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Crawford Library

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Exlibris der Bibliotheca Lindesiana, der Familienbibliothek der Earls of Crawford

Die Crawford Library ist eine philatelistische Spezialbibliothek innerhalb der British Library Philatelic Collections der British Library in London. Sie wurde zwischen 1898 und 1913 von James Ludovic Lindsay, 26. Earl of Crawford und 9. Earl of Balcarres, aufgebaut und gehört zu den bedeutenden philatelistischen Bibliotheken.[1] Der Bestand umfasst je nach Zählweise mehrere tausend Bände, darunter frühe Briefmarkenkataloge, Auktionskataloge, Händlerlisten, Periodika, postalische Bekanntmachungen, Vereinsdrucke, Broschüren, Ephemera und handschriftliche Materialien zur Geschichte der Philatelie.[2]

Die Sammlung ging nach Crawfords Tod 1913 an das British Museum und kam 1973 mit dessen Bibliotheksabteilungen an die neu gegründete British Library.[1] An Crawfords Bedeutung für die philatelistische Literatur erinnert auch die Crawford-Medaille der Royal Philatelic Society London, die für herausragende philatelistische Forschungsliteratur verliehen wird.[3]

James Ludovic Lindsay, 26. Earl of Crawford und 9. Earl of Balcarres, Aufnahme von 1910, veröffentlicht 1913

Crawford war bereits vor seiner intensiven Beschäftigung mit dem Briefmarkensammeln ein bedeutender Bibliophiler. Die Familienbibliothek der Lindsays, die Bibliotheca Lindesiana, ging in ihren Ursprüngen bis in das 16. Jahrhundert zurück und entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer der großen britischen Privatbibliotheken. Sie enthielt unter anderem Bestände zu Astronomie, Reisen, schottischer Druckgeschichte, der Französischen Revolution und schließlich auch zur Philatelie.[2]

Crawford hatte sich bereits als Schüler am Eton College für Briefmarken interessiert, gab dieses Interesse aber zunächst wieder auf. Erst 1898 oder 1899 wurde es durch den Erwerb einer Briefmarkensammlung des Offiziers John Rouse Merriott Chard neu geweckt. Der Ankauf führte dazu, dass Crawford nicht nur eine bedeutende Briefmarkensammlung, sondern auch eine umfassende Sammlung philatelistischer Literatur aufbaute.[2] Von 1910 bis zu seinem Tod 1913 war Crawford Präsident der Royal Philatelic Society London.[2]

Den wichtigsten Grundstock der Crawford Library bildete die Bibliothek des US-amerikanischen Philatelisten und Bibliografen John Kerr Tiffany. Tiffany war Mitgründer und erster Präsident der späteren American Philatelic Society und hatte 1874 mit The Philatelical Library eine frühe Bibliografie philatelistischer Literatur veröffentlicht.[2] Die Tiffany-Bibliothek wurde 1901 im Auftrag Crawfords durch Charles James Phillips, den damaligen Geschäftsführer von Stanley Gibbons, erworben. Sie umfasste etwa 909 gebundene und 136 ungebundene Bände und traf in 39 Kisten am 28. Juni 1901 in Crawfords Londoner Haus am 2 Cavendish Square ein.[2]

Noch im selben Jahr zog Crawford Edward Denny Bacon zur Ordnung und Katalogisierung der Sammlung heran. Bacon hatte zuvor die Tapling Collection im British Museum bearbeitet und wurde später Kurator der Royal Philatelic Collection. Die Arbeit an Crawfords Bibliothek dauerte rund zehn Jahre und mündete 1911 in den gedruckten Katalog der Sammlung.[2]

Eine weitere wichtige Erweiterung war 1908 der Erwerb der Bibliothek des Berliner Philatelisten Heinrich Fraenkel. Fraenkel hatte seit den 1880er Jahren philatelistische Literatur gesammelt und zuvor Teile der Bibliothek des Wiener Philatelisten Sigmund Friedl übernommen. Seine Sammlung war besonders stark bei europäischen und deutschsprachigen Veröffentlichungen. Crawford übernahm die für seine Bibliothek benötigten Stücke; Dubletten wurden der Royal Philatelic Society London überlassen und stärkten dort besonders den Bestand europäischer Periodika.[2][4]

Übergang an British Museum und British Library

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Crawford war seit 1885 Trustee des British Museum. In einem Zusatz zu seinem Testament bestimmte er, dass die philatelistische Abteilung seiner Bibliothek nach seinem Tod an die Trustees des British Museum gehen solle. Nach Crawfords Tod am 31. Januar 1913 wurde die Sammlung am 14. und 17. März 1913 in das British Museum überführt. Beim Übergang wurden nahezu 4.000 Bände sowie zahlreiche Kisten und Pakete ungebundener Zeitschriften und Broschüren verzeichnet.[2]

Die Signaturen der Sammlung beginnen bis heute mit dem Wort „Crawford“, gefolgt von einer Nummer. Bei der Übernahme durch das British Museum erhielten die Bände außerdem einen gelben Stempel mit dem Hinweis auf das Vermächtnis James Earl of Crawfords aus dem Jahr 1913.[2] Mit der Gründung der British Library 1973 gingen die Bibliotheksabteilungen des British Museum und damit auch die Crawford Library an die neue Nationalbibliothek über.[1]

Kataloge und Erschließung

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Der von Edward Denny Bacon bearbeitete Katalog erschien 1911 als Band VII der Bibliotheca Lindesiana unter dem Titel A Bibliography of the Writings General, Special and Periodical Forming the Literature of Philately. Im selben Jahr erschien eine Ausgabe der Philatelic Literature Society unter dem Titel Catalogue of the Philatelic Library of the Earl of Crawford, K.T.; von dieser Ausgabe wurden 300 Exemplare gedruckt.[2][5] Ein Supplement zum Katalog erschien 1926, weitere Addenda wurden 1938 als Supplement zu The London Philatelist veröffentlicht.[2]

Der Katalog von 1911 ist nicht nur ein Standortkatalog der Crawford Library, sondern zugleich eine Bibliografie der damals bekannten philatelistischen Literatur. Daher sind nicht alle darin aufgeführten Werke tatsächlich in der Crawford Library vorhanden.[1] Die 1991 erschienene revidierte Ausgabe Catalogue of the Crawford Library of Philatelic Literature at the British Library ergänzte die Signaturen der British Library und erleichterte dadurch die Benutzung der Sammlung in den Lesesälen und für bibliografische Nachweise.[1]

Seit 2020 ist der British-Library-Crawford-Katalog auch in den Katalog der Royal Philatelic Society London eingebunden.[6]

Die Crawford Library umfasst frühe philatelistische Literatur aus vielen Ländern, darunter Briefmarkenkataloge, Auktionskataloge, Händlerlisten, Fachzeitschriften, Vereinssatzungen philatelistischer Gesellschaften, postgeschichtliche Quellen, Literatur zu Ganzsachen und Fälschungen sowie Materialien zur Geschichte der Briefmarkenausstellungen. Die British Library hebt unter anderem frühe postalische Bekanntmachungen aus China, Notizbücher des Philatelisten Frederick Philbrick sowie Literatur und Ephemera der frühen Philatelic Congresses of Great Britain hervor.[1]

Die Signaturen zeigen den Charakter der Sammlung als Arbeits- und Forschungsbibliothek. Die Ordnung ist nicht streng systematisch, sondern folgt teilweise dem Format der Bände und der praktischen Aufstellung in einer Magazinbibliothek.[2] Grob umfasst sie:

  • Crawford 1–90: Auktionskataloge
  • Crawford 91–700: Händlerlisten und Briefmarkenkataloge
  • Crawford 701–767: amtliche Veröffentlichungen, postalische Vorschriften und kurze Periodika
  • Crawford 768–926: Traktate, Broschüren und vermischte Schriften
  • Crawford 927–1465: Monografien, Zeitungsausschnitte und Notizbücher
  • Crawford 1466–1477: Satzungen philatelistischer Gesellschaften
  • Crawford 1478–1694: Monografien
  • Crawford 1695–1885: Periodika und britische Postberichte
  • Crawford 1886–2718: Periodika

Zu den besonders hervorgehobenen Stücken gehören ein chinesisches Postal Circular No. 1 von 1897, der erste Katalog von E. Stanley Gibbons aus dem November 1865, Rowland Hills frühe Schrift Post Office Reform; its importance and practicability in der als „Private and Confidential“ bezeichneten Ausgabe von Januar 1837, der Katalog der ersten philatelistischen Auktion im Vereinigten Königreich vom 18. März 1872 sowie Materialien des Mercantile Committee on Postage zur Einführung der Uniform Penny Postage.[2] Ein weiteres ungewöhnliches Einzelstück ist eine Zeichnung von Adolph Reinheimer, die eine 1852 im Vandermaelen-Museum in Brüssel gezeigte Briefmarkenausstellung darstellt und als Darstellung einer frühen öffentlichen Präsentation von Briefmarken gilt.[2]

Erhaltung und Digitalisierung

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Viele Bände der Crawford Library waren im 20. Jahrhundert in schlechtem Erhaltungszustand. 1985 begann deshalb ein umfangreiches Erhaltungsprogramm. Nach einer Bestandsaufnahme wurden etwa 3.000 Bände als dringend behandlungsbedürftig identifiziert, darunter seit 1913 ungebundene Signaturen. Zum Programm gehörten Neueinbände, Entsäuerung, konservatorische Behandlung, Reinigung, Lederpflege und Mikroverfilmung.[2] Bis 2016 hatte die British Library nach Beech rund drei Millionen Pfund für Einbandarbeiten und Mikroverfilmung der Crawford Library aufgewendet.[2]

1997 zog die Sammlung in das neue Gebäude der British Library an der Euston Road in St Pancras um. Dort wird sie in den Magazinbereichen für seltene Bücher aufbewahrt; Beech bezifferte die belegte Regalfläche auf rund 170 Meter.[2]

Seit den 2010er Jahren wird die Sammlung zusätzlich digital erschlossen. Grundlage der Digitalisierung sind vor allem die seit 1985 angefertigten Mikrofilme, um die Originale zu schonen und die Kosten gegenüber einer Neudigitalisierung der Originalbände zu senken. Das Projekt wurde von der British Library, dem British Philatelic Trust, der Royal Philatelic Society London und der Global Philatelic Library getragen.[2] Der Masterkatalog umfasst 8.830 Einzeltitel; Beech bezifferte den geplanten Umfang der Digitalisate auf etwa 1,2 Millionen Seiten. Zum Zeitpunkt seiner Darstellung waren für rund 78 Prozent der Titel Bilddateien verfügbar; die Digitalisate sollten zudem per Texterkennung durchsuchbar gemacht werden.[2]

Die gedruckten Bestände können in der British Library benutzt werden. Der digitale Zugang erfolgt über den Katalog der Royal Philatelic Society London beziehungsweise die Global Philatelic Library. Die RPSL weist darauf hin, dass der British-Library-Crawford-Katalog in ihre Datenbank eingebunden ist und für eine gezielte Suche nach Crawford-Beständen die entsprechende Bibliothek ausgewählt werden kann.[6]

  • Edward Denny Bacon: Catalogue of the Crawford Library of Philatelic Literature at the British Library. Revidierte Ausgabe. The Printer’s Stone in association with the British Library, Fishkill/New York 1991, ISBN 0-941480-10-0.
  • David R. Beech: The Crawford Library of Philatelic Literature at the British Library and for the World in Digital Form. In: The London Philatelist. Band 125, Supplement, März 2016.
  • Ron Negus: The Earl of Crawford K.T. (1847–1913): A Short Biographical Sketch. In: The London Philatelist. Band 111, Supplement, Dezember 2002.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 Philatelic Collections: The Crawford Library. British Library, abgerufen am 1. Juli 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 David R. Beech: The Crawford Library of Philatelic Literature at the British Library and for the World in Digital Form. In: The London Philatelist. Band 125, Supplement, März 2016 (englisch, globalphilateliclibrary.org [PDF; abgerufen am 1. Juli 2026]).
  3. Medals and Awards. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 1. Juli 2026 (englisch).
  4. The John Sacher Library. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 1. Juli 2026 (englisch).
  5. Edward Denny Bacon: Catalogue of the Philatelic Library of the Earl of Crawford, K.T. The Philatelic Literature Society, London 1911 (englisch, archive.org [abgerufen am 1. Juli 2026]).
  6. 1 2 Catalogue Search. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 1. Juli 2026 (englisch).