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Pierre-Jacques Cazes

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Jacques-André-Joseph Camelot Aved (1702–1766): Porträt von Pierre-Jacques Cazes, 1734, Schloss Versailles
Pierre-Jacques Cazes – Astronomin. Schwedisches Nationalmuseum, Stockholm

Pierre-Jacques Cazes (* 1676 in Paris; † 25. Juni 1754 ebenda) war ein französischer Maler und Zeichner.[1] Nach einer Phase des weitgehenden Vergessen im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde das Werk von Pierre-Jacques Cazes erst in jüngerer Zeit wieder teilweise erschlossen, insbesondere im Bereich der Zeichnungen, wo die Rekonstruktion seines Œuvres weiter fortgeschritten ist als bei den Gemälden.[2] Mehrere heute Cazes zugeschriebene Werke galten zuvor als Arbeiten anderer Künstler, darunter Noël-Nicolas Coypel, Jean-Baptiste van Loo und Nicolas de Largillière.[3]

Pierre-Jacques Cazes entstammte einem dem französischen Hof nahestehenden Milieu und war der Vater der ebenfalls als Maler tätigen Jacques-Nicolas und Pierre-Michel Cazes. Er war Schüler von Bon Boullogne. 1698 erhielt er den zweiten Rompreis für die Darstellung der Auffindung von Josephs Becher im Sacke Benjamins (das Werk ist heute verschollen) und 1699 den ersten Rompreis für eine Vision Jakobs in Ägypten (das Werk befindet sich heute in der École des Beaux-Arts in Paris). Anstelle eines regulären Rom-Stipendiums erhielt er lediglich für ein Jahr eine bescheidene Pension und reiste nie nach Italien. 1703 wurde er in die Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen. Dort durchlief er eine bedeutende Laufbahn: 1718 wurde er Professor, 1743 Rektor und 1744 schließlich Direktor der Akademie. 1746 wurde er zudem zum Kanzler ernannt. Auch nach der Übernahme der Direktion durch Charles-Antoine Coypel im Mai 1747 behielt Cazes die Ämter des Rektors und Kanzlers bei. Zu seinen bekanntesten Schülern zählten Jean-Baptiste Siméon Chardin, Charles Parrocel und Paul Ponce Antoine Robert (Robert de Séry).[3]

1704 debütierte Pierre-Jacques Cazes im Salon de Paris mit einer Darstellung der heiligen Cäcilie; seine nächste Teilnahme erfolgte jedoch erst 1737. In der Folgezeit war er überwiegend für kirchliche Auftraggeber tätig, insbesondere für die königliche Abtei von Saint-Germain-des-Prés. Für diese arbeitete er im Rahmen der dortigen Wiederbelebung der sogenannten Maigeschenk-Praxis mehrfach. Aufträge des königlichen Hofes ließen dagegen lange auf sich warten: Erst im Jahr 1720, mit 44 Jahren, erhielt er eine erste Zahlung der Bâtiments du Roi für einen Puttenplafond in der Salle des Machines im Palais des Tuileries.[3]

Pierre Jacques Cazes – La naissance de Vénus, 1727. Bowes Museum, Barnard Castle, England

1724 gehörte er zu einer Gruppe von zwölf Malern, die mit der Ausschmückung des Hôtel du Grand Maître in Versailles beauftragt wurden. 1727 nahm er an einem von Duc d’Antin veranstalteten Wettbewerb der Akademie teil, scheiterte jedoch mit dem eingereichten Werk. 1732 dekorierte er gemeinsam mit Pierre Domenchin de Chavannes und Louis Galloche das Petit Cabinet du Roi im Schloss von Versailles. 1747 nahm er an einem weiteren Wettbewerb teil, der von Charles-François-Paul Lenormant de Tournehem ausgerichtet wurde. Für ein Bild zum Thema Raub der Europa erhielt er eine Gratifikation von 1500 Livres. Neben seiner Tätigkeit als Maler entfaltete Pierre-Jacques Cazes eine umfangreiche Tätigkeit als Zeichner und Entwerfer von Buchillustrationen, unter anderem für Pierre Brumoys Le Théâtre des Grecs (1730), Fénelons Les Aventures de Télémaque (1730), die Histoire générale de Languedoc von Dom Claude de Vic und Dom Nicolas Vaissette (1730–1745) sowie für Noël Pluches Le spectacle de la nature (1737–1755).[3]

Pierre-Jacques Cazes – La balançoire (Die Schaukel), 1732. Louvre, Paris

Pierre-Jacques Cazes' Schaffen umfasst hauptsächlich religiöse Bilder für Kirchen in Paris sowie Darstellungen aus der Mythologie. Zu den religiösen Werken zählen eine Heilung des blutflüssigen Weibes für die Kathedrale Notre-Dame (1706, heute im Musée des Beaux-Arts in Arras), mehrere – größtenteils verschollene – Gemälde aus dem Leben der Heiligen Germanus und Vinzenz für Saint-Germain-des-Prés sowie eine Madonna in der Glorie für die Kirche im Parc-aux-Cerfs in Versailles, die sich heute in der Kirche Saint-Louis in Versailles befindet.[3]

Zu den mythologischen Sujets, die Cazes mehrfach in verschiedenen Fassungen behandelte, gehören die Geburt der Venus, die Toilette der Venus und die Entführung der Europa. Von Cazes sind nur wenige Porträts überliefert, darunter ein Bildnis des Generalsuperiors der Mauriner-Kongregation, Dom Denys de Sainte-Marthe (1724), sowie ein Porträt des Abbé de Bragelonne (1730). Ein bedeutender Teil seines erhaltenen Œuvres besteht aus Zeichnungen, von denen die größten Bestände sich im Louvre, im Nationalmuseum Stockholm sowie in der Sammlung Mathias Polakovits an der École des Beaux-Arts befinden. Weitere Gemälde und Zeichnungen werden unter anderem in Berlin (Schloss Charlottenburg), Potsdam (Schloss Sanssouci), Rouen, Rennes, Toulouse und Carcassonne aufbewahrt.[3][2]

Commons: Pierre-Jacques Cazes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 3: Bülow – Cossin. Paris 2006.
  2. 1 2 Pierre Rosenberg, Isabelle Julia: Dessins de Pierre-Jacques Cazes. Band 23/24, 1985, S. 352–363.
  3. 1 2 3 4 5 6 De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. 2009.