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Hans Lynge (Autor)

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Hans Louis Abel Lynge (* 6. September 1906 in Nuuk; † 2. Juli 1988 in Haderslev, Dänemark) war ein grönländischer Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Komponist, Katechet und Landesrat.

Hans Lynge wurde am 6. September 1906 in Nuuk als Sohn des Oberkatecheten Niels Peter Salomon Lynge (1880–1965) und seiner Frau Theodora Ane Sisilie Rosing (1883–1940) geboren. Seine Großmutter mütterlicherseits war die Hebamme Karoline Rosing (1842–1901) und er war somit ein Neffe von Christian Rosing (1866–1944), Peter Rosing (1871–1938) und Karl Rosing (1878–1933). Er war das zweite von elf Kindern des Paars. Dazu hatte Hans zwei Halbschwestern aus der zweiten Ehe seines Vaters. Sein älterer Bruder Klaus Lynge (1902–1981) saß wie ihr Vater Niels und die Onkel Peter und Karl ebenfalls im Landesrat. Seine Schwester Cecilie Lund (1917–1999) war Schriftstellerin. Sein Schwager war der Politiker und Schriftsteller Nikolaj Rosing (1912–1976).[1]

Nachdem er die Schule beendet hatte, besuchte Hans Lynge Grønlands Seminarium, das er 1927 abschloss. Anschließend wurde er als Katechet in Qaqortoq eingesetzt. Am 11. Dezember 1930 heiratete er Marie Louise Mathilde Lund (1904–1996), Tochter des Dichters Henrik Lund (1875–1948) und seiner Frau Karoline Malene Justine Haldora Egede (1878–1979). 1931 erkrankte er in seinen Mittzwanzigern an Tuberkulose und musste seine Arbeit aufgeben. In der Folge begann er künstlerisch und schriftstellerisch aktiv zu werden, sow es bereits sein Vater war. Zeitgleich wuchs sein politisches Interesse. 1937 wurde er in den Rat der Gemeinde Qaqortoq gewählt. Im selben Jahr wurde an Hans’ 31. Geburtstag sein erster Sohn Jørgen Niels Henrik Hans Lynge geboren, der später Programmdirektor bei Kalaallit Nunaata Radioa wurde und mit der Politikerin Laannguaq Bolette Vahl (* 1943) verheiratet war. 1939 erfolgte seine Wahl in Grønlands Landsråd, wo er alle Sitzungen wahrnahm. Am 31. März 1940 wurde der jüngere Sohn Torben Emil Lynge († 2023) geboren, der Politiker wurde und dessen älteste Tochter die Schriftstellerin Nauja Lynge (* 1965) ist. 1945 wurde er wiedergewählt, reiste aber kurz darauf nach Dänemark und konnte so nur an einer Sitzung teilnehmen, bevor er durch seinen Vertreter und Bruder Klaus Lynge ersetzt wurde. Er war von 1945 bis 1946 Delegationsmitglied bei der Beratung mit dem Grönlandausschusses über die Dekolonialisierung des Landes.

In der nächsten Zeit konzentrierte er sich schließlich voll auf eine Karriere als Künstler und besuchte von 1947 bis 1950 Det Kongelige Danske Kunstakademi, wo er von Johannes Bjerg gelehrt wurde. Studienreisen führten ihn nach Frankreich und Italien. Allerdings sammelte er zwischen 1946 und 1952 auch Volkssagen aus dem Distrikt Upernavik ein, die er 1955 auf Dänisch in Meddelelser om Grønland und 1967 auf Grönländisch herausgab. Am 25. März 1961 heiratete er in zweiter Ehe die dänische Ärztin Inge Overgaard (* 1928), Tochter des Betriebsassistent Holger Overgaard (1900–1964) und seiner Frau Henny Marie Mouritsen (1902–1981). Die Ehe blieb kinderlos. 1972 gründete er gemeinsam mit Bodil Kaalund die Grafisk Værksted in Nuuk, aus der später die grönländische Kunstschole hervorging. Er starb am 2. Juli 1988 in Haderslev in Dänemark.[2][3]

Hans Lynges schriftstellerische Werke behandelten die traditionelle Lebensweise der Kalaallit und grönländische Sagen. Sein bedeutendstes Werk ist der Roman Ersinngitsup piumasaa, den er bereits in den 1930er Jahren schrieb, aber erst 1967 auf Grönländisch und posthum 1990 auf Dänisch unter dem Titel Den usynliges vilje („Der Wille des Unsichtbaren“) erschien. Es basiert auf inuitischer Tradition, hat aber sowohl biblische Anspielungen an die Erzählungen über Jona und Jesus, aber auch an Hans Christian Andersens Die Schneekönigin. In seinen zwei Bänden Grønlands indre liv von 1981 und 1988 beschreibt er Erinnerungen seiner Kindheit und Jugend. Darüber hinaus war er als Übersetzer tätig und übersetzte zahlreiche Bücher aus dem Dänischen ins Grönländische.

Bereits in den 1930er Jahren begann er zudem Schauspiele zu schreiben, von denen jedoch viele im Laufe der Zeit verloren gegangen sind. Zahlreiche dieser Schauspiele, vor allem aber die Oper Qunerseeq, enthielten Musik, die er selbst komponierte und teilweise ins dänische Højskolesangbogen aufgenommen wurden. Sein Wirken diente in den 1970er und 1980er Jahren als Inspiration für das Tuukkaq Teatret.

Hans Lynge war auch als Künstler aktiv, wobei er sowohl malerisch, zeichnerisch als auch bildhauerisch tätig war. Als Bildhauer entwarf er Büsten von Augo Lynge und Lars Møller. Dazu gestaltete er zahlreiche Kirchen und entwarf den aus 13 die Geschichte Grönlands betreffenden Tapisserien bestehenden Fries in Nuuks Rathaussaal.[2][3]

Er wurde 1972 zum Ritter des Dannebrogordens ernannt und erhielt 1978 die Godthåb-Medaljen.[2] 1983 wurde ihm der grönländische Kulturpreis verliehen.[4] Nach ihm sind zudem die Straße Hans Lyngep Aqqusernga[5] und die Schule Hans Lyngep Atuarfia in Nuuk benannt.

Einzelnachweise

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  1. Bendt Lynge: Lynge. Nuuk 1981, S. 18–19 (Online [PDF]).
  2. 1 2 3 Merete Harding, Mads Lidegaard: Hans Lynge. Dansk Biografisk Leksikon.
  3. 1 2 Kirsten Thisted, Stine Lundberg Hansen: Hans Lynge. Danmarks Nationalleksikon.
  4. Hans Lynge. Kraks Blå Bog 1988 (digitale Ausgabe, Abonnement erforderlich).
  5. Vejnavne i Nuuk. Kommuneqarfik Sermersooq.