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MILAN

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MILAN
MILAN-1-Lenkflugkörper

MILAN-1-Lenkflugkörper
Allgemeine Angaben
Typ Panzerabwehrlenkwaffe
Heimische Bezeichnung MILAN, Missile d′Infanterie léger antichar
NATO-Bezeichnung MILAN
Herkunftsland Frankreich Frankreich
Deutschland Deutschland
Hersteller MBDA (Euromissile)
Entwicklung 1963
Indienststellung 1972
Einsatzzeit im Dienst
Technische Daten
Länge 0,77–1,14 m
Durchmesser 267 mm[1]
Gefechtsgewicht 2,67–3,12 kg[1]
Spannweite 267 mm[2]
Antrieb Feststoffraketentriebwerk
Geschwindigkeit 220 m/s[3]
Reichweite 2.000 m
Ausstattung
Lenkung Gyroskop
Zielortung SACLOS via Drahtlenkung
Gefechtskopf Hohlladung
Zünder Aufschlagzünder
Listen zum Thema

Die MILAN (franz. Missile d′Infanterie léger antichar, deutsch leichte Infanterie-Panzerabwehrrakete; gleichzeitig bedeutet dieses Apronym den habichtartigen Greifvogel Milan) ist eine leichte Boden-Boden-Panzerabwehrlenkwaffe, die in den 1960er-Jahren in deutsch-französischer Kooperation entwickelt wurde. Sie wurde 1977 bei der Bundeswehr in Dienst gestellt und ist bis heute im Einsatz.

Am 12. April 1963 wurde ein erstes deutsch-französisches Regierungsabkommen über die Entwicklung von Panzerabwehrlenkraketen MILAN abgeschlossen. Am 20. Februar 1970 wurde eine Regierungsvereinbarung über die Einrichtung des deutsch-französischen Programmbüros in Rueil-Malmaison mit der Zuständigkeit für die gemeinsamen Programme MILAN, HOT und ROLAND I unterzeichnet. Das MILAN-System wurde dann in den 1970er-Jahren in deutsch-französischer Kooperation durch Messerschmitt-Bölkow-Blohm entwickelt. Mit MILAN wollte man die aus den 1950er-Jahren stammenden Panzerabwehrlenkwaffen SS.11 und COBRA ersetzen. Nachdem in den USA bereits die TOW-Panzerabwehrlenkflugkörper entwickelt worden waren, setzte die europäische Waffenschmiede Euromissile auf ein eigenes System, das auf das europäische Gelände und die zu erwartenden Sichtstrecken ausgelegt sein sollte. Feldtests wurden 1971 von Frankreich und Deutschland durchgeführt und die Serienproduktion begann 1972.

Seit 2006 ist die neueste Version MILAN ADT verfügbar. In diesem System wurde MILAN 3 um ein leistungsfähiges Wärmebildgerät erweitert. Der reichweitengesteigerte Flugkörper MILAN ER kann Ziele in bis zu 3 km Entfernung bekämpfen. Anschließend wurde von dem paneuropäischen Unternehmen MBDA eine kampfwertgesteigerte Variante der MILAN (MILAN ER) erarbeitet, die über einen verbesserten Gefechtskopf verfügt.

  • MILAN 1: 1. Serienversion aus dem Jahr 1972 mit 2,67-kg-Hohlladung mit 103 mm Durchmesser. Durchschlagsleistung rund 350 mm Panzerstahl. Reichweite 2 km.[1][2][4][5]
  • MILAN 2: 2. Serienversion aus dem Jahr 1984. Mit verbessertem Lenksystem und neuer 2,7-kg-Hohlladung mit 115 mm Durchmesser und Abstandsdorn. Durchschlagsleistung rund 550 mm Panzerstahl. Reichweite 2 km.[1][5][6][7]
  • MILAN 2T: Version aus dem Jahr 1993. Mit 3,12-kg-Tandemhohlladung mit 117 mm Durchmesser zur Bekämpfung von Reaktivpanzerung. Durchschlagsleistung 800–850 mm Panzerstahl. Reichweite 2 km.[1][5][8][9]
  • MILAN 3: Version aus dem Jahr 1995. Mit neuem ADT-Startgerät (Advanced Technology) mit erhöhter Störsicherheit sowie verbessertem Wärmebildgerät mit CCD-Sensor. Verwendet den MILAN-2T-Lenkflugkörper. Reichweite 2 km.[2][8]
  • MILAN ER & MILAN ADT-ER : Version aus dem Jahr 2006. Mit neuem Lenkflugkörper mit verbesserter Tandemhohlladung. Durchschlagsleistung rund 1.000 mm Panzerstahl. Verwendet wird das ADT-Startgerät. Reichweite von 3 km.[10][11][12]
Abschuss einer MILAN-Rakete
Geladener französischer MILAN-Starter mit aufgesetztem Wärmebildgerät MIRA mit Einweg-Kühlpatrone (brauner eiförmiger Körper)
Im Vergleich das deutsche System – an Stelle der Kühlpatrone befindet sich ein Kompressor

Die Waffenanlage besteht aus Startschiene, Lenkelektronik, Halter für die Wärmebildkamera, Tragegriff, kurzem Dreibein und der Optik. Das Startrohr besteht aus Rohr, Verriegelungskasten und Gleitschuh und beinhaltet den Lenkflugkörper (LFK). Vor jedem Start wird ein Startrohr mit dem Flugkörper auf das Startgestell aufgesetzt (in die Startschiene) und mechanisch verriegelt. Beim Abschuss wird das Startrohr nach hinten vom Startgestell gestoßen.[13]

Das gesamte Waffensystem kann zusätzlich mit dem kleinen Dreibein auf einem langen Dreibein montiert werden. Die Gesamthöhe beträgt dann 1,20 m und ermöglicht den Einsatz auch aus höheren Deckungen. Das System hat eine Feuerleistung von bis zu drei Starts pro Minute. Die Kampfentfernung des Flugkörpers MILAN 2 beginnt, bedingt durch eine Sicherheitseinrichtung, ab 75 m und endet bei 1975 m.

Mit dem 1980 eingeführten aufsetzbaren Wärmebildgerät (WBG) MIRA (Milan Infra-Rot Adapter) wurde die MILAN erstmals voll nacht- und allwetterkampffähig. Während die Bundeswehr die Sensorik des MIRA mit einem elektrisch betriebenen Kompressor kühlt, werden von den britischen und französischen sowie Streitkräften anderer Staaten mit Stickstoff gefüllte Einweg-Kühlpatronen verwendet. Im Gegensatz zum Kompressor sinkt der Geräuschpegel enorm und erschwert somit die Aufklärung des MILAN-Trupps.

Das Waffensystem MILAN ADT-ER ist eine Weiterentwicklung des MILAN-Konzeptes. MILAN ADT-ER besteht aus dem reichweiten- sowie leistungsgesteigerten Flugkörper MILAN ER (Extended Response) und der verbesserten und voll digitalisierten Waffenanlage MILAN ADT (Advanced Technology).

Der MILAN-ER-Lenkflugkörper erzielt eine Reichweite von 3000 m und kann mit seinem leistungsfähigeren Gefechtskopf über 1000 mm Panzerstahl nach einer Reaktivpanzerung der neuesten Generation und 2000 mm Stahlbeton durchdringen. Das Ortungsverfahren zur Vermessung der Flugkörperposition wurde von MILAN 3 übernommen und ist resistent gegen natürliche und künstliche Störmaßnahmen.

Zum Start des Flugkörpers MILAN ER wurde die tragbare Waffenanlage MILAN ADT entwickelt. MILAN ADT verfügt über ein leistungsfähiges integriertes Wärmebildgerät und ist auf eine Bekämpfungsreichweite von bis zu 3000 m hin ausgelegt. Anstelle der optischen Tagsicht (Fernrohr) kann in die Waffenanlage MILAN ADT auch eine TV-Kamera integriert werden. Hierdurch besteht die Möglichkeit der Fernsteuerbarkeit des Waffensystems sowie der Verwendung von Simulationstechniken für die Ausbildung. Mit der Waffenanlage MILAN ADT können auch die bei der Bundeswehr zuvor bereits vorhandenen MILAN-Flugkörper eingesetzt werden. Nicht zuletzt deswegen bietet MILAN deutliche Kostenvorteile.

Die Fähigkeit, weite Gebiete mit Hilfe der optischen Sensorik zu überwachen sowie ein sehr breites Zielspektrum zu bekämpfen, zeichnet MILAN ADT-ER aus. In Duellsituationen ist das Waffensystem in der Lage, sofort nach der Zielidentifizierung ohne Zeitverlust zu feuern, da die Kühlung eines Suchkopfes im Vergleich zu anderen Systemen nicht erforderlich ist (Waffensysteme, die den Flugkörper vorkühlen müssen, können den Flugkörper nach nichterfolgtem Start nicht mehr im Nachtsichtmodus (IR-Modus) abfeuern. Der Flugkörper muss daraufhin ausgetauscht und instand gesetzt werden). Das SACLOS-System der MILAN ADT-ER erlaubt dem Schützen den sofortigen Übergang von der Überwachungs-, Aufklärungs- und Identifizierungphase zur Bekämpfung von aufgeklärten Zielen. Durch die technische Auslegung wird das Risiko eines Zielverlustes zwischen dem Vorgang der Aufklärung und Identifikation eines Zieles und dem Abfeuern praktisch ausgeschlossen und erhöht den Schutz des Soldaten. Dies ist insbesondere in Szenarien wechselnder Intensität von einsatzkritischer Bedeutung, da eine kontinuierliche Feuerbereitschaft gewährleistet werden muss. Das Waffensystem ist für den Einsatz gegen Panzerfahrzeuge sowie zur Bekämpfung von Zielen mit geringer IR-Signatur wie zum Beispiel Bunker, Feldbefestigungen und Brücken geeignet.

Dank seines vergleichsweise geringen Gewichtes kann der Flugkörper vom Boden mit dem Dreibein oder von einem Fahrzeug wie Fuchs oder Marder aus starten. Der Lenkflugkörper verbleibt bis zum Start im weitgehend wartungsfreien und geschützten Startrohr, er hat damit Munitionscharakter. Eine Integration in den Schützenpanzer Puma gilt als realisierbar.

Sicht durch die Optik der MILAN
Sicht bei Nacht mit Wärmebildgerät MIRA
MILAN ADT-ER

Als Lenkflugkörper (LFK) der zweiten Generation sollte MILAN beim Start mit leichter Steigung starten, dann aber direkt und für den Richtschützen verfolgbar das Ziel im Bereich der Visierlinie anfliegen. So konnte dieser erstmals das Ziel dynamisch verfolgen und auch ein fahrendes Ziel treffen, wenn das Fadenkreuz auf dem Ziel gehalten wurde.

Die Steuerung erfolgt über einen Lenkdraht aus Kupfer, der sich im Flugkörper abspult und mit dem Starter verbunden ist. Über den Draht werden die Impulse an die Strahlruder gesendet, welche die Lenkbewegungen ausführen.

Die Übertragung der Steuerbefehle des Flugkörpers MILAN ER erfolgt über die gesamte Flugstrecke durch einen dünneren, jedoch nunmehr kevlarverstärkten Lenkdraht. Zur Zielbekämpfung muss der Schütze das Ziel im Fadenkreuz halten und die SACLOS-Lenkung (Semi automatic command line of sight) steuert den Flugkörper auf der Visierlinie ins Ziel.

Die Drahtlenkung bei infanteristischen Waffensystemen hat sich in vielen Einsätzen bewährt und gilt bis heute als sehr zuverlässig. Dies steht im Gegensatz zu Fire-and-Forget-Systemen, die ihr Ziel selbstständig suchen, verfolgen und autonom bekämpfen, ohne dass ein Zielwechsel oder auch Abbruch möglich wäre. Ein weiterer Nachteil von Fire and Forget bzw. Fire and Observe in diesem Zusammenhang ist, dass immer eine Aufschaltung auf ein Ziel mit erkennbarer Infrarotsignatur nötig ist. Diese kann durch Tarnung (Infrarot-Nebel oder ungünstige Gefechtsfeldeinflüsse wie Rauch- oder Staubentwicklung) oder ungünstige Witterungsbedingungen verschleiert werden, wodurch eine effektive Bekämpfung des Ziels nicht mehr möglich ist. Nachteilig ist bei einer Drahtlenkung die Tatsache, dass der Schütze das Ziel während der Anflugphase des Flugkörpers permanent im Blick haben muss, was ihn wiederum für gegnerischen Beschuss verwundbar macht.[14]

MILAN im Einsatz – weltweit von mehr als 40 Staaten verwendet
Die syrische Armee nutzte das Waffensystem MILAN gegen die israelische Armee im Libanonkrieg 1982

Die sehr gute Trefferquote der MILAN und die leichte Schulung der Richtschützen machte sie zu einem der weitestverbreiteten Lenkflugkörper weltweit. Ursprünglich nur als Boden-Boden-Panzerabwehrwaffe konzipiert, ist die MILAN begrenzt auch gegen in Bodennähe langsam fliegende Luftfahrzeuge wie Helikopter einsetzbar, etwa beim Beobachten, Zielen oder Absetzen von Truppen im Schwebeflug. Die Waffenanlage wird mit dem Wärmebildgerät auch zur Aufklärung bzw. Gefechtsfeldüberwachung eingesetzt.

Richtschützen der Bundeswehr müssen eine MILAN-ATN haben. Die Jägertruppe hat in ihren Bataillonen eigene MILAN-Züge. In den Fallschirmjägereinheiten verfügen die Kampfkompanien über einen schweren Zug mit einer MILAN-Gruppe. Bei den Panzergrenadieren wird die MILAN abgesessen vom MILAN-Trupp mitgeführt oder aufgesessen vom Schützenpanzer (SPz) Marder abgefeuert. Dazu wird die Starteinheit des Lenkflugkörpers (LFK) vom Kommandanten auf der rechten Turmseite montiert, was nur mit Hilfe des aufgesessenen Trupps möglich ist, da sich die Starteinheit hinter dem Turm auf der rechten Kampfraumseite befindet und an den Kommandanten gereicht werden muss. Dieser Vorgang dauert etwa 30 Sekunden. Beim Start der MILAN und bei der Zielzuführung muss der Panzer in seiner Stellung verharren, um die Kontrolle des LFK während der Flugphase zu ermöglichen. Der SPz Marder 1A3 führt vier MILAN-LFK und die Starteinheit mit sich.

Die MILAN-Rakete wird neben Deutschland und Frankreich auch in Großbritannien, Spanien sowie Indien in Lizenz gefertigt. In Europa löste der Flugkörper frühere Systeme wie etwa Aérospatiale SS.11 und MBB COBRA ab. In Osteuropa fand eine vergleichbare Entwicklung zu Panzerabwehrflugkörpern der zweiten Generation statt.

Eine Tochtergesellschaft der EADS hat einen Vertrag mit Libyen über die Lieferung von MILAN-Raketen im Wert von 168 Millionen Euro geschlossen, Frankreich und dessen Präsident wurden daraufhin kritisiert.[15] Während des Grenzkrieges zwischen Libyen und dem Tschad waren 1987 MILAN-Raketen gegen Libyen eingesetzt worden und zerstörten Kampfpanzer vom Typ T-55.[16][17] Ab 1987 lieferte die CIA die MILAN im Rahmen der Operation Cyclone an die Mudschaheddin in Afghanistan im Kampf gegen die Sowjetunion.[18] Im Zweiten Golfkrieg setzte Frankreich die MILAN gegen die irakischen Streitkräfte ein. Dabei wurden mindestens sieben irakische Kampfpanzer vom Typ T-55 zerstört.[19] Gemäß einer israelischen Quelle wird die MILAN auch von der libanesischen Hisbollah im Kampf gegen Israel während des Libanonkriegs 2006 eingesetzt. Am 14. August 2010 bekämpfte eine Bundeswehreinheit in Afghanistan mit einer MILAN-Rakete eine Talibanstellung während eines längeren Feuergefechts.[20] Im April 2011 bestätigte Katar, dass es MILAN-Raketen aus französischer Produktion an die Aufständischen im Osten Libyens liefert.[21] Im seit 2011 währenden syrischen Bürgerkrieg hat die Golfstaaten-Koalition aus Saudi-Arabien und Katar im Juni 2013 bestätigt, Raketen vom Typ MILAN an die Aufständischen geliefert zu haben. Die Lieferung von weiteren Panzerabwehr- und Luftabwehrraketen ist vorgesehen, es steht jedoch noch nicht exakt fest, welcher Typ jeweils geliefert wird.[22]

Am 31. August 2014 wurde von der deutschen Bundesregierung bekanntgegeben, dass die Waffenlieferungen an die kurdischen Peschmergatruppen im Irak und Syrien auch 30 MILAN-Panzerabwehrwaffen sowie 500 Lenkflugkörper umfassen sollen.[23] Diese Raketen dienten der Peschmerga maßgeblich bei der Verteidigung gegen Autobomben des sogenannten Islamischen Staates.[24]

Das Panzerabwehrraketensystem MILAN wird bei der Bundeswehr durch das PARS 3 LR abgelöst.

Radioaktivität

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Der Infrarotstrahler von MILAN-Raketen enthält etwa 2 g radioaktives Thorium mit einer Aktivität von 10 kBq,[25] welches während des Fluges und bei der Detonation freigesetzt wird. Seit 2001 werden deshalb vom Führungsstab des Heeres Schutzmaßnahmen beim Aufsammeln der Glühstrahler befohlen sowie die landwirtschaftliche Nutzung der Zielgebiete untersagt.[26]

Eine Studie über die Umwelteinflüsse auf dem Stützpunkt CFB Shilo der kanadischen Streitkräfte in Manitoba, wo mit MILAN-Systemen geübt wurde, konnte einen erhöhten, jedoch unter dem Grenzwert liegenden Gehalt von Thorium-232 im Grundwasser nachweisen und empfahl, auf dem Gelände keine MILAN-Raketen mehr abzufeuern.[27]

Die Vereinigung der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) sieht beim Einsatz von MILAN-Raketen gefährliche Langzeitfolgen z. B. durch Lungenkrebs oder Schädigung des Erbguts.[28]

Eigenschaften des Waffensystems MILAN ADT-ER

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Kenngröße Daten
Allgemeine Angaben
Hersteller MBDA (Deutschland/Frankreich)
Startplattform Dreibein, Trägerfahrzeug, Schiffe, Boote (Integration in SPz Puma möglich)
Zielszenarien stehende u. bewegte Ziele, gestreckte Flugbahn, Reaktivpanzerung, Verbundpanzerung, Bunker, Feldbefestigungen, Gebäude usw.
Einsatzerprobt ja
Ersttrefferwahrscheinlichkeit > 93 % bei über 100.000 Starts
Startgerät
Entdecken/Erkennen/Identifizieren 12.000 / 5000 / 3000 m (mit Wärmebildgerät)
Systemstartzeit < 1 sec
Digitalisierung Lenkelektronik und Ortungsanlage
Videoschnittstelle In & Out
Remote Observation über externes Display
Remote Control die Funktionalität der Fernsteuerung ist durch die Digitalisierung der Waffenanlage prinzipiell gegeben und technisch realisierbar
GPS-Daten Positions- und Richtungsangaben im Display
NetOpFü Anbindung möglich
Fehlerkennung Built-In-Test-Equipment
Höhenrichtbereich −10° bis +10°
Seitenrichtbereich 360°
Rückstrahlzone 5–8 m
Feuerhöhe (auf langem Dreibein) 75–95 cm
Feuerhöhe (Bodeneinsatz) 30–55 cm
Lenkflugkörper
Durchschlag (MILAN ER) > 1000 mm nach modernster Reaktivpanzerung / 2000 mm Stahlbeton
Gefechtskopf Tandemhohlladung mit nichtdetonativer Vorhohlladung
Zünder Aufschlagzünder
Reichweite (MILAN ER) 3000 m
Marschgeschwindigkeit ca. 150 m/s
Flugdauer 500 m = 4 s; 1000 m = 7 s; 1500 m = 10 s; 1975 m = 13 s
Steuerung halbautomatisch über Infrarotsender am Heck des LFK, drahtgelenkt (SACLOS-System), Modi:

Aufklären-Zielen-Feuern-Halten (Fire and Control), Man-in-the-Loop-Prinzip, Lock-On After Launch (LOAL)

Flugkörper rollt um die Längsachse, Kreisel, Decoder, Doppelruder, Blitzlampe (Störhärtung), keine Abkühlung LFK (Vorteil in Duellsituationen), benötigt keine IR-Signatur
Antrieb zweistufiger Hauptmotor, raucharm
Länge 120 cm
Gewichte ADT-ER Systemgewicht ca. 45 kg, Gewicht LFK ca. 13,5 kg
Kompatibilität mit der gesamten MILAN-LFK-Familie (MILAN 1 bis ER)
Logistik
Life Cycle Cost wartungsfreie Munition, nur Sichtprüfung
Lebensdauer spezifiziert 20 Jahre
Versorgungssicherheit Versorgbarkeit für zehn Jahre vertraglich garantiert (100 % europäisch)
Wertschöpfung in Deutschland Waffenanlage ADT zu 100 %, LFK ER zu 10 %

MILAN befindet sich bei über 40 Streitkräften im Dienst. Bis 2022 wurden rund 10.000 MILAN-Startgeräte sowie über 360.000 Lenkflugkörper produziert. Im französischen Heer wird die MILAN seit 2017 durch die Akeron MP ersetzt. Im deutschen Heer wird das Panzerabwehrsystem MILAN seit 2022 nicht mehr verwendet und wurde durch das Mehrrollenfähige Leichte Lenkflugkörper-System (MELLS) ersetzt.[29][30][31][32]

  •  Australien – 12 Startgeräte und 120 Lenkflugkörper
  •  Algerien – unbekannte Anzahl
  •  Ägypten – 4.150 Lenkflugkörper
  •  Bahrain – unbekannte Anzahl
  •  Belgien – 360 Startgeräte und 3600 Lenkflugkörper
  •  Bosnien und Herzegowina – unbekannte Anzahl
  •  Botswana – 150 Lenkflugkörper
  •  Brasilien – 100 Lenkflugkörper
  •  Burundi – unbekannte Anzahl
  •  Deutschland – unbekannte Anzahl
  •  Estland – 20 Startgeräte und 200 Lenkflugkörper aus NATO-Beständen
  •  Frankreich – unbekannte Anzahl
  •  Gabun – 4 Startgeräte und 40 Lenkflugkörper
  •  Griechenland – 5.804 Lenkflugkörper
  •  Indien – 26.530 Lenkflugkörper im Lizenzbau gefertigt
  •  Indonesien – unbekannte Anzahl
  •  Irak – 114 Startgeräte und 5.850 Lenkflugkörper
  •  Irland – 4 Startgeräte und 48 Lenkflugkörper
  •  Israel – unbekannte Anzahl
  •  Italien – 13.807 Lenkflugkörper im Lizenzbau gefertigt
  •  Jordanien – unbekannte Anzahl
  •  Kamerun – 6 Startgeräte und 60 Lenkflugkörper
  •  Katar – 1100 Lenkflugkörper
  •  Kenia – 40 Startgeräte und 400 Lenkflugkörper
  •  Kroatien – unbekannte Anzahl aus südafrikanischen Beständen
  •  Libanon – 61 Startgeräte und 727 Lenkflugkörper
  •  Libyen – 10 Startgeräte und 1.000 Lenkflugkörper
  •  Malawi – unbekannte Anzahl
  •  Mauretanien – 100 Lenkflugkörper
  •  Marokko – 852 Lenkflugkörper
  •  Mexiko – 639 Lenkflugkörper
  •  Nordmazedonien – 12 Startgeräte und 62 Lenkflugkörper
  •  Oman – unbekannte Anzahl
  •  Pakistan – unbekannte Anzahl
  •  Portugal – 799 Lenkflugkörper
  •  Ruanda – unbekannte Anzahl
  •  Saudi-Arabien – 128 Lenkflugkörper
  •  Senegal – 4 Startgeräte und 40 Lenkflugkörper
  •  Singapur – 30 Startgeräte und 871 Lenkflugkörper
  •  Somalia – 1.000 Lenkflugkörper
  •  Spanien – 250 Startgeräte und 11.500 Lenkflugkörper im Lizenzbau gefertigt
  •  Südafrika – 375 Lenkflugkörper
  •  Syrien – 200 Startgeräte und 4.400 Lenkflugkörper
  •  Tschad – 40 Startgeräte und 400 Lenkflugkörper
  •  Tunesien – 140 Lenkflugkörper
  •  Türkei – 687 Startgeräte und 11.250 Lenkflugkörper im Lizenzbau gefertigt
  • Ukraine – unbekannte Anzahl im Rahmen der Auslandshilfen für die Ukraine aus NATO-Beständen geliefert.
  •  Vereinigte Arabische Emirate – 2.300 Lenkflugkörper
  •  Vereinigtes Königreich – 18.000 Lenkflugkörper im Lizenzbau gefertigt
  •  Uruguay – 140 Lenkflugkörper
  •  Zypern – 1.034 Lenkflugkörper

Quellen:[3][33][34]

  • Edward L. Korb: The World’s Missile Systems. Seventh Edition. General Dynamics, Pomona Division, Vereinigte Staaten, 1982.
  • John Norris: Brassey's Anti-Tank Weapons. Brassey's, Vereinigtes Königreich 1996, ISBN 1-85753 177 9.
  • Richard D. Jones & Leland S. Ness: Jane's Infantry Weapons 2010–2011. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2011, ISBN 978-0-7106-2908-1.
  • Wolfgang Minich: Die Roten Teufel. SF der Reserve
Commons: Panzerabwehrlenkflugkörper MILAN – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 Richard D. Jones & Leland S. Ness: Jane's Infantry Weapons 2010–2011. 2011, S. 461–462.
  2. 1 2 3 John Norris: Anti-Tank Weapons. 1996, S. 130–132.
  3. 1 2 Hajime Ozu: Milan. In: missile.index.ne.jp. The Missile Index, abgerufen am 15. Februar 2023 (englisch).
  4. Edward L. Korb: The World’s Missile Systems. Seventh Edition. 1982. S. 143–144.
  5. 1 2 3 Weaponsystems.net: MILAN
  6. Thinkdefence.co.uk: MILAN ATGW
  7. Mefenseadvancement.com: Milan 2 Anti-Tank Weapon System
  8. 1 2 Wikimedia.org: Worldwide Equipment Guide 2001, S. 188 (PDF)
  9. Missilery.info: Противотанковый ракетный комплекс Milan-2 ( Milan-2Т )
  10. Armyrecognition.com: MILAN ER ( Extended Response ) Medium Range Weapon System
  11. Army-technology.com: MILAN ER (Extended Response) Anti-Tank Missile System
  12. Mbda-deutschland.de: MILAN ADT-ER (PDF)
  13. Panzerabwehrwaffe MILAN
  14. Bundeswehr: Panzerabwehrwaffe MILAN, abgerufen am 19. September 2014
  15. FAZ: Empörung in Frankreich über Waffengeschäft mit Libyen
  16. Einsatz in Libyen: Nato nennt Bedingungen für Ende der Luftschläge
  17. Opinion | TOPICS OF THE TIMES; Toyotas and Tanks (Published 1987). In: nytimes.com. 16. August 1987, abgerufen am 3. Februar 2024 (englisch).
  18. Bruce Riedel: What We Won. America's Secret War in Afghanistan, 1979–89. Brookings Institution Press, Washington, D.C. 2014, ISBN 978-0-8157-2595-4, S. 122 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  19. Jayhawk!: the VII Corps in the Persian Gulf War. Stephen Alan Bourque, United States. Dept. of the Army., PDF, englisch
  20. Ausbildungseinheit liefert sich schwere Gefechte mit Taliban Artikel auf spiegel.de; abgerufen am 23. September 2017
  21. Libyan rebels receiving anti-tank weapons from Qatar
  22. Waffenlieferungen nach Syrien: Die Rebellen rüsten auf
  23. Bundeswehr: Unterstützung der Regierung der Autonomen Region Irakisch-Kurdistan bei der Versorgung der Flüchtlinge und beim Kampf gegen den Islamischen Staat im Nordirak
  24. Kurdischer Nachrichtensender "Rudaw": Artikel über Einsatz der MILAN gegen IS-Autobomben. Rudaw Media Network, abgerufen am 17. Januar 2018 (englisch).
  25. Bundesministerium der Verteidigung: Hinweis über mögliche in den Lieferungen der Bundeswehr enthaltene Schadstoffe. (Memento vom 17. Februar 2015 im Internet Archive) Anhang zur Antwort auf eine Anfrage der Partei DIE LINKE an die Bundesregierung (Memento vom 17. Februar 2015 im Internet Archive); 19. November 2014. Abgerufen am 17. Februar 2015.
  26. Fokus: BUNDESWEHR: Radioaktiver Panzerknacker (Memento des Originals vom 4. September 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. 14. April 2001. Abgerufen am 4. September 2014.
  27. G. Ampleman, S. Thiboutot, J. Lewis et al.: EVALUATION OF THE ENVIRONMENTAL IMPACT OF LIVE FIRING TRAINING AT CANADIAN FORCE BASE SHILO. In Theme D: RISK BASED LAND MANAGEMENT (SOIL & GROUNDWATER) (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., S. 3032
  28. Angelika Wilmen: Milanrakete birgt gefährliche Langzeitfolgen. IPPNW, abgerufen am 7. August 2017.
  29. Army-technology.com: MILAN Anti-Tank Missile System
  30. Deagel.com: Milan
  31. Panzerabwehrsystem MELLS. 10. September 2019, abgerufen am 31. März 2026.
  32. MILAN. 3. September 2019, abgerufen am 31. März 2026.
  33. Trade Register auf sipri.org, abgerufen am 17. Juni 2026
  34. The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2026. Routledge Revivals, Vereinigtes Königreich, 2026, ISBN 978-1-003-77897-4.