Renault VH
| Triebwagen Bauart Renault VH SNCF X 2001...2336 | |
|---|---|
Museumswagen der Serie Renault VH im Eisenbahnmuseum Mülhausen | |
| Nummerierung: | AL, CFS-NE VH 21–24, Est, État, Nord, PLM, PO SNCF ZZR 2001...2336, später X 2001...2336 |
| Anzahl: | 100 |
| Hersteller: | Renault |
| Baujahr(e): | 1933–1935 |
| Ausmusterung: | 1970 |
| Achsfolge: | B'2' |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Länge: | 20.400 mm |
| Länge über Puffer: | 21.040 mm |
| Drehzapfenabstand: | 13.600 mm |
| Drehgestellachsstand: | 2500 mm |
| Gesamtachsstand: | 16.100 mm |
| Leermasse: | 21 t |
| Dienstmasse: | 26 t |
| Reibungsmasse: | 13 t |
| Radsatzfahrmasse: | 6,5 t |
| Höchstgeschwindigkeit: | 120 km/h |
| Installierte Leistung: | 300 PS |
| Motortyp: | Renault 12-A-130 V12 |
| Motorbauart: | 12-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor |
| Nenndrehzahl: | 1400 U/min |
| Leistungsübertragung: | mechanisch |
| Bremse: | Druckluftbremse, Handbremse, Magnetschienenbremse |
| Sitzplätze: | 56 |
| Stehplätze: | 10 |
Die Triebwagen der Baureihe VH mit dem Spitznamen Iroquois (französisch für Irokese) waren vierachsige Fahrzeuge des Herstellers Renault für verschiedene französische Eisenbahngesellschaften. Sie zählten zu den bekanntesten Fahrzeugen in Frankreich und erregten international großes Aufsehen. Sie wurden in 100 Exemplaren hergestellt und für zahlreiche Schnellverkehrsverbindungen auf schwach ausgelasteten Strecken verwendet.
Zwei Fahrzeuge sind erhalten geblieben. Der X 2211 ist im Eisenbahnmuseum Mülhausen ausgestellt, der ehemalige Compagnie des chemins de fer secondaires du Nord-Est (CFS-NE) VH 24 ist bei der Train à vapeur des Cévennes (CITEV) fahrfähig erhalten geblieben.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorkriegsgeschichte
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Dieser Wagentyp entstand, um den Eisenbahnbetrieb durch die Anwendung von Schnelltriebwagen in der Fläche wesentlich beschleunigen und effektiver zu gestalten und zu Zeiten, da die Fahrgastzahlen einen gezogenen Zug nicht rechtfertigten, ein Angebot mit Triebwagen zu erstellen.
Die Bauform wurde von Renault schon 1929 den Bahngesellschaften vorgeschlagen. Im Jahr 1933 wurde zunächst eine Serie von 15 Exemplaren gefertigt, von denen die Administration des chemins de fer d’Alsace et de Lorraine (AL), Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO), Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM),[1] Compagnie des chemins de fer de l'Est (Est),[2] und Chemins de fer de l’État (Frankreich) (État)[3][4.1] jeweils Testfahrzeuge erhielten. Im gleichen Jahr wurde ein Fahrzeug auch auf dem Bahnhof Paris-Saint-Lazare ausgestellt.[5.1] Auf der Grundlage der Erprobungen wurde eine Serie von 85 Triebwagen geliefert. Außer den genannten Gesellschaften war noch die Compagnie des chemins de fer du Nord (Nord) und die Compagnie des chemins de fer secondaires du Nord-Est (CFS-NE) hinzugekommen. Die Lieferungen erfolgten von 1934 bis zum Juni 1935.[4.2] Die Serientypen waren durch den zusätzlichen Lüftungsaufsatz äußerlich zu erkennen und unterschieden sich in den äußeren Abmessungen von der Erstserie.[6]
Die Triebwagen wurden für die Betreibergesellschaften in verschiedenen Ausführungen gebaut, wobei es neun verschiedene Innenraumgestaltungen gab.[7] War der Triebwagenbetrieb auf dem französischen Streckennetz zur Entwicklung der Renault VH noch überschaubar,[8] so hatte sich speziell das PLM-Netz um 1937 radikal vergrößert.[9] Die Triebwagen hatten zu Spitzenzeiten Laufleistungen von bis zu 900 km täglich.
1938 gab es im Vorfeld der Übereignung an die SNCF einige Umbeheimatungen. Außer den Fahrzeugen für die CFS-NE sind alle anderen Fahrzeuge, als ZZR 2001...2336, später X 2001...2336, bezeichnet, von der Staatsbahn übernommen worden.[4.3] Die Leistungen der Wagen konnte auch auf Hauptstrecken befriedigen. Auf Grund ihrer hohen Beschleunigung konnten sie die 130 km lange Strecke von Lyon-Perrache nach Grenoble gegenüber einem Dampfzug in 50 Minuten schneller bewältigen.[4.2] Die Triebwagen haben zuerst die Farben der Muttergesellschaft getragen. Nach der Übernahme durch die SNCF wurden sie neu lackiert; zuerst in rot, später in rot-grau.[4.4] Während des Zweiten Weltkrieges wurden sie auf Grund von Treibstoffmangel stillgesetzt und in verschiedenen Depots des Landes konserviert abgestellt. Während des Krieges wurden neun Fahrzeuge so stark beschädigt, dass sie danach abgebrochen werden mussten.[4.5]
Von einer Gesellschaft, der Compagnie des chemins de fer secondaires du Nord-Est ist auch die Bezeichnung VH 21–24 bekannt.
Nachkriegsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Krieg wurden besonders die Motorleistung erhöht, eine Zug- und Stoßeinrichtung nach der Einheitsausrüstung mit Puffer und Schraubenkupplung hinzugefügt, die Inneneinrichtung vereinheitlicht, die Magnetschienenbremse ausgebaut und auch das Übersetzungsverhältnis geändert. Die Triebwagen trugen bei der SNCF zuerst die Nummerierungen ZZR 2001...2336, ab 1949 X 2001...2336.[4.6] Schrittweise wurden sie durch neuere Triebwagen, wie den SNCF X 3800 ersetzt. Zum Jahr 1966 wurden die ersten Wagen ausgemustert und 1970 wurden die letzten beiden Wagen im Depot Nantes und Montluçon ausgemustert.[4.7]
Technische Daten
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Charakteristisch war der erst bei den Serienfahrzeugen angewendete hohe Kühlergrill, der den Fahrzeugen den Spitznamen Irokese verlieh. Sie besaßen einen Ganzstahl-Wagenkasten, der von zwei Drehgestellen getragen wurde.[5.2] Die Drehgestelle waren identisch und bestanden aus zwei seitlichen Langträgern und einem mittleren Querträger mit Aufnahme für die Drehzapfen incl. Distanzstücken. Die Inneneinrichtung variierte zu Privatbahnzeiten erheblich und bestand aus dem vorderen Maschinenraum und dem vorderen Führerstand, dem vorderen Fahrgasteinstieg, dem Fahrgastabteil,[10] dem hinteren Fahrgasteinstieg sowie dem hinteren Gepäckraum und dem hinteren Führerstand. Unterschiede gab es zwischen der Anzahl Sitzplätze, die Unterteilung der Wagenklassen sowie dem Vorhandensein und Größe des Gepäck- sowie des Postabteiles.[4.8] Bei den SNCF wurde die Fahrzeugausrüstung modernisiert aber nicht vereinheitlicht. Lediglich die Beheizung der Wagen, die ursprünglich durch die Abgase des Motors erfolgte, wurde auf Kühlwasserheizung umgestellt.[4.4]
Der Motor erbrachte eine Leistung von 200 PS. Er war fest mit dem Fahrgestell des Triebwagens verbunden. Dieser konnte nach vorn aus dem Wagenkasten herausgezogen und nach unten abgelegt werden.[11] Das Getriebe hatte vier Gängen. Die Zahnräder waren ständig im Eingriff, mit Klauenkupplung wurden die entsprechenden Radpaare zur Kraftübertragung herangezogen. Die weitere Kraftübertragung geschah über Gelenkwellen und Durchtrieb auf die beiden Antriebsachsen des Triebdrehgestelles.[12] Der Triebwagenführer hatte seinen Arbeitsplatz links neben dem Motor/Getriebeeinheit, auf der Nichtmotorseite saß er in Fahrzeugmitte.[13]
- Erhaltener Renault VH – Motorseite
- Führerstand auf der Motorseite
- Führerstand auf der Nichtmotorseite
- Renault VH auf der Bahnstrecke Anduze – Saint-Jean-du-Gard
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- W. Hamacher: Neue Schienentriebwagen der Französischen Staatsbahn. In: Verkehrstechnik, Heft 13, 1933, Seite 327 ff.
- Olivier Constant, Les VH Renault : Ausgabe Nr. 46 Revue Le Train, Publitrains, Februar 2006, 96 Seiten ISSN 0986-6663
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Internetseite über die Historie der Triebwagen Renault VH auf ree-modeles.com
- Video über die Präsentation des Renault VH der Citev auf youtube.com
- Internetseite über die Historie des Renault VH auf trainconsultant.com
- Internetseite über Renault-Triebwagen mit Erwähnung des Renault VH auf louisrenault.com
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Foto von dem Prototyp der PLM auf trainconsultant.com
- ↑ Foto von einem Prototypwagen für die Est auf www.ree-modeles.com
- ↑ Foto von einem Prototypwagen für die Etat auf www.ree-modeles.com
- Olivier Constant, Les VH Renault : Ausgabe Nr. 46 Revue Le Train, Publitrains, Februar 2006, ISSN 0986-6663
- W. Hamacher: Die Bedeutung der Schienentriebwagen für die französische Eisenbahn in Verkehrstechnik Heft 13, 1933
- ↑ Foto eines Serientriebwagens auf www.ree-modeles.com
- ↑ Foto der Fertigung der Renault VH auf www.ree-modeles.com
- ↑ Skizzenplan des französischen Triebwagennetzes 1933 auf i0.wp.com
- ↑ Darstellung des Triebwagennetzes bei der PLM um 1937 auf i0.wp.com
- ↑ Foto des Fahrgastraumes eines Triebwagens der PO auf www.ree-modeles.com
- ↑ Foto eines Motorwechsels bei dem Renault VH auf i0.wp.com
- ↑ Längsschnitt durch einen Wagen der PLM auf trainconsultant.com
- ↑ Skizze mit Grundriss des Fahrzeuges auf i0.wp.com
- Schienenfahrzeug (Spurweite 1435 mm)
- Verbrennungsmotortriebwagen
- Schienenfahrzeug (Renault)
- Triebfahrzeug (Chemins de fer de l’État)
- Triebfahrzeug (Compagnie des Chemins de fer de l’Est)
- Triebfahrzeug (Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans)
- Triebfahrzeug (Réseau ferroviaire d’Alsace-Lorraine)
- Triebfahrzeug (Compagnie des chemins de fer du Nord)
- Triebfahrzeug (Compagnie des chemins de fer secondaires du Nord-Est)
