Emil Balslev

Emil Balslev (* 19. September 1913 in Frederiksberg; † 23. Juni 1944 auf dem ehemaligen Schießplatz in Ryvangen, Ortsteil von Hellerup, heute Gedenkhain in Ryvangen, nahe Kopenhagen) war ein dänischer Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg.[1] Er lebte in Aars und war dort und im Raum Aarhus tätig. Er gehörte zur evangelisch-lutherischen Dänischen Volkskirche.
Familie, Ausbildung, Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geboren als viertes Kind des Kapitäns Viggo Balslev (1879–1951) und der Nanna Elisabeth, geborene Lyngby (1883–1970), hatte er mehrere Geschwister, Carl (* 1909), Else (1910–1996), Karen (1912–2000), Johan (1915–1960) und Svend (1919–2013).[2] 1939 heiratete er die Bürokraft Gudrun Balslev, geborene Sommer (1919–1998) in der Nicolaikirche von Rønne, Bornholm. Sie hatten drei Kinder, Viggo (1940–1983), Poul (* 1942)[1] und als jüngstes die kurz vor seinem Tod geborene Tochter Alice Emilie (24. Mai 1944–2006).[3]
Von seinem Elternhaus stark national und religiös geprägt, war er in seiner Jugend Mitglied und dann auch Leiter der Pfadfinderbewegung des CVJM in Aars. Er war Schüler der Metropolitanskolen. Nach dem Schulabschluss 1932 machte er eine Ausbildung zum Landvermesser mit Abschlussprüfung 1937 und war ab April 1941 selbständig mit eigenem Büro in Aars.[4]
Widerstand
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem sein Bruder Johan verhaftet und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war,[5] trat er, unterstützt von seiner Frau,[6] dem aktiven Widerstand bei. Im Januar 1944 machte er die Bekanntschaft des erfahrenen Widerständlers und Theologiestudenten Christian Ulrik Hansen, der ihn mit verschiedenen Aufgaben betraute: Gründung einer Widerstandsgruppe in Aars, Druck von Untergrundblättern, das Aufsammeln und Verteilen abgeworfener Waffen. Balslev leitet die fünfköpfige Aars-Abwurf-Gruppe. Die Waffen wurden nach Aalborg zum Schiffskapitän Poul Ib Gjessing[7] gebracht und dort versteckt. Die Gestapo konnte diese Waffentransporte durch Verrat aufdecken.[8]
Verhaftung, Haft und Hinrichtung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Februar 1944 kam die Gestapo der Aars-Gruppe auf die Spur, es gab mehrere Verhaftungen in Aars und im Raum Nordjütland. Am 25. Februar 1944 wurde er auf Grund einer Anzeige in seiner Wohnung in Aars gefasst, ein Monat im Gefängnis Aalborg untergebracht und dann zum Westgefängnis, Vestre Fængsel, Kobenhagen, überstellt, wo er bis zu seiner Verurteilung und Hinrichtung zusammen mit dem Politiker und Widerständler Paul Holt[9] in einer Zelle unter verschärften Bedingungen einsaß. Das deutsche Kriegsgericht verurteilte ihn am 19. Juni 1944 wegen seiner Widerstandsaktivitäten zum Tode. Nachdem ein Gnadengesuch abgelehnt worden war, wurde das Urteil am 23. Juni 1944 durch ein Erschießungskommando in Ryvangen vollstreckt. Am 22. Juni 1944, 23 Uhr, dem Vorabend seiner Hinrichtung, schrieb er seiner Frau: „Über mein ganze Hinterlassenschaft kannst du frei verfügen. Ich wünsche nur, dass Viggo meinen Füllfederhalter bekommt. Poul meine Taschenuhr und unser Töchterchen meine Bibel ... Erziehe meine Kinder zu guten, christlichen Menschen, die sich für eine neue und bessere Welt einsetzen können als die, welche ich nun verlasse.“[1]
Seine Leiche wurde vor Ort in einem Massengrab anonym verscharrt. Nach dem Krieg wiedergefunden und exhumiert, wurde er am 29. August 1945 im Gedenkhain in Ryvangen mit einem Staatsbegräbnis feierlich beigesetzt.[4]
Gedenken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Grabstein im Gedenkhain in Ryvangen, Inschrift: »Alles dient zum Guten denen, die Gott lieben«, Römer 8, 28.
- Gedenkstein, geschaffen vom Bildhauer Siegfried Wagner, neben der Kirche in Aars für die fünf Widerstandskämpfer aus Aars: Emil Balslev, Michael Westergaard Jensen, Børge Lauritsen, Jens Peter Funch Lind und Jørgen Rydder. Errichtet und eingeweiht am dritten Jahrestag der Hinrichtung, 23. Juni 1947.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lettere di condannati, Turin 1954, übersetzt: Und die Flamme soll euch nicht verbrennen, Letzte Briefe europäischer Widerstandskämpfer, Berlin-Ost 1956, Seite 107–109: Balslev, Seite 97–100: Überblick über den dänischen Widerstand mit weiteren Quellenangaben.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Datenblatt des dänischen Nationalmuseums mit ausführlichen Quellenangaben auf modstand.natmus.dk.
- Biographie auf der Gedenkseite des dänischen Nationalmuseums,modstand.natmus.dk.
- Familienangehörige auf slaegtsbibliotek.dk.
- Aars-Gruppe, Darstellung ihrer Zerschlagung auf vesthimmerlandmuseum.dk, Museum der Region West-Himmerland.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Lettere di condannati, Seite 107–109, siehe Literatur.
- ↑ Siehe Stammbaum auf ancestors.familysearch.org.
- ↑ Familienbibliothek, Seite 141, in der Online-Bibliothek „Geschichte der Dänen“ auf slaegtsbibliotek.dk.
- 1 2 Datenblatt und Biographie, Informationsseiten des Nationalmuseums, siehe Weblinks.
- ↑ Johan, Kurzbiographie auf modstand.natmus.dk.
- ↑ Gudrun wurde auch verhaftet, aber wegen ihrer Schwangerschaft geschont. Ihre Aktivität in der illegalen Presse auf modstand.natmus.dk.
- ↑ Gjessing (1909–1944), ebenfalls hingerichtet, auf modstand.natmus.dk.
- ↑ Aars-Gruppe, Zerschlagung, siehe Weblinks.
- ↑ Holt kam anschließend in das KZ Neuengamme und Neu-Verse, überlebte aber den Krieg.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Balslev, Emil |
| KURZBESCHREIBUNG | dänischer Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg |
| GEBURTSDATUM | 19. September 1913 |
| GEBURTSORT | Frederiksberg |
| STERBEDATUM | 23. Juni 1944 |
| STERBEORT | Ryvangen, Ortsteil von Hellerup, heute Gedenkhain in Ryvangen bei Kopenhagen |