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Theater Aachen

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Das Theater Aachen ist eine im Jahr 1825 eröffnete Kultureinrichtung für Schauspiel und Musiktheater der Stadt Aachen. Es steht in der Nachfolge des nicht mehr repräsentativen ehemaligen Alten Komödienhauses am Katschhof, des 1751 von Johann Joseph Couven errichteten ersten öffentlichen Theaters Aachens. 1920 wurde dem Theater das zuvor eigenständige Sinfonieorchester Aachen angegliedert.

Das derzeitige Mehrspartenhaus (Oper, Schauspiel, Konzert) hat seinen Sitz in einem von Karl Friedrich Schinkel und Johann Peter Cremer entworfenen klassizistischen Gebäudekomplex am Aachener Kapuzinergraben. Die einzelnen Aufführungen finden entweder auf der mit 730 Sitzplätzen ausgestatteten „Großen Bühne“ oder in der „kleinen Kammer“ mit 151 Sitzen statt. Für kammermusikalische Aufführungen, Lesungen, Podiumsdiskussionen und Feste steht das Spiegelfoyer zur Verfügung, wohingegen die großen Sinfoniekonzerte meist im Eurogress Aachen aufgeführt werden. Zum Theater Aachen gehört als externe Spielstätte noch das so genannte Mörgens mit seinen 99 Plätzen.

Im Jahre 1802 beschloss die im besetzten Aachen amtierende französische Regierung, dass das bisherige Komödienhaus am Katschhof, welches den gestiegenen baulichen und repräsentativen Anforderungen nicht mehr entsprach, umfangreich umgebaut und modernisiert werden solle oder als Alternative ein Neubau zu entwerfen sei. Den Entwurf für den Um- und Ausbau übernahm der Architekt Jaques Cellerier (1742–1814), dessen Ausführung aber aufgrund massiven Geldmangels ebenso wie ein ggf. möglicher Neubau vorerst nicht realisiert werden konnte.[1]

Theater im Jahr 1826, Lithografie von Jean Nicolas Ponsart

Nach Abzug der Franzosen und der Übernahme Aachens durch Preußen stand im Jahr 1815 die Theaterfrage erneut zur Debatte. Im Rahmen eines Besuches von Karl Friedrich Schinkel am 12. September 1816 in Aachen wurden ihm die Neubaupläne und die Entwürfe Celleriers zum Umbau des alten Schauspielhauses vorgelegt. In seinem Gutachten empfahl Schinkel zunächst den Umbau, aber nachdem im Juli 1816 König Friedrich Wilhelm III. das Grundstück des ehemaligen Kapuzinerklosters Aachen am Kapuzinergraben der Stadt Aachen übergeben hatte, entschied sich der Stadtrat für den Neubau eines Theaters. Im Zuge der umfangreichen städtebaulichen Veränderungen der Aachener Innenstadt nach Plänen von Adam Franz Friedrich Leydel in den 1820er Jahren wurde der Bauplatz für das Theater im ehemaligen Garten des Kapuzinerklosters ausgewählt. Das neue Theater sollte den Tourismus fördern und nach den Plänen Leydels gleichzeitig den zentralen Ausgangspunkt für eine prachtvolle Verbindungsstraße zwischen dem Aachener und Burtscheider Kurbezirk bilden. Da allerdings Celleriers Plan zu kostspielig war, wurde am 13. Juli 1817 Johann Peter Cremer mit der Anfertigung eines neuen Entwurfes beauftragt. Ergänzt durch Karl Friedrich Schinkel konnte Cremers Entwurf schließlich verwirklicht und das neue Theater Aachen am 15. Mai 1825 mit der Oper Jessonda von Louis Spohr eröffnet werden. In der darauffolgenden Woche wurde hier im Rahmen des Niederrheinischen Musikfestes, welches extra für diese Eröffnungsfeierlichkeiten nach Aachen vergeben wurde, die Neunte Sinfonie von Beethoven zum ersten Mal nach der Uraufführung in Wien aufgeführt. Die Aufführung wurde von 422 Sängern und Musikern bestritten, wobei schwierige Passagen indes ausgelassen wurden. 1829/30 übernahm Karl Fischer die Leitung des Hauses.

Für die musikalischen Darbietungen am Theater Aachen war ein im Jahr 1804 reorganisiertes Harmoniekorps zuständig, welches unter der Leitung eines Musikdirektors stand und aus dem sich 1852 unter Karl von Turanyi das städtische Orchester begründete. Es unterstand zunächst nicht der Theaterleitung, sondern ihm oblagen im Auftrag der Stadt die Gestaltung der gesamten öffentlichen Musikangebote in Aachen wie beispielsweise die Kurkonzerte in der Neuen Redoute oder im Elisengarten. Erst 1920 wurde das Orchester dem Theater Aachen offiziell angegliedert und die Leitung dem Generalmusikdirektor Peter Raabe übertragen, der nun zugleich auch künstlerischer Leiter des Sparte Musiktheater wurde. Der deutsch-national gesinnte Raabe betrachtete das Aachener Musikleben als exemplarisch und es gelang ihm in seiner Eigenschaft als Präsident der Reichsmusikkammer, dass seine in Aachen entwickelten Vorstellungen einer tariflich abgesicherten sinfonischen Monokultur deutschlandweit als sogenanntes Kulturorchestersystem für alle größeren Kommunen von 1938 bis heute Realität blieben.[2]

Die Schauspielsparte des Theaters unterstand von Beginn an den jeweiligen Schauspieldirektoren, welche im Rahmen der organisatorischen Umstellung 1920 zum Intendanten ernannt wurden und ab 1950 als Generalintendanten die Gesamtleitung des Theaters innehatten.

Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurde das Theatergebäude am 14. Juli 1943 bis auf den Portikus und Teilen des Foyers weitgehend zerstört und der Betrieb eingestellt. Erst 1945 wurde mit Kurt Sieder ein neuer Intendant an das Stadttheater Aachen berufen, um den Spielbetrieb neu zu organisieren. Es galt für Sieder, Alternativen für die Probe- und Aufführungsräume zu finden. Die ersten Aufführungen an provisorischen Spielstätten fanden unter anderem in der Stadtbibliothek Aachen statt. Dabei wurde Sieder von einem kleinen Kreis gleichgesinnter Künstler und Künstlerinnen unterstützt. Die anfänglichen Gagen bestanden vorwiegend aus Lebensmitteln, Kaffee oder Tabak. Gleichzeitig wurden Geschäftsleute, Unternehmen und prominente Privatleute um Zuschüsse für den Neuaufbau des Theaters gebeten. Der Wiederaufbau im alten Stil am bisherigen Platz unter Leitung von Baudirektor Philipp Kerz wurde unter anderem mit den Einnahmen eines Benefizkonzertes der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan im Aachener Eden-Palast finanziell unterstützt.

Nach Sieders frühem Tod veranlasste seine Witwe Gerda die Bildung der „Kurt-Sieder-Stiftung“, in die das gesamte Vermögen, einschließlich des Privathauses in Aachen-Brand, einflossen. Diese Stiftung verleiht jährlich den Kurt-Sieder-Preis für herausragende schauspielerische Leistungen an jeweils ein Ensemblemitglied des Stadttheaters sowie des Grenzlandtheaters.  

Generalintendanten nach dem Wiederaufbau

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  • 1950–1968: Paul Mundorf: Erster Generalintendant des Stadttheater Aachen. Nach dem Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Theaters wurde es am 23. Dezember 1951 mit Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner unter der musikalischen Leitung des langjährigen Bayreuth-Dirigenten Karl Elmendorff wiedereröffnet. Die folgenden Aufführungen der Meistersinger fanden danach unter der Leitung des 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft emigrierten ehemaligen musikalischen Oberleiters Aachens, Paul Pella, statt. 1953 ließ Mundorf in der kleinen „Kammer“ eine Experimentierbühne eingerichtet, 1968 trat er in den Ruhestand.
  • 1968–1981: Peter Maßmann, er erreichte, dass das Theater in einen kommunalen Eigenbetrieb umgewandelt wurde.
  • 1981–1983: Manfred Mützel bat während seiner Generalintendanz den Schauspieler und Regisseur Tom Witkowski, alternative Theaterformen und Spielstätten zu entwickeln. Es entstand ein Nachtstudio an unterschiedlichen Stellen des Hauses, darunter in der Dekoration im Großen Haus, im Treppenhaus des Theaterfoyers, im ersten Rang und im Spiegelsaal auf Sitzkissen, welche die Zuschauer mitnahmen und vor dem Eisernen Vorhang. Dabei wurden Studenten und „Nachtschwärmer“ neu an das Theater herangeführt.
  • 1984–1992: Klaus Schultz, leitete als Generalintendant die Bühnen der Stadt Aachen, vergrößerte den Orchestergraben und erneuerte die Bühnentechnik. Er errichtete zudem ein neues Probengebäude und baute die Kammerspiele um. Bereits seit den 1990er Jahren wurde das Theater auf Grund knapper öffentlicher Kassen fast im Jahresrhythmus von Teilauflösungen und/oder Zusammenlegungen bedroht So wurde es beispielsweise 1992 mit einer Sperre des laufenden Theateretats belegt, was zur Folge hatte, dass Orchesterstellen nicht besetzt werden konnten, was sich wiederum auf die Werkauswahl und die Qualität auswirkte. In diesem eskalierenden Streit, zu dem sich auch der Deutsche Bühnenverein mit einer Pressemitteilung äußerte, setzte sich die amtierende Aachener Bürgermeisterin Meike Thüllen (FDP) zusammen mit dem Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD) für den Erhalt des Theaters ein, trat dann jedoch wenig später aus Protest gegen die massiven Kürzungspläne ihres Koalitionspartners CDU von ihrem Amt zurück.
  • 1992–1999: Elmar Ottenthal, ihm wurde neben seiner Generalintendanz die Leitung der Opernklasse an der Aachener Abteilung der Hochschule für Musik und Tanz Köln übertragen und wurde dort zum Professor ernannt. Aufgrund des zunehmenden überregionalen Einzugs- als auch Einsatzgebietes wurde in seiner Zeit das „Stadttheater Aachen“ in „Theater Aachen“ umgetauft.
  • 1999–2001: Claus Schmitz, wurde zunächst kommissarischer Generalintendant und übernahm später die Leitung des Theaters.
  • 2001–2005: Paul Esterházy, lehrte gleichzeitig an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Abteilung Aachen, Musiktheaterregie und leitete die dortige Opernklasse. 2002 wurde ihm von der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik Aachen e. V. für die Pflege der Zeitgenössischen Musik der „Aachener Musikpreis“ verliehen.
  • 2005–2023: Michael Schmitz-Aufterbeck, übernahm das Theater Aachen als Generalintendant und Geschäftsführer. Nach wie vor wurden immer wieder Pläne seitens der Stadtverwaltung verlautbart, wonach das städtische Theater oder einzelne Sparten desselben mit anderen Einrichtungen, vorzugsweise dem Grenzlandtheater Aachen, zusammengelegt oder gar geschlossen werden sollten. Dass dies bisher noch nicht geschehen ist, ist in den letzten Jahren maßgeblich Schmitz-Aufterbeck und dem Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch zu verdanken. Durch ihre Programmgestaltung und die Arbeit eines Ensembles auf hohem Niveau konnten die Zuschauerzahlen kontinuierlich gesteigert und anschließend stabil gehalten werden – ein Erfolg, der den Stadtrat überzeugte, die finanziellen Zuschüsse fortzuführen.
Elmar Ottenthal, Manfred Mützel, Claus Schmitz, Elena Tzavara, Michael Schmitz-Aufterbeck
  • Seit 2023: Elena Tzavara übernahm mit Beginn der Spielzeit 2023/24 die Generalintendanz des Theater Aachen. Ihre Intendanz ist durch eine stärkere Öffnung des Theaters in die Stadtgesellschaft, spartenübergreifende Formate sowie Kooperationen mit Hochschulen und anderen kulturellen Einrichtungen geprägt. Im Gegensatz zu vielen Intendanzwechseln übernahm sie das Haus ohne umfassende personelle Veränderungen in den Ensembles. Tzavara ist zudem Vorstandsmitglied der Kurt-Sieder-Stiftung. Die Spielzeit 2024/25 stand im Zeichen des 200-jährigen Bestehens des Theater Aachen. Aus diesem Anlass lud Tzavara die noch lebenden ehemaligen Generalintendanten zu einer Jubiläumsgala am 15. Mai 2025 ein. Gemeinsam mit Generalmusikdirektor Christopher Ward initiierte sie mehrere Projekte im öffentlichen Raum, darunter das Straßenoratorium Place Publique mit Schorsch Kamerun und einem Bürgerchor (Premiere: 31. Mai 2025) sowie eine Inszenierung von Giuseppe Verdis Ernani, deren Aufführung als „Pilgerreise“ unter Beteiligung des Aachener Karnevalsvereins Öcher Penn bis in den Aachener Dom führte (Premiere: 7. Juni 2025). Begleitend entstanden die Ausstellungen „Bravo! Bravissimo! – 200 Jahre Theater Aachen“ im Centre Charlemagne sowie „Auf die Spitze getrieben. Kostüme aus dem Theater Aachen“ im Couven-Museum.

Architektur des Theatergebäudes

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Das Theater vor dem Umbau (1899)
Das Theater im Zustand nach Heinrich Seelings Umbau
Das Tympanon des Theatergebäudes

Die Grundsteinlegung des Gebäudes fand anlässlich des 25. Thronjubiläums des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. statt und erfolgte am 16. November 1822. Der ursprüngliche Entwurf von Johann Peter Cremer aus dem Jahr 1821 wurde von Karl Friedrich Schinkel, zu dieser Zeit in der Oberbaudeputation in Berlin tätig, insofern bearbeitet, als dass er den von Cremer mit sechs Säulen etwas schmaler geplanten Portikus auf acht Säulen und somit die gesamte Gebäudebreite vergrößerte. Die acht kannelierten ionischen Säulen bestehen aus devonischem Aachener Blaustein. Fünf Stufen führen auf das Prostylos des freistehenden Musentempels mit abgeflachter Apsis an der Rückfront. In diesem Trakt befinden sich unter anderem die organisatorischen, künstlerischen und technischen Bereiche wie die Verwaltung, die Künstlerräume, die Kostümbildner und das Anlieferungsdepot der Dekorationen für das Bühnenbild.

Die Ausgestaltung des Giebelfeldes mit allegorischen Figuren, geht auf eine Idee von Schinkel zurück, die Johann Baptist Joseph Bastiné zeichnerisch umsetzte. Ein 245 cm breites und 102 cm hohes Modell des Giebelfeldes wurde im Sommer 1824 von dem Bildhauer Wilhelm Joseph Imhoff aus Köln angefertigt. Das Giebelrelief am Theater arbeitete er nach diesem Modell innerhalb von vier Monaten aus weichem Mergelstein aus.[3] Im Tympanon sind in der Mitte ein stehender weiblicher Genius mit Flügeln dargestellt, flankiert links von der Muse Melpomene als Symbol der Tragödie und rechts von der Muse Thalia als Symbol für die Komödie. Beide Musen erhalten vom Genius einen Blätterkranz überreicht.

Die Bauausführung lag in den Händen des Aachener Baumeisters Andreas Hansen. Beim Bau der Fundamente nutzte man das Steinmaterial abgebrochener Stadtbefestigungstürme.[4] Der Düsseldorfer Künstler Ludwig Pose war für die malerische Ausschmückung verantwortlich. Dessen Arbeit setzte Jean Nicolas Ponsart, der 1825 ein Engagement als Dekorations- und Bühnenmaler erhalten hatte, fort.

Im Jahre 1893 wurde der Eiserne Vorhang eingebaut und eine elektrische Beleuchtung installiert. In den Jahren von 1900 bis 1901 erfolgten durch den wegen seiner Theaterbauten renommierten Architekten Heinrich Seeling tiefgreifende bauliche Veränderungen.[5] Neben einer Vergrößerung des Bühnenraumes, dem Umbau der Garderoben und der Ausgestaltung des Zuschauerraumes wurde die Schauseite durch Umgestaltung der Aufbauten hinter dem Dreiecksgiebel, insbesondere durch zwei niedrige Ecktürme, erheblich verändert.[6]

Am 4. Juli 1943 wurde das Theatergebäude bei einem Bombenangriff komplett zerstört, nur das vordere Tympanonfeld und der Prostylos blieben erhalten. Nach Kriegsende wurde das Gebäude durch den Baudirektor Philipp Kerz nach alten Plänen von Cremer und Seeling ohne Schinkels Modifizierung wieder aufgebaut. Das ursprünglich dreirangige Haus wurde nun zweirangig. Den Eingang der Mittelloge des ersten Ranges flankieren seit 1951 zwei Steingussreliefs von Helmuth Schepp. Zur Kunst am Bau gehören ferner je zwei BronzebüstenWolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller – im Foyer und auf dem ersten Rang sowie zwei Nixen im rückwärtigen Tympanonfeld.

Die Büste Wolfgang Amadeus Mozarts wich in den 80er-Jahren der Büste von Herbert von Karajan. Die bis ins Jahr 2023 verschollene Büste Mozarts wurde im November 2023 wieder an ihrem Originalplatz aufgestellt. Die Büste Herbert von Karajans wurde an das Centre Charlemagne – Neues Stadtmuseum Aachen für die 2025 stattfindende Ausstellung anlässlich des 200. Jubiläums des Theater Aachen übergeben, um die Position Herbert von Karajans als Generalmusikdirektor von 1935 bis 1942 in Aachen und seine Beziehung zum Nationalsozialismus zu beleuchten.

Nach der über dem Hauptportal angebrachten lateinisch-griechischen Inschrift Musagetae Heliconiadumque Choro („Dem Dirigenten und dem Chor der Helikoniaden“) ist es dem Apoll (Musenführer) und dem Chor der Musen des Helikon gewidmet.

Die römischen Zahlen auf der Rückfront MDCCCCL (1950) verweisen auf den Abschluss der Wiederherstellung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Künstlerische Gestaltung

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In den mehr als 190 Jahren war das Theater Aachen Station für viele bedeutende Künstler und für einige von ihnen der Anfangspunkt ihrer weiteren Karriere. Darunter zählen unter anderem die Dirigenten Leo Blech (1893–1899), Fritz Busch (1912–1918), Herbert von Karajan (1935–1942), Albert Lortzing (1818–1826), Wilhelm Pitz (1918–1951), Paul van Kempen (1942–1946), Wolfgang Sawallisch (1946–1953), Wilhelm Schüchter (1941–1943) und Wolfgang Trommer (1961–1974), die Sänger Elisabeth Grümmer, Tiana Lemnitz (Gerstung-Lemnitz – 1922–1929), Ludwig Suthaus (1928–1932), Irmgard Seefried (1939–1943), Margarete Teschemacher (1925/26) und die Schauspieler Willy Birgel (1919–1924), Hansjörg Felmy (1953), Jürgen Prochnow (1968–1970), Tom Witkowski (1979–1985), Heinrich Schafmeister, Sophie von Kessel (1992) sowie die Regisseure Max Ophüls (1921–1923) und Hans Schalla.

Geprägt von der künstlerischen Vorliebe der jeweiligen Generalintendanten und Generalmusikdirektoren finden sich im Spielplan des Theaters Aachen die großen Werke klassischer Schauspiel- und Musiktheaterliteratur. Maßgeblich eingeschränkt wurde dieser Spielplan zwischen 1931 und 1945 durch die nationalsozialistischen Machthaber, die es für angebracht hielten, mehrheitlich Musikwerke deutschstämmiger Komponisten aufführen zu lassen und zugleich Werke jüdischer und einiger modernistischer Komponisten wie beispielsweise Felix Mendelssohn Bartholdy und Paul Hindemith verboten. Besonders der zum Staatskapellmeister ernannte und der NSDAP beigetretene Herbert von Karajan sorgte während seiner Zeit am Theater Aachen für ein entsprechend opportunes Programm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte wieder ein normaler Spielplan ohne Einschränkungen aufgestellt werden. Unter dem Generalintendanten Paul Mundorf und dem Generalmusikdirektor Wolfgang Sawallisch kam es darüber hinaus im Jahr 1956 mit den Aufführungen von Wagners Oper Der fliegende Holländer am Königlichen Theater in Lüttich und ein Jahr später Mozarts Die Entführung aus dem Serail in Antwerpen in Anwesenheit von König Baudouin I. auch wieder zu ersten erfolgreichen Auftritten des Theater Aachens im Ausland. Wurden bis zur Berufung von Klaus Schultz zum Generalintendanten überwiegend die bekannten klassischen Standardwerke dargeboten, legte dieser nun seine Schwerpunkte auf die Aufführungen zeitgenössischer Theater- und Musikproduktionen aus dem 20. Jahrhundert. Unter seinem Nachfolger Elmar Ottendahl traten dann dem Zeitgeschmack entsprechend die Musicals in den Vordergrund. Große Beachtung erhielt hierbei unter anderem die Uraufführung des Musicals Gaudí von Eric Woolfson am 9. Oktober 1993, das Ottenthal mit seinem Ensemble für längere Zeit auch in dem eigens dafür erstellten Musical Dome in Köln darbot. Ein Höhepunkt der Uraufführungspraxis fand anschließend unter Paul Esterházy statt, der in seinen fünf Dienstjahren acht zeitgenössische Musiktheaterwerke vorstellte, darunter alleine vier Werke von Klaus Lang.

Seit der Übernahme der Generalintendanz durch Elena Tzavara zur Spielzeit 2023/24 wurde die Öffnung des Theater Aachen zur Stadtgesellschaft weiter ausgebaut. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Vermittlung und Partizipation, der neben klassischen theaterpädagogischen Angeboten auch Workshops, Einführungen, Nachgespräche, Spielclubs, Kooperationen mit Schulen und Hochschulen sowie partizipative Projekte umfasst. In Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen entstand unter anderem der Theaterclub „House of Drama“ im Rahmen des Projekts „Leonardo“. Zudem wurden inklusive Vermittlungsformate wie Angebote in Einfacher Sprache, Audiodeskription und weitere niedrigschwellige Zugänge entwickelt.

Das Sinfonieorchester Aachen tritt regelmäßig außerhalb des traditionellen Konzertbetriebs auf. Zu den etablierten Formaten gehören unter anderem „Pferd & Sinfonie“ im Rahmen des CHIO Aachen sowie die Open-Air-Konzertreihe „Kurpark Classix“.

Die Zusammenarbeit mit kulturellen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Partnern wurde unter der Intendanz Tzavaras intensiviert. Neben Kooperationen innerhalb der Aachener Kulturlandschaft entstanden Projekte mit Institutionen wie der RWTH Aachen sowie mit Festivals und überregionalen Kulturveranstaltern. Die Jubiläumsspielzeit zum 200-jährigen Bestehen des Theater Aachen 2024/25 verband historische Rückblicke mit neuen Formen der Zusammenarbeit im öffentlichen Raum, darunter das Straßen-Oratorium „Place Publique“ und die besondere Jubiläumsinszenierung von Giuseppe Verdis „Ernani“.

Das Theater Aachen wird durch mehrere Fördervereine unterstützt. Eine zentrale Rolle nimmt die Theaterinitiative Aachen e. V. ein, die sich seit 2006 als Förderverein für die ideelle und materielle Unterstützung des Hauses engagiert. Gemeinsam mit dem Theater Aachen initiierte sie 2009 das Programm „Erste Schritte“, mit dem junge Künstlerinnen und Künstler durch Stipendien beim Einstieg in den Beruf gefördert werden. Das Programm richtet sich spartenübergreifend an Nachwuchskünstlerinnen und -künstler. Darüber hinaus unterstützt die Theaterinitiative besondere Produktionen sowie das Projekt „Theater für alle“, das gemeinsam mit sozialen Einrichtungen Menschen den Zugang zum Theater ermöglicht. Auch die Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde zu Aachen e. V., gegründet 1924, fördert das kulturelle Leben der Stadt und unterstützt insbesondere die Arbeit des Sinfonieorchesters Aachen.

Die Produktionen des Theater Aachen werden zunehmend auch überregional wahrgenommen. Die Schauspielproduktion „Unser Deutschlandmärchen“ nach dem Roman von Dinçer Güçyeter in der Regie von Antigone Akgün wurde 2024 zum Festival „Radikal jung“ am Münchner Volkstheater eingeladen[7]. Mit „Blutbrot“ von Miriam Unterthiner brachte das Theater Aachen 2025 eine Uraufführung eines mehrfach ausgezeichneten Dramas heraus[8]; die Produktion wurde in der Folge in den überregionalen Festivalbetrieb eingeladen[9]. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Zusammenarbeit mit den Schwetzinger SWR Festspielen bei der Uraufführung der Oper „Malina[10] nach dem gleichnamigen Roman von Ingeborg Bachmann. Das Auftragswerk von Karola Obermüller und Peter Gilbert entstand im Bachmann-Jahr 2026 in Kooperation mit dem Theater Aachen und wurde bei den Schwetzinger SWR Festspielen uraufgeführt. Die Produktion wurde unter anderem vom SWR und regionalen Medien ausführlich begleitet.

Künstlerische Leitung

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Von der Stadt eingesetzte private Direktoren (bis 1920)

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Intendanz (ab 1920) / Generalintendanz (ab 1950)

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Generalmusikdirektoren

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  • Alfons Fritz: Zur Baugeschichte des Aachener Stadttheaters. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsverein, Bd. 22 (1900). Kaatzer, Aachen 1900.
  • Alfons Fritz: Theater und Musik in Aachen seit dem Beginn der preussischen Herrschaft. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins (ZAGV), Bd. 39 (1917), S. 1–154.
  • Alfons Fritz: Stadttheater Aachen. Amtliche Festschrift zur Hundertjahr-Feier des Aachener Stadttheaters 1925. LaRuelle, Aachen 1925.
  • Alfons Fritz: Die Entwicklung der Aachener Stadtmusik vom städtischen Harmoniekorps zum städtischen Orchester (1721–1852) und ihre Beziehungen zur Münstermusik. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins (ZAGV), Bd. 48/49 (1926/27), S. 121–189.
  • Klaus Schulte, Peter Sardoč: 150 Jahre Stadttheater Aachen in Fotos und Dokumenten. Aachen 1975.
  • Klaus Schulte, Peter Sardoč: Von Ringelhardt bis Mundorf. Künstler und Persönlichkeiten des Aachener Stadttheaters. Aachen 1977.
  • Stadt Aachen (Hrsg.): Daten der Aachener Musikgeschichte. Aachen 1993 (Digitalisat).
  • Klaus Schulte, Peter Sardoč: Herbert von Karajan. Seine Karriere begann in Aachen. Eine Dokumentation zum 100. Geburtstag. Trier 2008.
  • Klaus Schulte, Peter Sardoč: Zum Geburtstag des Führers Fidelio. Das Aachener Theater unter dem Hakenkreuz. Trier 2010.
  • Klaus Schulte, Peter Sardoč: Theater in Ruinen. Mainz, Aachen 2012.
  • Klaus Schulte, Peter Sardoč: Wir waren verrückt nach Theater. Zeitzeugen erinnern sich an die Anfangsjahre des Aachener Kultur- und Theaterlebens nach dem Zweiten Weltkrieg. Mainz, Aachen 2013.
  • Karl Faymonville u. a.: Die Kunstdenkmäler der Stadt Aachen. Die profanen Denkmäler und die Sammlungen der Stadt Aachen (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. 10, Abt. 3). Schwann, Düsseldorf 1924.
  • Klaus Schulte, Peter Sardoč: Medea auf dem Lousberg. Die vergessene Geschichte der Freilichtbühne auf dem Lousberg. Mainz, Aachen 2014.
  • Klaus Schulte, Peter Sardoč: Eiserne Zeiten. Das Aachener Theater- und Kulturleben im Ersten Weltkrieg. Mainz, Aachen 2014.
  • Lutz Felbick (Hrsg.): Tonarten einer Stadt – eine Zeitreise durch die Aachener Musikgeschichte (= Schriftenreihe Sammlung Crous, Bd. 11). Aachen 2018, ISBN 978-3-9817499-4-6 (Autoren: A. Beaujean, L. Felbick, N. Jers, H. Leuchter und T. Mengler).
  • Lutz Felbick: Aachen. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Sachteil, Band 1 (Aachen – Bogen). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 1994, ISBN 3-7618-1102-0 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)
  • Viktoria Walmrath (Hrsg.). Bravo! Bravissimo! 200 Jahre Theater Aachen. Wienand-Verlag 2025. ISBN 978-3-86832-845-5
Commons: Theater Aachen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. T. R. Kraus: Auf dem Weg in die Moderne – Aachen in französischer Zeit 1792/93, 1794–1814. Aachen 1994, S. 610.
  2. Lutz Felbick: Das „hohe Kulturgut deutscher Musik“ und das „Entartete“ – über die Problematik des Kulturorchester-Begriffs, in: Zeitschrift für Kulturmanagement, 2/2015, S. 29–59.
  3. Karl Faymonville, Joseph Laurent, Richard Pick, Max Schmid-Burgk: Die Kunstdenkmäler der Stadt Aachen. Bd. 3, 2 Die profanen Denkmäler und die Sammlungen der Stadt Aachen. Schwann, Düsseldorf 1924, S. 814.
  4. KD III, S. 198/814.
  5. Holger A. Dux: Aachen von A bis Z. Aschendorff, Münster 2003, ISBN 3-402-05465-5, S. 384.
  6. Holger A. Dux: Aachen – so wie es war. Droste, Düsseldorf 2011, S. 102: „Die Vorhalle wurde durch den dahinterliegenden Portikus mit den seitlichen kleinen Türmen, im Volksmund als Eselsohren bezeichnet, selbst zu einer Kulisse degradiert.“
  7. Yvonne Poppek: Was das Theaterfestival „Radikal jung“ 2025 zu bieten hat. 18. April 2025, abgerufen am 13. Juli 2026.
  8. KLEIST-FÖRDERPREIS 2025 – KLEIST-FESTTAGE. Archiviert vom Original am 30. Januar 2025; abgerufen am 13. Juli 2026.
  9. Felix Müller: Und verschlucke unsere Schuld: „Blutbrot“. 7. Juni 2026, abgerufen am 13. Juli 2026.
  10. Oper „Malina“ in Schwetzingen uraufgeführt. 28. April 2026, abgerufen am 13. Juli 2026.

Koordinaten: 50° 46′ 21″ N,  5′ 14″ O