Titanic (1943)
| Film | |
| Titel | Titanic |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 1943 |
| Länge | 89 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Herbert Selpin, Werner Klingler |
| Drehbuch | Herbert Selpin, Walter Zerlett-Olfenius |
| Produktion | Willy Reiber |
| Musik | Werner Eisbrenner |
| Kamera | Friedl Behn-Grund |
| Schnitt | Friedel Buckow |
| Besetzung | |
| |
Titanic ist ein deutscher Propagandafilm aus dem Jahr 1943 von Herbert Selpin,[2] fertiggestellt von Werner Klingler, der vom Untergang des Transatlantik-Liners Titanic im Jahr 1912 erzählt. In den Hauptrollen agieren Sybille Schmitz, Hans Nielsen, Kirsten Heiberg, Ernst Fritz Fürbringer und Karl Schönböck.
Der Film richtete sich gegen die britische Elite, die aus Gewinnsucht das Schiff mit überhöhter Geschwindigkeit in ein Gebiet mit Eisbergen habe fahren lassen. Weil der Film das deutsche Publikum an die Schrecken im Krieg erinnern konnte, ließ Propagandaminister Goebbels ihn nicht mehr in deutschen Kinos zeigen. In der Bundesrepublik sah man erst 1950 eine gekürzte Fassung.
Entstehung des Films
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda forderte 1939 von den Filmstudios die Entwicklung antibritischer Stoffe. 1940 legte die Tobis Filmkunst GmbH ein Drehbuch nach dem Roman von Josef Pelz von Felinau vor, das der Autor und Werner Bergold verfasst hatten. Die Erzählung beruht auf den Aussagen von Max Dittmar Pittmann, der behauptete, Dritter Offizier auf der Titanic gewesen zu sein. Pelz von Felinau gab an, sich selbst auf der Carpathia befunden zu haben, was er aber später widerrief. Da Propagandaminister Joseph Goebbels umfangreiche Änderungen forderte, stieg Pelz von Felinau wieder aus dem Projekt aus.
1941 legte dann der Erziehungswissenschaftler August Christian Riekel unter dem Pseudonym Harald Bratt ein neues Drehbuch vor, das jedoch von der ursprünglichen Version stark abwich. Für die Regie war Herbert Maisch angekündigt. Dieser lehnte aber ab, da er mit anderen Projekten beschäftigt war. Andere Quellen behaupten, Maisch habe der plumpe Drehbuchentwurf missfallen. Weitere Regisseure lehnten ebenfalls ab, weil sie sich die Darstellung eines Katastrophenfilms unter diesen Vorgaben nicht zutrauten. Am Ende fiel die Entscheidung auf Herbert Selpin. Ausschlaggebend soll dabei gewesen sein, dass Selpin bereits Erfahrungen mit maritimen Filmen hatte. Er hielt das Drehbuch von Harald Bratt allerdings für unzureichend und verlangte, seinen Freund Walter Zerlett-Olfenius hinzuzuziehen. Selpin und Zerlett-Olfenius überarbeiteten das Drehbuch erneut. Selpin veranschlagte 87 Drehtage, was selbst für große Hollywood-Produktionen ein sehr hoher Maßstab gewesen wäre. Für die Produktion wurden vier Millionen Reichsmark (2016 ca. 17 Millionen Euro[3]) bereitgestellt.
Die Dreharbeiten gestalteten sich von Anfang an schwierig und waren von „verhängnisvollen Zwischenfällen“ überschattet. Bereits während der Dreharbeiten in Gotenhafen kam es zu „Ausschreitungen, Trinkexzessen und Streitereien“. Zurückzuführen war das auch darauf, dass man mit jeder Menge Komparsen zusammenarbeiten musste, die keine Erfahrung in der Filmarbeit hatten.[4]
Handlung
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Zu Beginn des Films spricht J. Bruce Ismay vor den Aktionären der White Star Line. Er berichtet von unvorhergesehen Zwischenfällen, welche den Bau des größten Schiffes der Welt teurer als geplant gemacht hätten. Man habe große Kredite aufnehmen müssen. In kleinerer Runde erklärt Ismay, dass er den Kursverfall der Aktie gelassen sehe. Man solle sogar Anteile verkaufen, um den Fall noch anzutreiben. Später könne man die Aktien wieder billig aufkaufen.
Auf der Titanic, im Festsaal, verspricht Ismay dem Kapitän Smith eine Prämie, wenn die Titanic planmäßig in New York ankommt. Für jede früher geschaffte Stunde erhalte er je weitere 1000 Dollar. Ismay lässt eine geheimnisvolle Frau an seinen Tisch bitten, die große Reichtümer in Russland habe. Am Tisch sitzt bereits Gloria, die Frau, die er später heiraten wolle. Die große Treppe zum Festsaal kommen weitere Gäste herab, darunter John Jacob Astor und dessen Frau. Ismay hält im Ballsaal eine Rede und informiert, dass die Titanic mit 46.000 Tonnen das größte Schiff der Welt sei, dass sie nach Meinung der britischen Fachwelt das sicherste sei, und es sei auch das schnellste. Im Moment fahre sie 26,5 Seemeilen, das sei Weltrekord. Umgehend eilen Ismays Kollegen zum Telegrafen-Büro, um Aktien aufzukaufen. Die übrigen Gäste stehen zur britischen Nationalhymne auf.
Ein Offizier verspricht den Männern im Kesselraum einen Bonus, wenn die Geschwindigkeit beibehalten wird. Danach unterhält sich der deutsche Offizier an Bord, Petersen, mit einem Kollegen. Petersen klagt, dass die hohe Geschwindigkeit die Maschinen ruinieren werde.
Im Funkraum besprechen sich währenddessen die beiden Funker, die zunächst die Nachricht des Präsidenten Ismay an die Presse funken, dass die Titanic mit Rekordgeschwindigkeit fahre. Sie haben bereits die Telegramme in den Händen, mit denen 450.000 Aktien gekauft werden sollen.
An einem späteren Tag reißt der ältere Funker, Phillips, ein Kalenderblatt ab: Es ist Sonntag, der 14. April. Tags darauf, so der Funker, werde man in New York ankommen. Ismay streitet währenddessen mit seinen Kollegen über die Aktie, da die Kurse noch nicht steigen. Ismay bekräftigt, dass der Titanic das Blaue Band sicher sei.

Die Zuschauer erfahren, dass Astor hinter der fallenden Aktie steht, der weiterhin Anteile verkauft. So will Astor an die Titanic kommen, ein Wert, der ihm auch Macht einbringen werde. Astor weicht der Frage seiner jungen Frau Madelaine aus, ob er sie oder seine Geschäfte mehr liebe. Ismay sucht Gloria auf und beklagt, dass der Kurs nicht steigt, während Astor versucht, Lord Douglas in seine Geschäfte zu verwickeln.
Petersen verabschiedet sich von der Brücke gen Bar, wie er dem Offizier Lightoller meldet. Lightoller und ein Kollege unterhalten sich über den einzigen deutschen Offizier an Bord; dieser fahre nur mit, weil ein Engländer kurzfristig krank geworden sei.
Gloria spricht den Offizier Petersen an. Sie kennen einander von einer früheren Reise. Sie hat erfahren, dass Passagiere den Maschinenraum nicht betreten dürfen, und so verlangt sie von Petersen, ihr den Maschinenraum zu zeigen. Gloria sorgt bald darauf dafür, dass Ismay Petersen anweist, sie in den Maschinenraum zu führen.
Ein Offizier besucht den Funkraum, wo er von Funker Philipps eine weitere Eiswarnung erhält. Der Offizier weist den Funker an, alles andere zurückzustellen und weitere Eiswarnungen zu erhalten. Mit dem hinzugekommenen Petersen stellt der Offizier fest, dass man in ein Gebiet mit Treibeis fahre. Auch sei die Temperatur weiter gefallen. Petersen sucht den Kapitän auf und berichtet, dass er die Geschwindigkeit habe drosseln lassen und den Kurs ändern werde. Der anwesende Ismay beschwert sich darüber, denn die Titanic sei unsinkbar, und man werde einen Eisberg ja wohl rechtzeitig entdecken. Ismay befiehlt dem Kapitän, mit voller Geschwindigkeit weiter zu fahren. Petersen warnt, dass im Fall einer Katastrophe die Rettungsboote nicht annähernd für die 2000 Menschen an Bord ausreichen werden. Ismay wirft Petersen vor, kein Interesse am Blauen Band zu haben. Smith unterwirft sich dem Willen Ismays.

Nachts erhält Smith auf der Brücke eine Nachricht von der Baltic, mit dem dringenden Rat, langsamer zu fahren. Smith wirft die Nachricht auf den Boden. Er erklärt den anwesenden Offizieren, dass die Titanic bei der Höchstgeschwindigkeit bleibe.
Die geheimnisvolle Frau, Sigrid Olinsky, erhält ein Telegramm: Ihr Vermögen in Russland sei eingezogen worden. Ismay will sie in der Hoffnung aufsuchen, an ihr Geld zu gelangen. Zuvor aber sucht Petersen Olinsky in ihrer Kabine auf, obwohl das Offizieren verboten ist. Er bittet sie, mit ihrem Geld auf Ismay Einfluss zu nehmen, so dass die Titanic langsamer fahren wird. Sie lehnt ab, sie könne ihm jetzt nicht mehr helfen.
Im Festsaal spricht Olinsky Ismay darauf an, dass die Titanic durch ein gefährliches Eisgebiet fahre. Ismay lehnt eine Navigationsänderung ab. Petersen bittet im Festsaal auch Gloria, auf Ismay Einfluss zu nehmen. Sie nimmt ihn nicht ernst.
Astor spricht im Festsaal Ismay an: Im April sei Eisgefahr in dieser Gegend. Ismay unterstellt Astor, dass es diesem wohl angenehm sei, wenn die Titanic langsamer fährt. Astor zweifelt an, dass eine Rekordfahrt Ismay retten werde.
Der Ausguck meldet Eis voraus, die Offiziere auf der Brücke lassen Scheinwerfer einschalten. Der Befehl „Ruder hart Backbord“ wird gegeben. Wegen einer kaputten Kurbel könne der Scheinwerfer nicht eingesetzt werden. Da streift die Titanic den Eisberg, und Wasser dringt ein. Auf der Brücke meint ein Offizier, es sei alles gut gegangen, sonst hätte die „Zentrale“ schon längst etwas anderes gemeldet. Petersen geht trotzdem nach unten, um sich zu vergewissern. Petersen erfährt von Wassereinbruch im Kesselraum; die Männer im Maschinenraum entscheiden, die Maschinen zu stoppen.
Petersen holt im Festsaal den Kapitän ab; beide eilen zur Brücke. Während im Festsaal weitergetanzt wird, haben die einfachen Passagiere bemerkt, dass die Maschinen nicht mehr laufen. Sie machen sich voller Sorgen zum Kapitän auf. Im Festsaal konfrontieren sie die reichen Passagiere mit der Situation.
Auf der Brücke erfährt Smith, dass die Titanic vom Bug bis zur Kommandobrücke aufgeschlitzt sei. In zwei Stunden würden die Propeller in die Luft ragen. Smith weist den anwesenden Funker Philipps an, das Notsignal CQD zu senden: Die Titanic sei beschädigt und erbitte dringend Hilfe. Dem Ersten Offizier Petersen befiehlt Smith, die Passagiere mit der Erklärung zu beruhigen, Treibeis habe ein Schiffsmanöver erforderlich gemacht. Als die Passagiere des Zwischendecks dies im Festsaal von Petersen hören, gehen sie wieder zurück, und die reichen Passagiere tanzen weiter.
Unterdessen stellt ein Passagier in seiner Kabine Wassereinbruch fest. Astor erfährt von seinem Assistenten Hopkins, dass der Funkraum keine Telegramme mehr aufnehme. Astor vermutet dahinter eine List von Ismay.
Der Kapitän weist die Offiziere auf der Brücke an, den Passagieren Rettungswesten auszuteilen. Man solle ihnen sagen, dass es sich um ein Manöver handele. Erst auf ein Sirenensignal hin sollten sie in die Rettungsboote geführt werden. Frauen und Kinder zuerst. Petersen solle die wichtigsten Passagiere zuerst informieren.
Astor vermisst die Schmuckkassette seiner Frau. In einem angespannten Gespräch erklärt Astor seiner Frau, dass Douglas bankrott sei. Astor unterstellt ihr, dass sie ihrem Liebhaber Douglas die Schmuckkassette gegeben habe. Sie werden von Petersen unterbrochen, der ihnen sagt, wegen eines Manövers sollten sie vorsorglich Rettungswesten anlegen. Astor weist darauf hin Hopkins an, seine Frau zum Bootsdeck zu begleiten.
Petersen informiert in gleicher Weise Passagiere, denen er auf dem Gang begegnet; dem Schiffseigner Ismay hingegen erklärt er, dass die Titanic sinke. In wenigen Stunden würden ein paar tausend Menschen Ismays wegen zugrunde gehen. Die Rettungsboote würden für höchstens ein Drittel der Passagiere ausreichen. Ismay verlangt die Reservierung eines Rettungsbootes für sich und bietet ihm 10.000 Dollar, aber Petersen nimmt keine Befehle von ihm entgegen. Ismay streitet sich auch mit Gloria, die Angst vor dem Untergang hat.
Ein Offizier erklärt einer Menschenmenge: alle Männer auf die Steuerbordseite, Frauen und Kinder auf die Backbordseite. Die Menge wird unruhig, die Crew sorgt für die Durchführung des Befehls. Frauen und Kinder erhalten Schwimmwesten und werden zum Deck geführt.
Petersen unterbricht den Tanz im Festsaal und ruft die Passagiere auf, sich mit Schwimmwesten zu den Rettungsbooten zu begeben, einer Übung wegen. Nur Sigrid Olinsky erfährt von Petersen die Wahrheit. Er wirft ihr vor, ihren Reichtum nicht dafür verwendet zu haben, auf Ismay Einfluss zu nehmen. Es seien 3000 Menschen an Bord, und die Rettungsboote hätten Platz für nur ein paar Hundert. Olinsky eröffnet Petersen, dass sie nicht mehr reich sei, und dass sie durchaus mit Ismay gesprochen habe. Petersen führt sie an Deck.
Unter Deck bricht eine Panik aus, als einige Männer die Crew mit Stühlen bewerfen. Die Menschen eilen tumultartig die Treppe herauf. Zurück bleibt nur ein Liebespaar.
Der Passagier Henry sucht seinen Freund Bobby und lässt seine Freundin allein zu den Booten gehen. Henry befreit Bobby und einen weiteren Passagier aus einer Kabine.
An Deck gibt Gloria sich als Frau zu erkennen, die zu Ismay gehört, und verlangt einen Platz im Rettungsboot, den sie umgehend erhält.
Smith auf der Brücke erfährt, dass das Orchester in Zivil angetreten sei, um die Passagiere zu beruhigen, Smith erteilt den Befehl zum Spielen. Smith erfährt sogleich, dass acht Schiffe sich auf den Weg machen würden, von ihnen sei die Carpathia mit 68 Seemeilen am nächsten. Smith schließt aus der Angabe, dass die Carpathia erst in fünf Stunden da sein werde.
Petersen lässt Olinsky auf dem Deck zurück und gibt ihr seine Uniformjacke. Petersen sieht auf der Brücke, die Lichter eines Schiffes backbord voraus und macht den Kapitän und Murdoch darauf aufmerksam. Smith schickt Petersen zur Funkkabine, Philipps solle Funkkontakt aufnehmen. Smith erhält später die Rückmeldung von seinen Offizieren, dass es keine Antwort gebe. Es handele sich wohl um einen alten Frachter ohne Funkanlage. Daraufhin befiehlt Smith Petersen, Notraketen abzuschießen. Man sieht, wie eine Rakete abgeschossen wird, und daraufhin in rascher Folge mehrere Raketen in der Luft.
Smith wirft dem wieder herbeieilenden Petersen vor, weiße Raketen abgeschossen zu haben. Petersen erklärt, dass keine roten an Bord seien und beschwert sich über die Verantwortungslosigkeit an Bord. Ein anderer Offizier meint, die Farbe sei egal, Hauptsache, sie werden gesehen.

Auf dem Frachter Californian beobachtet der dortige Kapitän die Raketen; da sie weiß sind, hält er sie nicht für Notsignale. Seinem Offizier sagt der Kapitän, man hätte ihn schlafen lassen können. Der Offizier fragt, warum das Schiff weiße Raketen abfeuere. Der Kapitän entgegnet, dass es sich nur um die Titanic handeln könne, die wohl feiere, dass sie schon vor nächsten Mittag in New York ankommen werde. Die Californian solle ihren Kurs beibehalten.
Smith sieht auf der Titanic, dass der Frachter davonfährt. Petersen solle sich weiter um die Rettungsaktionen kümmern.
Das Liebespaar ist auf Deck. Krankenschwestern führen Kinder zu den Booten. Auch Olinsky übernimmt Führung und sorgt dafür, dass Frauen und Kinder ins nächste freie Boot gelangen.
Astor und Ismay unterhalten sich allein in einer Kabine. Ismay eröffnet Astor, dass das Schiff in weniger als einer Stunde sinken werde. Ismay werde Astor einen Platz im Rettungsboot besorgen, aber nur, wenn Astor ihn als Präsidenten der White Star Line im Amt behalten werde. Der erschrockene Astor nimmt das Angebot an. Hopkins unterbricht sie: Es werde oben auf Männer geschossen, die in die Rettungsboote wollen, denn es gelte: Frauen und Kinder zuerst. Astor zieht sein Angebot zurück und versucht, jemandem den Platz im Rettungsboot abzukaufen. Auf seinem Weg trifft Astor den Lord Douglas und erhält von diesem die Schmuckkassette. Douglas erklärt, dass er einen Dieb damit erwischt habe. Astor erkennt, dass er seiner Frau Unrecht angetan hat.

Das Liebespaar muss sich trennen: Hedy wird von Olinsky in ein Boot geführt. Olinsky sieht Petersen, der ihr befiehlt, ins Boot zu steigen und sich um die Leute darin zu kümmern.
Ismay verspricht auf der Brücke Smith, dass diesem keine Nachteile aus der Katastrophe erwachsen werden, sollte Ismay gerettet werden. Smith entgegnet, dass er geglaubt habe, dass die Weltordnung Ismay und seine Leute über sie gesetzt habe. Er habe seinen Befehlen Folge geleistet, er habe sich geirrt. Er könne auch nichts für die Rettung von Ismay unternehmen. Petersen kommt und sagt dem zeternden Ismay, er werde sich für die Rettung von Ismay einsetzen, damit Ismay sich vor dem See-Amt verantworten müsse.
Nachdem die Abfahrt des letzten Rettungsbootes berichtet worden ist, entbindet Smith die Offiziere auf der Brücke von ihrer Pflicht. Smith geht auch nach draußen und gibt der Crew die Losung aus: Rette sich wer kann.

Das Liebespaar John und Anne ist noch auf dem Deck. Während er Schwimmwesten holen will, wird sie von einer Menge mitgerissen. Eine alte alleinstehende Dame erfährt, dass das letzte Boot gefiert worden ist. John sucht mit den Schwimmwesten Anne, die ihn wiederum unter Deck sucht. Dort wird die gestürzte Anne von Henry und Bobby gefunden und nach oben gebracht. John springt ins Wasser, wo er Anne vermutet. Auch andere Passagiere stürzen sich von Bord. Manche können ein Rettungsboot erreichen. Ein letztes Rettungsboot, das noch gefiert werden muss, stürzt in die Tiefe. Verzweifelte bemühen sich, in ein Rettungsboot zu steigen.
Der ältere Funker, Philipps, lässt Brede die Funkkabine verlassen und funkt weiter. Unter den Klängen von „Näher, mein Gott zu dir“ holt Philipps den Kanarienvogel aus seinem Käfig und lässt diesen aus dem Fenster davonfliegen.
Petersen findet in einer Kabine ein zurückgelassenes Mädchen, das nach seiner Mutter ruft. Petersen bringt es nach oben und schwimmt mit dem Kind zu einem Rettungsboot. Er erreicht das Rettungsboot mit Olinsky. Derweil steigt das Heck der Titanic nach oben, das Schiff beginnt zu sinken. Auf dem Rettungsboot sehen Olinsky und Petersen, wie die Titanic untergeht.
Später steht Petersen vor dem See-Amt und zeigt auf Ismay, dem er die Schuld am Unglück zuschreibt. Reporter sprechen über John als dem Mann, der sein Gedächtnis verloren habe; Anne ist im Saal anwesend und läuft schreiend auf ihn zu.
Der Untersuchungsausschuss kommt nach seiner Beratung zurück in den Saal und verkündigt sein Urteil. An Bord eines Schiffes habe nur der Kapitän die Befehlsgewalt, daher trage nur der Kapitän die Verantwortung. Dieser sei aber nicht mehr unter den Lebenden. Der White Star Line könne kein Vorwurf gemacht werden. Auch Präsident Ismay habe keine Fehler gemacht, er werde freigesprochen.
Eine Bildtafel sagt am Ende: „Der Tod von 1500 Menschen blieb ungesühnt, eine ewige Anklage gegen Englands Gewinnsucht.“
Produktion und Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Regisseur des Films, der vierzigjährige Herbert Selpin, wurde noch während der Dreharbeiten am 31. Juli 1942 verhaftet, nachdem er sich im privaten Kreis beim Abendessen kritisch über die Wehrmacht und den Krieg geäußert hatte; Walter Zerlett-Olfenius hatte ihn denunziert. Selpin wurde am 1. August in seiner Zelle im Polizeipräsidium Alexanderplatz mit den Hosenträgern erhängt aufgefunden. Ob es sich wirklich um Selbstmord oder Mord durch die Gestapo gehandelt hat, konnte nie aufgeklärt werden.[5][6] Goebbels schrieb dazu in sein Tagebuch: 1. August 1942: „Selpin hat sich in seiner Zelle umgebracht. Er kam zu der Entscheidung, die das Gericht auch gefällt hätte.“ Der Film wurde auf Anordnung von Goebbels von Werner Klingler fertiggestellt.
Die Szenen im Film, die in der Nacht des Untergangs spielen und das Bootsdeck der Titanic zeigen, entstanden an Bord der Cap Arcona im Hafen von Gdynia (dem damaligen Gotenhafen).[7][8][9] Dieses deutsche Schiff sank am 3. Mai 1945 tatsächlich, nachdem es von alliierten Bombern in der Lübecker Bucht getroffen worden war; mehrere tausend an Bord befindliche KZ-Häftlinge wurden dabei getötet.
Veröffentlichung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kriegslage hatte sich nach der Fertigstellung des Films 1943 so ungünstig für Deutschland entwickelt, dass Joseph Goebbels defätistische Wirkungen befürchtete und das Werk nicht für deutsche Kinos freigab (vgl. Liste der im Nationalsozialismus verbotenen Filme). Der Autor und Kritiker Karlheinz Wendtland führte allerdings aus, dass es sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen lasse, ob der Film vor Kriegsende tatsächlich in Deutschland gelaufen sei oder nur fürs Ausland freigegeben worden war. Goebbels habe jedoch zweifelsohne erkannt, dass von dem Film eine „Untergangsstimmung“ ausgehe.[4] Ein Schiffsuntergang hätte von deutschen Filmzuschauern nur allzu leicht mit dem bevorstehenden Untergang des Deutschen Reiches assoziiert werden können, sodass der Film dann erst 1950 in den westdeutschen Kinoverleih kam. Die Fassung war gekürzt, wodurch die Handlung teilweise nicht mehr nachvollziehbar war, dennoch war der Film erfolgreich.[10]
Nach anderen Quellen soll der Film in einem Berliner Bezirkstheater ohne viel Aufsehen uraufgeführt worden sein.[4] Nach einem Verbot der Alliierten gab die FSK den Film 1950 gekürzt frei. Die Alliierten verboten ihn jedoch wieder.
Premiere hatte der Film am 24. September 1943 in Prag, in Frankreich lief er am 10. November 1943 an und in Finnland am 12. Dezember 1943. Am 28. Januar 1944 wurde er erstmals in Schweden gezeigt. In der Sowjetunion kam er am 27. August 1949 in die Kinos, in der Bundesrepublik Deutschland dann am 7. Februar 1950. In der Deutschen Demokratischen Republik wurde er erstmals am 8. April 1950 im Film-Theater Babylon in Ost-Berlin aufgeführt. Die endgültige Freigabe des Films durch die FSK erging erst im Frühjahr 1955, nachdem die Bundesrepublik Deutschland ihre Souveränität wiedererlangt hatte. Die westdeutsche Version endet mit dem Untergang des Schiffes, während die östliche, vollständige Fassung, die auch auf arte gezeigt wurde, mit der anschließenden Sitzung des Untersuchungsausschusses endet.[4]
Im Jahr 2019 wurde die von der Murnau-Stiftung restaurierte Fassung auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. Dort wurden auch die entfernten England-feindlichen Szenen wieder eingefügt.[11]
Authentizität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film Titanic ist ein Propagandafilm, der die britische Elite als besonders gierig und gewissenlos darstellen soll. Die positive Hauptfigur ist ein deutscher Offizier, Petersen, den es in Wirklichkeit nicht gegeben hat. Auch weitere erfundene Personen sind Deutsche, wie ein Professor Bergmann, der auf dem sinkenden Schiff einem jüngeren Passagier einen Stapel Papiere mit seinem Lebenswerk mitgibt. Britische Crewmitglieder mitsamt dem Kapitän erscheinen nicht als unsympathisch, beugen sich aber den Befehlen des Reeders Ismay. Bildtafeln am Anfang und am Ende des Filmes geben den Zuschauern die gewünschten antibritischen Botschaften mit.
Der Film verfälschte sowohl Ursachen als auch Ablauf der Katastrophe: Das alte Gerücht, die Titanic sei aus Rekordsucht ins Verderben gefahren, war schon zu Zeiten des Films längst widerlegt. Das Schiff war in seiner Maschinenleistung gar nicht darauf ausgelegt, den Geschwindigkeitsrekord des Blauen Bandes zu brechen, sondern auf Luxus durch möglichst geringe Vibrationen.[12][13] Im Film wurde zudem fälschlich dargestellt, dass die Titanic eine Geschwindigkeit von 26,5 Knoten habe erreichen können. Sie konnte hingegen „nur“ eine Höchstgeschwindigkeit von 23 bis 24 Knoten erreichen, und die tatsächliche Reisegeschwindigkeit betrug ca. 21 Knoten (entspricht 38 bis 39 km/h).[14]
Allerdings hätte die Titanic allgemein versuchen können, aus PR-Gründen möglichst schnell in New York anzukommen. Es wird in der Forschung ernsthaft diskutiert, ob der Direktor Ismay den Kapitän dahingehend beeinflusst haben könnte. Der Titanic-Forscher Samuel Halpern hält dagegen, dass es für so einen Einfluss keinen stichhaltigen Beweis gäbe. Zwischen Ismay und Kapitän gab es in dieser Hinsicht vermutlich keine unterschiedliche Auffassung.[15]
Die Handlung orientiert sich frei an einem bereits sehr eigenwilligen Roman, daher lassen sich zahlreiche weitere Fehler im Film entdecken. Hier eine Auswahl:
- Ismay war bereits verheiratet, aber nicht mit einer Frau namens Gloria.
- Die Reederei White Star Line hat zwar Kredite für die Olympic, die Titanic und die Britannic aufgenommen, befand sich aber nicht in einer finanziellen Krise. Die entsprechenden Aktien- und anderen Händel im Film sind erfunden.
- Am Sonntag, den 14. April heißt es im Film, die Titanic werde tags darauf in New York ankommen. Tatsächlich wäre dies der Mittwoch gewesen.
- Die Notruf-Raketen an Bord des Schiffes entsprachen, anders als im Film behauptet, den damaligen Regeln.
- Die Titanic wurde nicht vom Eisberg aufgeschlitzt.
- Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Titanic-Film die Californian erwähnt. Doch in der Realität ist Kapitän Lord nicht auf die Brücke gekommen, und er hat sich bis an sein Lebensende geweigert anzuerkennen, dass das Schiff am Horizont die Titanic gewesen ist.
- Petersen nennt widersprüchliche bzw. falsche Zahlen zu den Menschen an Bord sowie den Plätzen in den Rettungsbooten.
- Auf der Titanic spielten anlässlich des Unterganges acht Musiker mit verschiedenen Instrumenten; im Film wird daraus eine veritable Blaskapelle.
- Der Kanarienvogel im Funkraum ist eine freie Erfindung. Funker Philipps ist im Film ein alter Mann; der reale Funker Jack Phillips war 25 Jahre alt.
- Die Schluss-Szene mit dem (britischen) Untersuchungsausschuss wirkt zu sehr wie eine Gerichtsverhandlung. Der Untersuchungsausschuss hat einen Abschlussbericht vorlegt, aber kein Gerichtsurteil gefällt. Es ist allerdings richtig, dass der Bericht die Verantwortung beim Kapitän gesehen hat und dass Ismay später nicht angeklagt wurde.
Die Darstellung des Schiffes mit Hilfe einer für die damalige Zeit hochentwickelten Trickfilmtechnik und des Einsatzes eines 6 m langen Modells wurde in dem Film Die letzte Nacht der Titanic von 1958 erneut verwendet, ebenso wie Szenen mit Bauten von Fritz Maurischat.[16] Das Modell ist großteils realitätsgetreu. Erst seit 1985 weiß man, dass das Schiff beim Untergang in zwei (und mehr) Teile zerbrochen ist. Im Film hingegen geht das Schiff in einem Stück unter.
Kritiken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kritikerin des französischen Filmportals SensCritique kommt nach einer ausführlichen Filmbesprechung zum Schluss, die Version von 1942 sei „unterhaltsam anzusehen […], ein absolut empfehlenswerter Katastrophenfilm (selbst nach dem aktuellen Standard), dessen romantische Aspekte zweifellos James Cameron inspiriert haben […]. Aber er ist auch der Archetyp eines Propagandafilms in Kriegszeiten […] in einem Genre, wo man das nicht unbedingt erwarten würde. Man sollte ihn wohl mit Neugier und ohne Vorbehalte anschauen, sowohl was die dargestellte Story betrifft als auch vom Aspekt des historischen Kontexts […]“.[17]
Der Autor und Kritiker Karlheinz Wendtland schrieb, dieser „antibritische Film“ lasse einen „merkwürdig kalt“. Anstoß nahm Wendtland an einer von Joe Hembus aufgegriffenen Kritik durch Reimar Hollmann, der befand: „Titanic gehört zu jener großen Anzahl drittklassiger Filme, die zweitklassige Regisseure im Dritten Reich zustande gebracht haben.“ Wendtland entrüstete sich: „Ein aufrechter Mann wie der Regisseur dieses Films, Herbert Selpin, der auch vor Goebbels und in der Gestapohaft zu seinen beleidigenden Äußerungen über die deutsche Wehrmacht stand und der interessante Filme schuf, muß sich heute als ‚zweitklassiger Regisseur‘, der ‚drittklassige Filme‘ gedreht hat, beschimpfen lassen. Das doch offenbar von einem Mann, der einer Film‚kunst‘richtung angehört, deren Kopien unaufführbarer Filme sich zu unübersehbaren Bergen stapeln.“[4]
Weitere Filme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film von 1943 ist der erste Tonfilm, in dem das Schiff, das verunglückt, Titanic heißt. Erst in den 1950er-Jahren sollten weitere (angelsächsische) Verfilmungen des Unglücks folgen. Ein TV-Film von 1979 war der erste Titanic-Film in Farbe. Erst der Film von James Cameron aus dem Jahr 1997 stellte das Schiff sowohl in den Innen- als auch den Außenaufnahmen realistisch und detailgetreu dar. In allen diesen Filmen ist es üblich, in der Handlung reale Ereignisse und Personen mit erfundenen zu verknüpfen.
Dokumentarfilm
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Malte Fiebing: Titanic (1943). Die Nazis und das berühmteste Schiff der Welt Books on Demand, Nordersted 2012, ISBN 978-3-8448-1058-5.
- Hemma Marlene Prainsack: So sank die Titanic. Antibritische Propaganda im nationalsozialistischen Spielfilm. Diplomarbeit, Universität Wien, 2013 (PDF).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Titanic bei IMDb
- Titanic bei filmportal.de
- Malte Fiebing-Petersen: Die Nazis und ihr Titanic-Film. In: Titanicverein.de
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Freigabebescheinigung für Titanic. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK-Nummer: v4492-b; abgerufen am 4. Mai 2026).
- ↑ Titanic Filmplakat bei dhm.de
- ↑ Was wäre eine Reichsmark wert? In: Freie Presse, abgerufen am 1. September 2016.
- 1 2 3 4 5 Karlheinz Wendtland: Geliebter Kintopp. Sämtliche deutsche Spielfilme von 1929–1945 mit zahlreichen Künstlerbiographien. Jahrgang 1943, 1944 und 1945, Verlag Medium Film Karlheinz Wendtland, Berlin, Film 65/1943, ISBN 3-926945-05-2, S. 60–61.
- ↑ Hans Schmid: Das Dritte Reich im Selbstversuch – Teil 6: Die Russen kommen! Aber wo?
In: Telepolis, 24. Mai 2010, bei heise.de. Abgerufen am 26. April 2017. - ↑ Felix Möller in The Film Minister, Stuttgart 2000, ISBN 3-932565-10-X, S. 170.
- ↑ Cap Arcona: Ein Schiff schreibt Weltgeschichte auf Deutschlandfunk Kultur online; abgerufen am 26. Mai 2025
- ↑ Francis Courtade, Pierre Cadars: Geschichte des Films im Dritten Reich. Heyne, München 1977, ISBN 3-453-00759-X. S. 266
- ↑ Rolf Giesen, Manfred Hobsch: Hitlerjunge Quex, Jud Süß und Kolberg. Die Propagandafilme des Dritten Reiches. Dokumente und Materialien zum NS-Film. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2005, ISBN 3-89602-471-X, S. 430
- ↑ Realistisch ertrunken. In: Der Spiegel. Nr. 7, 1950 (online).
- ↑ https://www.schnittberichte.com/schnittbericht.php?ID=296430
- ↑ Rolf Giesen, Manfred Hobsch: Hitlerjunge Quex, Jud Süß und Kolberg. Die Propagandafilme des Dritten Reiches. Dokumente und Materialien zum NS-Film. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2005, ISBN 3-89602-471-X, S. 431, 432
- ↑ Francis Courtade, Pierre Cadars: Geschichte des Films im Dritten Reich. Heyne, München 1977, ISBN 3-453-00759-X. S. 265
- ↑ Die letzte Nacht auf der Titanic (Infobox:Titanic: Das Schiff ist ein schwimmender Palast) auf ARD alpha online; abgerufen am 26. Mai 2025
- ↑ Samuel Halpern: Account of the Ship's Journey Across the Atlantic. In: Samuel Halpern (Hrsg.): Report into the Loss of the SS Titanic: A Centennial Reappraisal. The History Press, Stroud 2016 (2012), S. 71–89, hier S. 84.
- ↑ Reclams Filmführer. 2. Aufl. 1973.
- ↑ Navire de propagande, Avis sur Titanic SensCritique.com., 9. April 2012, abgerufen am 12. September 2017
- ↑ Die Nazi-Titanic. In: Internet Movie Database. Abgerufen am 1. Juli 2023.
- ↑ Die Nazi-Titanic. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 1. Juli 2023.
