Tramelan
| Tramelan | |
|---|---|
| Staat: | |
| Kanton: | |
| Verwaltungskreis: | Berner Jura |
| BFS-Nr.: | 0446 |
| Postleitzahl: | 2720 |
| Koordinaten: | 574459 / 230353 |
| Höhe: | 900 m ü. M. |
| Höhenbereich: | 839–1184 m ü. M.[1] |
| Fläche: | 24,82 km²[2] |
| Einwohner: | 4727 (31. Dezember 2024)[3] |
| Einwohnerdichte: | 190 Einw. pro km² |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) | 19,0 % (31. Dezember 2024)[4] |
| Gemeindepräsident: | Hervé Gullotti (SP) |
| Website: | www.tramelan.ch |
Tramelan | |
| Lage der Gemeinde | |
Tramelan ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Berner Jura des Kantons Bern in der Schweiz. Der frühere deutsche Name Tramlingen wird heute selten verwendet.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tramelan liegt auf 900 m ü. M., 15 km nordwestlich von Biel (Luftlinie). Die Gemeinde erstreckt sich in einer breiten Talmulde des Baches Trame im Jura nördlich der Montagne du Droit und am Südostrand der Franches-Montagnes (deutsch Freiberge).
Die Fläche des 24,9 km² grossen Gemeindegebiets umfasst den oberen Talbereich der Trame, der zwischen der Antiklinale des Montbautier (1184 m ü. M.) im Norden und derjenigen der Montagne du Droit (bis 1110 m ü. M.) im Süden liegt. Der Höhenrücken des Montbautier bildet den höchsten Punkt von Tramelan. Den Westteil des Gemeindegebietes nimmt die leicht gewellte Hochfläche der Franches-Montagnes ein (970 bis 1050 m ü. M.). Hier wechseln sich moorige, meist oberirdisch abflusslose Senken mit Kuppen aus Kalkstein ab, ganz am Westrand liegt das Torfmoor La Tourbière. Auf dem Plateaujura sowie auf dem Kamm des Montbautier befinden sich ausgedehnte Jurahochweiden mit den typischen mächtigen Fichten, die entweder einzeln oder in Gruppen stehen. Das Gebiet wird durch die Trame nach Osten zur Birs entwässert. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 8 % auf Siedlungen, 32 % auf Wald und Gehölze, 59 % auf Landwirtschaft, und etwas mehr als 1 % war unproduktives Land.
Zu Tramelan gehören die Weiler Les Reussilles (1011 m ü. M.), Les Gerines (1038 m ü. M.) und Le Cernil (1005 m ü. M.), alle auf der Hochfläche der Franches-Montagnes gelegen, sowie zahlreiche Einzelhöfe, die weit verstreut im Talboden der Trame und auf den Jurahöhen liegen. Nachbargemeinden von Tramelan sind Mont-Tramelan, Corgémont, Tavannes und Saicourt im Kanton Bern sowie Les Genevez, Montfaucon, Le Bémont, Saignelégier und Les Breuleux im Kanton Jura.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Tramelan wurde im Jahr 1178 erstmals unter dem Namen Trameleins erwähnt. 1297 erfolgte die Bezeichnung Tramelans, und seit 1317 existiert der heutige Ortsname. Als deutsche Namen sind neben Tramlingen auch Tremlingen und Tremmlingen überliefert. Der Ortsname geht vermutlich auf den burgundischen Personennamen Thrasamal zurück, der unermüdlicher Krieger bedeutet.
Tramelan gehörte ursprünglich zum Kapitel Saint-Imier, ging aber während der Reformation an das Fürstbistum Basel über. Während des Dreissigjährigen Krieges wurde der Ort in Mitleidenschaft gezogen. Von 1797 bis 1815 gehörte Tramelan zu Frankreich und war anfangs Teil des Département Mont-Terrible, das 1800 mit dem Département Haut-Rhin verbunden wurde. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam der Ort 1815 an den Kanton Bern zum Bezirk Courtelary. 1839 wurde ein Teil von Tramelan durch einen Dorfbrand verwüstet. Der Ort war in die Gemeinden Tramelan-Dessous und Tramelan-Dessus geteilt, die 1952 zur Gemeinde Tramelan fusionierten.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit der Aufhebung von diskriminierenden Gesetzen gegen die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten, die hier lange nur geduldet worden waren, wurde ihnen in Le Cernil beim heutigen Ortsteil Les Reussilles 1883[5] die Einrichtung der ersten mennonitischen Kapelle im Berner Jura möglich gemacht. Diese Kapelle wurde 1928 durch einen Neubau im Ortsteil Les Mottes ersetzt.[6] 1938 kamen über 1000 Teilnehmer zum ersten Jugendtag der Schweizer Mennoniten in Les Mottes. Auch Jeangisboden (Le Jeangui) ist eine grosse mennonitische Kapelle.[5]
In Tramelan und Umgebung waren etwa 1000[7] Arbeiter in der Gewerkschaft FOMH. Im Generalstreik 1918 entschied ihre Versammlung mit 183 zu 94 Stimmen die Teilnahme am Streik. Alle Fabriken stellten die Arbeit ein. Im Tramelan erschien die Zeitung Le Progrès.[7] Ernest Vuille aus Tramelan gründete am 7. September 1919 an einer Versammlung in Sonceboz die Sozialdemokratische Partei des Jura, den Parti socialiste jurassien (PSJ).[8]
1934 fand hier der erste Salon jurassien statt, an dem der Maler Maurice Gerber aus Villeret seine Gemälde ausstellte, um dank seiner Begabung trotz der Wirtschaftskrise auch als arbeitsloser Uhrenarbeiter noch ein Auskommen zu haben.[9]
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1850 | 2'551 |
| 1900 | 5'559 |
| 1910 | 5'267 |
| 1930 | 5'000 |
| 1950 | 4'951 |
| 1960 | 5'567 |
| 1970 | 5'549 |
| 1980 | 4'733 |
| 1990 | 4'479 |
| 2000 | 4'165 |
| 2010 | 4'254 |
| 2020 | 4'636 |
| 2022 | 4'587 |
Mit 4727 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) ist Tramelan die drittgrösste Gemeinde des Berner Juras. Von den Bewohnern sind 86,3 % französischsprachig, 8,2 % deutschsprachig und 2,4 % italienischsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Tramelan pendelte von 1890 bis 1970 stets im Bereich von 5000 bis 5600 Personen. Seither hat sie durch starke Abwanderung deutlich abgenommen.
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Legislative heisst Conseil général (dt. Generalrat) und umfasst 37 Mitglieder. Sie werden vom Volk im Proporz für vier Jahre gewählt. Die rechts stehende Grafik zeigt die Sitzverteilung des Generalrates für die Legislatur 2023–2026 (Stand 2024).[10]
Exekutive von Tramelan ist der Conseil municipal (Gemeinderat), welcher auf eine Periode von vier Jahren gewählt wird. Er umfasst neun Personen darunter den Gemeindepräsidenten. Für die Legislatur 2023–2026 hat er folgende parteipolitische Zusammensetzung: SP 4 Sitze, SVP 2 Sitze, Groupe débat 2 Sitze, FDP 1 Sitz. Gemeindepräsident ist seit 2022 Hervé Gullotti (SP, Stand 2024[11]; von 2017 bis 2024 auch Grossrat, 2021/2022 Präsident[12]).
Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Tramelan (in Klammern die Veränderung im Vergleich zu den Wahlen 2019 in Prozentpunkten): SVP 33,92 % (+7,94), SP 27,23 % (−3,68), Grüne 12,33 % (−1,31), FDP 9,17 % (+2,10), EVP 6,77 % (−0,94), EDU 3,90 % (+2,20), glp 2,69 % (+0,10), Mitte 2,50 % (−2,93), SD 0,38 % (−0,13), PdA/Sol. 0,00 (−1,23).[13]
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heute sind nur noch wenige Arbeitsplätze im Bereich der Uhrmacherei vorhanden (Auguste Reymond, Armand Nicolet, Davosa und Nitella). Die grösste Bedeutung hat eine Werkzeugmaschinenfabrik, zahlreiche weitere Arbeitsplätze bieten Betriebe in der Elektronik, Feinmechanik und im Metallbau. Die Landwirtschaft spielt noch eine bedeutende Rolle, wobei Viehzucht und Milchwirtschaft überwiegen. Alljährlich findet im August ein nationales Reitturnier statt. Tramelan besitzt ein interregionales Fortbildungszentrum, das 1991 eröffnet wurde.
Die Umgebung von Tramelan ist ein Erholungs- und Wandergebiet. Im Winter kann am Nordhang der Montagne du Droit Ski gefahren werden, und auf den Jurahochflächen ist Skilanglauf möglich. Tramelan verfügt auch über eine Freibadanlage.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gemeinde ist verkehrstechnisch recht gut erschlossen. Sie liegt an der Kantonsstrasse von Tavannes nach Saignelégier.
Am 16. August 1884 wurde die Tavannes–Tramelan-Bahn eingeweiht. Am 16. Dezember 1913 erfolgte die Eröffnung der Tramelan-Breuleux-Noirmont-Bahn, der westlichen Fortsetzung bis nach Le Noirmont. Die Bahnlinie Tavannes–Tramelan–Le Noirmont wird seit 1944 von den Chemins de fer du Jura betrieben. Neben dem Bahnhof gibt es vier weitere Haltestellen auf dem Gemeindegebiet: Tramelan-Dessous, Tramelan-Chalet, Les Reussilles und Le Pied-d’Or. Die Haltestelle Tramelan-Collège ist nicht in Betrieb. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen Postautokurse von Tramelan nach Saint-Imier, nach Saignelégier und nach Glovelier.
Kunst
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Tramlabulle, Comics-Festival in Tramelan
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Brand wurde die reformierte Dorfkirche 1843 neu erbaut, eine umfassende Renovation mit Vergrösserung wurde 1957/1958 vorgenommen. Die katholische Kirche Saint-Michel stammt von 1909, eine Basilika, bei der Stilelemente der Neugotik und des Heimatstils verwendet wurden. Ebenfalls im Heimatstil wurde das Gebäude der Sekundarschule errichtet (1912).
Durch die zahlreichen kubischen Bauten der Mietshäuser, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut wurden, erhielt Tramelan ein städtisches Gepräge. Im ältesten Ortsteil, in Tramelan-Dessous, stehen noch einige Bauernhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Aus der gleichen Zeit stammen die zahlreichen auf der Hochfläche des Plateaujuras gelegenen typischen Bauernhöfe der Freiberge mit weissgetünchten Fassaden und grosser Dachfläche, insbesondere im Weiler Le Cernil. Die 1886 von Ellen G. White eingeweihte erste adventistische Kapelle außerhalb Nordamerikas diente bis anno 1968 als Versammlungsstätte und blieb als Werkstatt erhalten.[14]
Bilder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Tramelan
- Tramelan
- Katholische Kirche von Tramelan
- Innenansicht der katholischen Kirche von Tramelan
- Bürgerhaus in der Rue Albert-Gobat von 1917
- Reformierte Kirche von Tramelan
- Sekundarschulhaus Tramelan
- Ehemalige Uhrenfabrik Damas
- Ehemalige Uhrenfabrik Record Watch
- Restaurant «Aquarium» beim Bahnhof von Les Reussilles
- Bahnübergang in Les Reussilles
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Charles Albert Gobat (1843–1914), Friedensnobelpreisträger
- Virgile Rossel (1858–1933), Jurist (ZGB, 1912), Nationalrat (Präsident 1910), Bundesrichter (1912–1932), Autor
- André Ramseyer (1914–2007), Bildhauer
- Jacques Rossel (1915–2008), Präsident der Basler Mission
- Roland Béguelin (1921–1993), Gemeindeschreiber, Journalist, Politiker, in Delémont Mitgründer und Sekretär der jurassischen Freiheitsbewegung Rassemblement jurassien
- Georges Vuilleumier (1944–1988), Fussballspieler
- Erica Wallis (1945–1997), Politikerin (SP)
- Pierre-André Geiser (* 1961), Landwirt und Verwaltungsratspräsident der Fenaco Genossenschaft
- Moussia von Wattenwyl (* 1971), Grossrätin (Grüne)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website der Gemeinde Tramelan (französisch)
- Christine Gagnebin-Diacon: Tramelan. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
- ↑ Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
- 1 2 Markus Rediger, Erwin Röthlisberger: Walk in the Footsteps of the Anabaptists. Übersetzt von Beat Moser und Dora Matzinger. Swiss Mennonite Conference, Münsingen 2007, ISBN 978-3-033-01153-3, S. 18, 54–58, 82 (Originaltitel: Täuferführer der Schweiz.).
- ↑ Charly Ummel, Claire-Lise Ummel: L’Église anabaptiste en Pays neuchâtelois (= Mennonitica Helvetica. Nr. 17). Éditions d’En Haut (La Chaux-de-Fonds)/Société Suisse d’Histoire Mennonite, 1994, ISSN 1017-1789, S. 107 f.
- 1 2 François Kohler: La Grève générale dans le Jura. Avec Marc Vuilleumier, Eliane Ballif, Mauro Cerrutti, Bernard Chevalley. Éditions Grounauer, Genève 1977, S. 63–78, hier S. 64, 67.
- ↑ François Kohler: Genèse et débuts du Parti socialiste jurassien (1864–1922). In: Les origines du socialisme en Suisse romande, 1880–1920. Avec Claude Cantini, Alain Clavien, Alain Meyer, Marc Perrenoud, Jean-Claude Piguet, Charles F. Pochon, Brigitte Studer et Marc Vuillemier (= Cahiers de Association pour l’étude de l’histoire du mouvement ouvrier. Band 5). Éditions d’en bas, Lausanne 1989, S. 99–122, hier S. 114.
- ↑ Emma Chatelain: Gerber, Maurice (1908–1978). In: Dictionnaire du Jura. 3. Juni 2014, abgerufen am 6. Juli 2026.
- ↑ Conseil général. Website der Gemeinde Tramelan, abgerufen am 8. November 2020 (französisch).
- ↑ Conseil municipal. Website der Gemeinde Tramelan, abgerufen am 15. März 2024 (französisch).
- ↑ Hervé Gullotti, un président francophone pour le Grand Conseil bernois. In: RTS Info. 7. Juni 2021/29. November 2023.
- ↑ Eidgenössische Wahlen 2023, NR – Ergebnisse Parteien (csv). In: opendata.swiss. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 17. Februar 2024.
- ↑ Michel Bassin: Une chapelle inscrite dans l’histoire. In: Archives Adventistes/Le Journal du Jura. 2. Juni 2012, abgerufen am 22. Februar 2025 (französisch).


