts weniger als Kopfhengen.“[3] Er musste die Schule abbrechen und zog wieder zu seinem Vater, der von dem pietistischen Hofprediger Johann Georg Brückner unterstützt wurde.
Der 12-jährige Junge beschloss nun, sich dem Herrnhuter Einfluss zu entziehen und nach Holland zu wandern, dem damaligen Zentrum des Gartenbaus.[2] Der Vater gab schließlich seine Einwilligung. In Frankfurt wurde Wehmeyer vom Kammerdiener des Grafen Johann Erdmann von Promnitz wiedererkannt, der ihm kurz zuvor 1740 auf der Weltsynode der Herrnhuter Brüdergemeine im Gasthaus Zum Mohren in Gotha begegnet war. Von Promnitz gab den Jungen einem nach Amsterdam reisenden Herrnhuter als Begleitung mit und stattete ihn mit Empfehlungsbriefen an einen Herrn von Beining aus. In Amsterdam hätte Wehmeyer Gelegenheit gehabt, in einem Kontor zu arbeiten. Da er aber die Gärtnerei lernen wollte, wurde er nach Leiden geschickt und dort in der Gärtnerei angestellt. Er war allerdings nach eigenen Angaben für eine andere Verwendung vorgesehen und durfte „Physicalische, anadomische und Geometrische colegiæ“ mit seinem jungen Herrn besuchen. Als Diener begleitete er letzteren auf einer Bildungsreise durch „England, Frankreich, durch die Schweiz in das Reich nach Sachsen nach den Preußischen Landen durch Pohlen nach Rußland und dann nach Hamburg und wieder nach Hauße“, doch die vage Hoffnung Wehmeyers auf eine Stelle als Gärtner in Übersee bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie zerschlug sich.[2] Nach Unstimmigkeiten bei der Abrechnung der Reisekosten quittierte Wehmeyer seinen Dienst.
Unterdessen war Wehmeyers Mutter gestorben und der Vater wohnte in der Herrnhuter Niederlassung Marienborn in der Wetterau.[4] Dort traf Wehmeyer wieder mit ihm zusammen. Da er weiter kein Interesse an pietistischer Frömmigkeit hatte, fühlte er sich in Marienborn unwohl. In Frankfurt begegnete er Gustav Adolf von Gotter (1692–1762), der seinen Vater kannte und ihm anbot, in seinen Dienst zu treten; er hätte beim Schloss Molsdorf „selbst einen schönen Garten, da könnte ich nebst der Schreiberey die ich haben solte, auch in Garten seyn, wenn ich wolte, wir wurden unter vielen versprechungen einig und ich nahm seine Dienste an; allein ich habe bey diesem Manne mangerley erfahren ...“ Wehmeyer suchte nach einer Möglichkeit, von Molsdorf wegzukommen. Er war für einen Gärtner-Lehrjungen schon relativ alt und würde drei Jahre ohne Einkommen leben, dazu noch Lehrgeld zahlen müssen. Zwischenzeitlich arbeitete er beim Hofgärtner August Andreas Eichhoff senior in Ichtershausen,[5] der ihm aber auch keine Perspektive bieten konnte. Beinahe wäre er als Soldat „an die Preußen verkauft“ worden.
1750/51 war Wehmeyer in Diensten der Fürstin Auguste Dorothea geborene von Braunschweig-Wolfenbüttel (1666–1751), die ihre Witwenjahre auf Schloss Augustenburg in Arnstadt verbrachte. Als die Fürstin hochbetagt starb, bot der dortige Hofgärtner Johann David Timm Wehmeyer an, die Lehrzeit bis zur Freisprechung bei ihm zu absolvieren, was auch geschah. Timm hatte dem Käufer von Schloss Molsdorf, Heinrich Günther Reinhard von Röder, zugesagt, dass Wehmeyer nach der Lossprechung (um 1753) als Gärtner in seinen Dienst treten würde. So musste Wehmeyer bessere Angebote ausschlagen.
Molsdorf
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Zur Schlossanlage von Molsdorf gehörte ein Barockgarten, den Gotter nach seinen Vorstellungen hatte gestalten lassen; er behielt auch nach dem Verkauf an Röder (1748) lebenslanges Wohnrecht. „Wehmeyer diente zwei Herren, die aufgrund der Dienstverpflichtungen Röders in Württemberg und Gotters in Preußen von fern hineinregierten. Gotter, der im ‚Ringen um die Macht‘ auf dem Gut die Oberhand bekam, stellte keine Mittel für den Unterhalt des Personals und des Objektes mehr zur Verfügung und hielt sich überdies an den schmalen Wirtschaftserträgen schadlos.“[5] Erst recht schwierig wurde die Situation in Molsdorf 1756 mit Beginn des Siebenjährigen Krieges.
Wehmeyer hatte sich verlobt mit Maria Apolonia König, einer Tochter des Hof- und Wundbaders Johann Michael König, der in Diensten des Fürsten von Oettingen stand. Er verließ Molsdorf und trat als Schlossgärtner in Seebach in den Dienst von Gottlob Erdmann von Berlepsch. Dort heiratete das Paar am 29. Oktober 1758.[6] Die vier Jahre in Seebach waren für Wehmeyer durch Truppeneinquartierungen geprägt.
Nach Gotters und Röders Tod ging Molsdorf in den Besitz des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg über. Wehmeyer nutzte die Chance, sich auf die Gärtnerstelle in Molsdorf zu bewerben, die er dank der Protektion des Oberhofmarschalls Hans Adam von Studnitz auch bekam.[7] Von 1761 bis 1772 arbeitete Wehmeyer wieder als Gärtner in Molsdorf. Seine Tätigkeit war hauptsächlich durch die überfällige Restaurierung der Anlage nach 1762 geprägt. Das Schlossgebäude war baufällig. In die Planungen war der Hofgärtner Wehmeyer insofern einbezogen, als er durch geschickte Gestaltung des Gartens „die irregulaire Gestaltung des Schlosses“ möglichst kaschieren sollte.[8]
In Molsdorf bestand bereits seit 1741 eine Freimaurerloge, die als Vorgängerin der Gothaer Loge angesehen wird. Vermutlich war Wehmeyer Mitglied.[9]
Gotha
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ab 12. Oktober 1772 war Wehmeyer Hofgärtner in Gotha. Die Gothaer Stelle war noch mit dem langjährigen Obergärtner Johann Conrad Sahl besetzt, dem Wehmeyer in seiner Molsdorfer Zeit unterstellt gewesen war und weiterhin unterstellt blieb.[10] Herzog Ernst II. bezahlte anfangs die Hälfte von Wehmeyers Gehalt aus seiner Privatschatulle.[9] Wehmeyers Aufgabe war die Betreuung des Englischen Gartens.
Wehmeyer gehörte der 1774 gegründeten Gothaer Johannisloge Cosmopolit an. Nachdem Herzog Ernst II. und sein Bruder, Prinz August, dieser Loge beigetreten waren, nahm sie (mit Bezug auf das sächsische Wappen[9]) den Namen Zum Rautenkranz an. Am 13. Juni 1775 erlangte Wehmeyer den niedrigsten freimaurerischen Grad (Lehrling) und stieg am 24. Oktober zum Gesellen auf. Am 26. März 1776 erlangte er den Meistergrad. Damit erreichte Wehmeyer den Gipfel seiner gesellschaftlichen Karriere, denn er stand nun mit der Elite des Herzogtums in Kontakt, und seine Verbindungen reichten noch darüber hinaus.[11]
Im gleichen Jahr 1776 starb Wehmeyers erste Frau nach kinderloser Ehe. Um als kränklicher Mann seine Versorgung sicherzustellen, entschloss er sich, erneut zu heiraten. Seine Braut Henrietta Charlotta Sophia Waitz war die Tochter eines Hauptmanns Waitz aus Ohrdruf.
Am 30. Januar 1783 unterzeichnete Wehmeyer eine Verschwiegenheitserklärung und trat damit als Novize dem Illuminatenorden bei. Er wurde durch Johann Joachim Christoph Bode aufgenommen.[12] Aufschluss über die Aktivitäten Wehmeyers als Illuminate geben Dokumente aus dem Bestand der Schwedenkiste; hier findet sich auch ein autobiografischer Rückblick Wehmeyers über seinen Werdegang bis 1783. Wehmeyer nahm den Ordensnamen Cleobulos an. Neben Herzog Ernst II. (Timoleon) und Bode (Aemilius) gehörten der Gothaer Dependance der Illuminaten, der Minervalkirche Syracus, Hofbeamte mit intellektuellen Interessen an. Man hatte im Alltag miteinander zu tun und kannte sich schon länger, zumal fast alle vorher der Loge Zum Rautenkranz angehört hatten.[13] Während der Herzog und Bode sich nach Gründung im Hintergrund hielten, hatte Wehmeyer bis zum 7. September 1783 das Amt des Quaestors in der Minervalkirche Syracus inne, vom 11. November 1783 bis zum 27. Dezember 1790 war er Zeremonienmeister. Die Loge Zum Rautenkranz bestand weiter und hatte 1783 etwa 50 Mitglieder, zum engeren Kreis der Gothaer Illuminaten gehörten dagegen nur etwa zehn Männer.[14] Wehmeyer hielt seine Mitgliedschaft in der Loge Zum Rautenkranz aufrecht und gehörte ab 1784 auch der Nachfolge-Loge Zum Kompass an. Außerdem ist er 1783 und 1784 als Kandidat eines regionalen Gold- und Rosenkreuzerzirkels namens Hegrilogena nachgewiesen. Somit war er 1784 Mitglied dreier verschiedener Arkangesellschaften.[15]
Das Haus des Oberhofgärtners befand sich am Rand des Küchen-Gartens (für Kräuter und Zitrusfrüchte), heute Parkallee 13. Hier fanden die Sitzungen der Illuminaten statt. Da der Küchen-Garten herzoglicher Privatbesitz war, blieben sie hier ungestört. Zugleich war man in Wehmeyers Wohnung dem neuen Englischen Garten mit seiner maurerischen Symbolik nahe.[16]
Als Illuminate hatte Wehmeyer täglichen Kontakt mit dem Herzog, der ihn mit geheimen Aufgaben betraute. Wehmeyer war ein Vertrauter des Obersten Kammerherrn, Schlosshauptmanns und Kommandanten der Leibgarde Christian Georg von Helmolt (Ordensname Chrysostomus). Helmolts Tagebücher dokumentieren tägliche Gespräche, Spaziergänge im Park und gemeinsame Mahlzeiten mit dem „guten Wehmeyer“, wobei Wehmeyers respektvoller Ton in der Korrespondenz mit Helmolt den bleibenden sozialen Unterschied zeigt. In Abwesenheit Helmolts leitete Wehmeyer im Herbst die Illuminatenversammlungen. In diesen Monaten sammelte er von den Mitgliedern die persönlichen Rechenschaftsberichte (Quibus Licet) und Reproche Zettel, d. h. kurze Schriftstücke mit Merksätzen und Zitaten ein und wertete sie aus. Er berichtete nach Weimar über die Vorgänge bei den Gothaer Illuminaten. Insbesondere hielt Wehmeyer Vorträge für die „Lehrlinge“ (Minervale) des Ordens und war Mentor für Interessenten. So begleitete er auch Helmolts Sohn als Mentor.[17]
Wehmeyer war 1784 wesentlich beteiligt am Ankauf des Gutes Schnepfenthal, das auf herzoglichen Wunsch als aufklärerische Mustererziehungsanstalt (Philanthropin Schnepfenthal) dienen sollte. Geplant war, die Anstalt in einen umfassenden Landschaftsgarten, ausgehend vom Gothaer Englischen Garten, einzubeziehen; aus den Zöglingen des Philanthropins plante der Illuminatenorden seinen Nachwuchs zu rekrutieren.[18]
Ab Herbst 1787 fehlen Dokumente über die Arbeit der Gothaer Illuminaten; unter dem Eindruck der Französischen Revolution zog sich der Herzog aus den Geheimbundaktivitäten zurück. Auch die Freimaurerloge wurde 1793 geschlossen.[19]
Nachdem Herzog Ernst II. 1804 gestorben war, erbte dessen jüngerer Sohn Prinz Friedrich (1774–1825) den Englischen Garten. Dieser hielt sich zwar bevorzugt in Italien auf und war am Englischen Garten weniger interessiert, behielt Wehmeyer aber zu unveränderten Konditionen im Dienst und ermöglichte einen normalen Gartenbetrieb.[20]
Als die Gothaer Freimaurerloge 1806 wieder gegründet wurde, nahm auch Wehmeyer an der Logenarbeit teil und wurde am 30. Januar zum Zeremonienmeister gewählt. Krankheitsbedingt musste er diese Aufgaben allerdings schon nach wenigen Monaten abgeben.[21]
Christian Heinrich Wehmeyer starb 84-jährig am 16. September 1813. Am 4. Oktober fand eine Trauerloge für ihn statt.[22]
Die Eheleute Wehmeyer hatten zehn Kinder; die meisten Söhne erlernten den Gärtnerberuf.[23]
Wehmeyers Witwe heiratete am 23. Juli 1815[24] in der Gothaer Schlosskirche seinen Nachfolger, den Obergärtner Johann Rudolph Eyserbeck.[25]
Herzog Friedrich IV. von Sachsen-Gotha-Altenburg ließ für Wehmeyer einen Gedenkstein in Form eines Baumstumpfs am Rand des Gothaer Schlossparks errichten. Er trägt eine Marmortafel (ursprünglich Bronzetafel) mit der Inschrift Den Manen des wuerdigen Wehmeyer MDCCCXIII.
Werk
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Als Gärtner ist Christian Heinrich Wehmeyer vor allem bekannt in Zusammenhang mit dem Englischen Garten im Schlosspark Gotha. Dass der Garten eine maurerische Symbolik hatte, gilt als relativ sicher. Ob Wehmeyer in seiner Doppelfunktion als Logenbruder und Gärtner des Herzogs konzeptionelle Überlegungen einbringen konnte, ist aber nicht zu erweisen. Denn einerseits war die Planung des Parks schon weit fortgeschritten, als Wehmeyer in Gotha eintraf, und andererseits war auch Helmolt botanisch interessiert und wahrscheinlich Berater des Herzogs. Wehmeyer oblag folglich vor allem die praktische Umsetzung der Gartenpläne.[26]
Die Anfänge dieser Gartenanlage gehen ins Jahr 1768 zurück, als der spätere Herzog Ernst II. den Gärtner und Landschaftsarchitekten John Haverfield von einer Englandreise mit nach Gotha brachte. Dieser war der Sohn John Haverfields des Älteren, des Chefgärtners von Kew-Gardens, und arbeitete später als Gärtner in Richmond Park. Er fertigte den Entwurf des Gothaer Englischen Gartens an.[27] Die Entwürfe Haverfields für den Gothaer Garten gelten als verschollen. Er folgte den Gestaltungsprinzipien des Landschaftsgärtners Lancelot Brown, die der Erbprinz auf seiner Englandreise kennengelernt hatte. Haverfields Arbeit führte ein weiterer englischer Gärtner, Thomas Webb, nach 1771 weiter. Der Zustand des Englischen Gartens im Jahr 1774 dokumentiert ein Plan des Gothaer Festungsbaumeisters Johann Bartholomäus Orphal. Orphal war in dieser Funktion auch zuständig für das Ausheben des Teichs, die Anlage der Insel und den Wegebau. Charakteristisch für Brownsche Gärten und so auch für die Anlage in Gotha ist ein umlaufender Rundweg (belt walk), der größtenteils durch dichtes Gehölz (den belt) führte und dem Betrachter „eine dramatische Abfolge von Naturszenen mit malerischen Ein- und Ausblicken sowie effektvollen Landschaftsbildern“ erschloss.[28] Um einen idealen Raumeindruck zu erzielen, folgte die Verteilung der Gehölzmassen, Baumgruppen und Einzelbäume physikalisch-mathematischen Überlegungen auf Grundlage von Isaac Newtons Raumtheorie. Wie in englischen Gärten war es auch in Gotha notwendig, große Einzelbäume mit erheblichem Aufwand in den Garten zu verpflanzen, um den gewünschten Effekt zeitnah zu erzielen.[28]
1774/75 ließ der Herzog im Garten einen Tempel bauen, in dem eine Statue des Merkur (identifiziert mit Hermes Trismegistos bzw. mit der ägyptischen Gottheit Anubis) aufgestellt werden sollte. Die Rituale der Gothaer Freimaurer waren reich an ägyptischen Motiven. An Merkur interessierte zusätzlich sein Bezug zur Astronomie. Herzog und Herzogin befassten sich nämlich intensiv mit dieser Wissenschaft und ließen mehrere Sternwarten errichten. Daneben wurde der Tempel im Englischen Garten auch als Dianen-Tempel bezeichnet und eine Figur der Gottheit Diana (= Artemis) in der Werkstatt Jean-Antoine Houdons in Paris in Auftrag gegeben. Der Entwurf wurde aber wegen eines Missverständnisses als Jägerin ausgeführt und nicht, wie gewünscht, als Nachbildung des Kultbilds im Artemistempel von Ephesos (Diana Multimammia). Der Herzog verzichtete darauf, die Bronzestatue gießen zu lassen und zu kaufen. „Die Stufen zum Tempel und das ‚musavische‘ Rautenpflaster mit der schon fertigen Basis für die Isis-Diana weisen auf die ursprünglich rituelle Bedeutung des Tempels hin.“[29]
Johann Wolfgang von Goethe, selbst seit kurzem Illuminate, besuchte den Englischen Garten zu Gotha am 14. Juni 1783 und notierte: „… so sind hier die Partien des Gartens gegeneinander selbst verschlossen, und stellen Vorhöfe, Tempel und Heiligstes vor.“[30] Dies wertet Michael Niedermeier als Beleg dafür, dass es sich um einen maurerischen Mysteriengarten handelte. Die Bepflanzung hatte Wehmeyer sehr dicht und dunkel gehalten, so dass das Abschreiten der Wege zur Kontemplation und Selbstprüfung führen sollte. Ziel des Weges war der Ausblick auf die Heilige Insel im See, auf der Angehörige der herzoglichen Familie bestattet waren. Sie ließ sich als Elysion verstehen.[31]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Elisabeth Dobritzsch: Christian Heinrich Wehmeyer – Gärtner dreier Herzöge. In: Gothaisches Museums-Jahrbuch 2009, Stiftung Schloss Friedenstein 2008, S. 151–190.
- Marcus Köhler: Brownian Gardens in Germany. In: Garden History, Band 44 (2016), S. 159–174.
- Markus Meumann: Vom Vorzimmer der Aufklärung zu ihrem Hinterzimmer: Die Gothaer Freimaurerloge 1774–1793/1801 und ihr Verhältnis zum Illuminatenorden. In: Martin Mulsow, Dirk Sangmeister (Hrsg.): Aufklärung und Residenzstadt: Das intellektuelle Gotha um 1800. Wallstein, Göttingen 2026, S. 245–305.
- Martin Mulsow: Diskussionskultur im Illuminatenorden: Schack Hermann Ewald und die Gothaer Minervalkirche. In: Aufklärung, Band 26 (2014), S. 153–204. (Online)
- Martin Mulsow, Dirk Sangmeister (Hrsg.): Aufklärung und Residenzstadt: Das intellektuelle Gotha um 1800. Wallstein, Göttingen 2026.
- Michael Niedermeier: Freimaurer und Geheimbünde in den frühen Landschaftsgärten der Aufklärung. In: Richard Faber, Christine Holste (Hrsg.): Arkadische Kulturlandschaft und Gartenkunst: eine Tour d`horizon. Königshausen & Neumann, Würzburg 2010, S. 139–166.
- Michael Niedermeier: Vorhöfe, Tempel und Heiligstes: Der Gothaer Park. In: Werner Greiling, Andreas Klingeer, Christoph Köhler (Hrsg.): Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg: Ein Herrscher im Zeitalter der Aufklärung. Köln/Weimar 2005, S. 185–199.
- Christine Schaubs: Christian Heinrich Wehmeyer – Freimauer und Illuminat. In: Gothaisches Museums-Jahrbuch 2009, S. 191–217.
- Jens Scheffler: Der herzogliche Park von Schloss Friedenstein Gotha. In: Doris Fischer (Hrsg.): Paradiese der Gartenkunst in Thüringen: Historische Gartenanlagen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. 2. Auflage. Schnell+Steiner, Regensburg 2021, S. 81–104.
- Richard Waitz: Der herzogliche Park zu Gotha. Stollberg, Gotha 1849, S. 13 f. (Digitalisat)
- Uwe Jens Wandel: Von Gotha nach Kew – von Kew nach Gotha. Zur Entstehung des Englischen Gartens in Gotha. In: Franz Bosbach, Gert Gröning (Hrsg.): Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahrhunderts (= Prinz-Albert-Studien, Band 26). Saur, München 2008, S. 107–135.
- Holger Zaunstöck: Sozietätslandschaft und Mitgliederstrukturen: Die mitteldeutschen Aufklärungsgesellschaften im 18. Jahrhundert (= Hallesche Beiträge zur europäischen Aufklärung, Band 9). Niemeyer, Tübingen 1999.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Factgrid: Christian Heinrich Wehmeyer
- Christian Heinrich Wehmeyer: Autobiographisches für den Illuminatenorden (Transkript)
- Friedenstein Blog: 250 Jahre Englischer Garten im Herzoglichen Park
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Robert Cotter: John Cennick in Germany: His Marienborn Diary, 1745–1746. In: Journal of Moravian History, Band 21 (2021), S. 60–102, hier S. 94.
- 1 2 3 Elisabeth Dobritzsch: Christian Heinrich Wehmeyer – Gärtner dreier Herzöge, 2008, S. 152.
- ↑ Christian Heinrich Wehmeyer: Autobiographisches für den Illuminatenorden
- ↑ Vgl. Robert Cotter: John Cennick in Germany: His Marienborn Diary, 1745–1746. In: Journal of Moravian History, Band 21 (2021), S. 60–102, hier S. 94: Marienborn, 4. März 1746. “A Sister, the wife of Brother Wehmeir was buried here — Her husband and 3 sons alone followed the corpse — all the other Brethren stayed near the House and sang Hymns.”
- 1 2 Elisabeth Dobritzsch: Christian Heinrich Wehmeyer – Gärtner dreier Herzöge, 2008, S. 153.
- ↑ Elisabeth Dobritzsch: Christian Heinrich Wehmeyer – Gärtner dreier Herzöge, 2008, S. 153 f.
- ↑ Elisabeth Dobritzsch: Christian Heinrich Wehmeyer – Gärtner dreier Herzöge, 2008, S. 154 f.
- ↑ Günter Thimm, Dietger Hagner: Der Schlosspark Molsdorf. In: Doris Fischer (Hrsg.): Paradiese der Gartenkunst in Thüringen: Historische Gartenanlagen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. 2. Auflage. Schnell+Steiner, Regensburg 2021, S. 125–141, hier S. 132.
- 1 2 3 Michael Niedermeier: Freimaurer und Geheimbünde in den frühen Landschaftsgärten der Aufklärung, Würzburg 2010, S. 158.
- ↑ Elisabeth Dobritzsch: Christian Heinrich Wehmeyer – Gärtner dreier Herzöge, 2008, S. 160.
- ↑ Christine Schaubs: Christian Heinrich Wehmeyer – Freimauer und Illuminat, 2009, S. 104.
- ↑ Martin Mulsow: Diskussionskultur im Illumiatenorden, 2014, S. 158.
- ↑ Martin Mulsow: Diskussionskultur im Illumiatenorden, 2014, S. 158 f.
- ↑ Martin Mulsow: Die Gothaer Illuminaten als fortgeführte „gemeinnützige Privatgesellschaft“? Die Aufsatzpraxis der Gothaer Sozietät von 1778 und die Minervalkirche von 1783–1787. In: Aufklärung, Band 28 (2016), S. 343–360, hier S. 343.
- ↑ Holger Zaunstöck: Sozietätslandschaft und Mitgliederstrukturen, Tübingen 1999, S. 266.
- ↑ Martin Mulsow: Diskussionskultur im Illumiatenorden, 2014, S. 160 f.
- ↑ Christine Schaubs: Christian Heinrich Wehmeyer – Freimauer und Illuminat. In: Gothaisches Museums-Jahrbuch 2009, S. 194−203.
- ↑ Michael Niedermeier: Freimaurer und Geheimbünde in den frühen Landschaftsgärten der Aufklärung, Würzburg 2010, S. 159 f.
- ↑ Christine Schaubs: Christian Heinrich Wehmeyer – Freimauer und Illuminat. In: Gothaisches Museums-Jahrbuch 2009, S. 212.
- ↑ Elisabeth Dobritzsch: Christian Heinrich Wehmeyer – Gärtner dreier Herzöge, 2008, S. 171.
- ↑ Christine Schaubs: Christian Heinrich Wehmeyer – Freimauer und Illuminat. In: Gothaisches Museums-Jahrbuch 2009, S. 213 f.
- ↑ Christine Schaubs: Christian Heinrich Wehmeyer – Freimauer und Illuminat. In: Gothaisches Museums-Jahrbuch 2009, S. 214.
- ↑ Elisabeth Dobritzsch: Christian Heinrich Wehmeyer – Gärtner dreier Herzöge, 2008, S. 185.
- ↑ Kirchenbuch der Schlosskirche Gotha, Trauungen 1809–1823.
- ↑ Uwe Jens Wandel: Von Gotha nach Kew – von Kew nach Gotha, München 2008, S. 130.
- ↑ Christine Schaubs: Christian Heinrich Wehmeyer – Freimauer und Illuminat, 2009, S. 213.
- ↑ Michael Niedermeier: Freimaurer und Geheimbünde in den frühen Landschaftsgärten der Aufklärung, Würzburg 2010, S. 159.
- 1 2 Jens Scheffler: Der herzogliche Park von Schloss Friedenstein Gotha, Regensburg 2021, S. 90.
- ↑ Michael Niedermeier: Freimaurer und Geheimbünde in den frühen Landschaftsgärten der Aufklärung, Würzburg 2010, S. 161.
- ↑ Goethe an Frau von Stein, in: Goethe Werke, Weimarer Ausgabe, 4. Abteilung, Band 6, S. 171.
- ↑ Michael Niedermeier: Freimaurer und Geheimbünde in den frühen Landschaftsgärten der Aufklärung, Würzburg 2010, S. 163.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wehmeyer, Christian Heinrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Cleobulos (Ordensname) |
| KURZBESCHREIBUNG | herzoglicher Obergärtner in Gotha, Freimaurer und Illuminate |
| GEBURTSDATUM | 23. März 1729 |
| GEBURTSORT | Gotha |
| STERBEDATUM | 16. September 1813 |
| STERBEORT | Gotha |